Umgebungsüberwachung Gorlebener Anlagen unabhängig von Staat und Betreiber

(Eine Initiative der Fachgruppe Radioaktivität)

 U. Bolle, H. Görlich, U. Jentzsch


Jahresrückblick 2006

A. Strahlungsintensität der Luft

In Abbildung 1 sind die Tagesmittelwerte über das Jahr 2006 wiedergegeben. Die automatische Erfassung der Messwerte erfolgt im fünf Minutentakt rund um die Uhr.

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Abb. 1. Relative Dosisleistungen vom 01.01. bis 31.12.06 in Gedelitz (r1), Gorleben (r2), Trebel (R3) und Meetschow (r4).

(Eine Impulsrate von 26600 Imp/h entspricht in etwa einer Dosisleistung von ca. 70 Nanosievert pro Stunde (nSv/h).)

Erhöhungen der Intