Fachgruppe Radioaktivität
U. Jentzsch

Fehlkonstruktion - CASTOR - Risiko!

1. Die Lüge

In Hochglanzbroschüren wird die Sicherheit der Castorbehälter von der Atomindustrie mit den Worten gepriesen:

"Keine Verpackung ist so nachhaltig auf ihre einwandfreie Funktion auch unter extremsten Bedingungen getestet worden wie Transport- und Lagerbehälter für Brennelemente und hochaktive Abfälle.

" Doch entgegen der Behauptung wurde nicht ein einziger der derzeit eingesetzten Behältertypen (Castor V/ 19, Castor V/52 und HAW 20/28) jemals entsprechend den von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)* festgelegten Sicherheitsanforderungen im realistischen Experiment getestet. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) bestätigt:

"Mit den nach 1982 entwickelten und in Deutschland verwendeten CASTOR - Typen haben keine praktischen Versuche zum direkten Nachweis der Einhaltung der Belastungsanforderungen stattgefunden."

Die dem Bundeswirtschaftsministerium unterstehende Bundesanstalt für Materialforschung (BAM), das ein Monopol für die Zulassung der Behälter hat, lehnt Experimente mit Hinweis auf die damit verbundenen Kosten ab. Sie führt die "Sicherheitsnachweise" lieber mit Modellrechnungen am Computer durch. Die zwischenzeitlich bekanntgewordenen Pannen wurden jetzt sogar dem Präsidenten des BfS zu viel. Er unterstützt die seit Jahren von der BI erhobenen Forderung, Fallversuche, Erhitzungsprüfungen und Eintauchversuche an Originalbehältern durchzuführen. Die angeblichen Beweise experimenteller Sicherheitstests, die in Filmen und Broschüren der Öffentlichkeit von der Atomindustrie und ihren Förderern präsentiert werden, sind Fälschungen. Die gezeigten Behälter unterscheiden sich grundlegend von den im Gebrauch befindlichen Castor Behältern

2. Die ausländische Beurteilung

Die amerikanische Atomaufsichtsbehörde (NRC) hat kein Vertrauen in die deutschen Castor Behälter. Im Gegensatz zu ausländischen Behältern für Transport und Lagerung hochradioaktiven


* IAEA Internationale Atomenergie Organisation ist eine Behörde der UNO. Diese Organisation hat den satzungsgemäßen Auftrag, die friedliche Nutzung der Atomenergie weltweit zu fördern. Die von ihr empfohlenen Sicherheitstests sind als Minimalanforderungen anzusehen, die an Behälter mit hochradioaktiven Material zum Transport und zur Lagerung zu stellen sind. Seit vielen Jahren stehen sie in der Kritik, da sie angesichts der Folgen nach schweren Unfällen als nicht ausreichend angesehen werden. Der Einfluß der IAEA ist z.B. daran zu erkennen, daß die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ohne Zustimmung der IAEA keine beobachteten, radiologisch bedingten Schäden veröffentlichen darf (z.B. GAU - Tschernobyl).


Mülls, die aus Edelstahl gefertigt sind, bestehen die deutschen aus Gußeisen mit Kugelgraphit, weil die Herstellun- billiger ist. Edelstahl hat wesentlich bessere mechanische Eigenschaften als Gußeisen. Die Amerikaner befürchten, daß bei einem Unfall der Castor -Behälter Risse bekommt. Folgerichtig darf der Castor - Behälter entsprechend der Auflage der Atomaufsichtsbehörde nur im Schneckentempo auf dem Gelände eines Atomkraftwerks bewegt werden. Ferner ist ein besonders niedriger Spezialanhänger für den Transport vorgeschrieben. Transporte außerhalb des Werksgeländes sind strikt untersagt. Die deutsche Herstellerfirma (GNB) will jedoch auch in Amerika ins Geschäft kommen. Sie produzierte deshalb einen neuen Castor - Behälter - jedoch aus Stahl!

3. Der unbemerkte Pfusch

- Ein schwerwiegender Konstruktionsfehler wurde 1999 bekannt. Die Bohrungen für die Moderatorstäbe im Gußkörper waren zu "gering" bemessen, um der Temperaturausdehnung der Stäbe hinreichend Raum zu geben. Dieser Fehler zeigt zweifelsfrei, daß die BAM mit ihren Modellrechnungen nicht einmal dieses simple physikalische Phänomen erfaßt hat. Um so mehr sind Zweifel an den komplizierten Rechnungen zur Bestätigung der internationalen Sicherheitsanforderungen berechtigt. Das BfS sah sich daraufhin gezwungen, im Dezember 2000 Änderungsgenehmigungen für das Zwischenlager Gorleben und Ahaus zu erlassen. Für den Behältertyp V/ 19 wurde die thermische Leistung von 39 kW auf 25 kW und für den Typ V/52 von 40 kW** auf 12 kW reduziert. Gleichzeitig versicherte das BfS, daß die bereits in Ahaus und Gorleben eingelagerten Behälter die reduzierten kritischen Wärmeleistungen nicht überschritten hätten. Bislang wurden weder von den Aufsichtsbehörden noch vom BfS diese Wärmeleistungen und die entsprechend gemessenen Oberflächentemperaturen veröffentlicht. Eine Überprüfung der beruhigenden Äußerungen des BfS ist daher nicht möglich. Zweifel sind aufgrund der bisherigen Erfahrungen angebracht! Merkwürdigerweise wurde die thermische Leistung von 40 bzw. 45 kW für den Glaskokillen Behälter Typ HAW nicht reduziert. Die Konstruktion des Behälters hat jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit den gleichen Fehler wie die Behälter für abgebrannte Brennelemente. Es besteht der dringende Verdacht, daß aufgrund politischer Einflußnahme Sicherheitsbedenken ignoriert wurden. In Frankreich hätten die bereits gefüllten HAW -Behälter wieder entladen werden müssen, um einer reduzierten Wärmeleistung Rechnung zu tragen. Das wäre einer Bankrotterklärung deutscher Castor - Technologie gegenüber dem Ausland gleichgekommen.

**Die ursprünglichen technischen Annahmebedingungen für das Zwischenlager Ahaus liegen uns nicht vor. Die angegebene Zahl wurde dem TÜV - Gutachten zum Castor V/52 (September 1997) entnommen.

 

Beim Absetzen eines HAW - Behälters im Lager Gorleben ereignete sich am 03.04. 2001 ein Zwischenfall. Berichten zufolge wurde beim Aufsetzen des Behälters auf den Hallenboden bemerkt, daß sich die 2,5 cm dicke Stahlplatte am Boden verformt hat. Die Schrauben, die diese Platte am Gußkörper befestigen, gaben nach und unter Druck stehendes Gas entwich mit zischendem Geräusch. Die Betreibergesellschaft (BLG) gab zu diesem Zwischenfall folgende Erklärung ab:

Das System war zu dicht, die Schrauben waren zu fest angezogen. Daß Luft an dieser Stelle aus dem Castor entweicht, liegt in der Natur der Behälterkonstruktion. Nur sollte der Druck kontinuierlich über einen kurzen Zeitraum entweichen. Es habe sich ein Überdruck von 1,3 bar aufgebaut.

 

Jede Wasserrohrleitung, jeder Gartenschlauch ist einem Überdruck von 4 bar mechanisch gewachsen. Die Erklärung des Betreibers ist absolut unhaltbar. Wir führen diesen Zwischenfall auf die Wärmeausdehnung der Moderatorstäbe zurück. Nicht auszudenken ist, wenn die von den Moderatorstäben ausgehenden Spannungen im Behältermantel zur Rißbildung führt. Schlimmstenfalls könnte es zu einem Bersten des Behälters kommen. Die Folgen der dann freigesetzten Radioaktivität für die Bevölkerung wären katastrophal. Wir fordern deshalb eine lückenlose Aufklärung des Zwischenfalls, Offenlegen aller technischen Details zu dem Konstruktionsfehler und seiner möglichen Auswirkung auf die bereits eingelagerten Behälter,-ein Belade- und Transportverbot für alle Castor - Behälter bis unabhängige Gutachter ein Ergebnis vorgelegt haben. Von dieser Begutachtung sind alle Gutachter auszuschließen, die die Fehlkonstruktion nicht bemerkt haben!

Wie lange noch darf die Atomindustrie mit Billigung von Regierungen und Behörden russisches Roulett mit der Bevölkerung und ihren Nachkommen an den Transportstrecken und Zwischenlagern spielen?

Bearbeitet am: 02.07.2001/ad


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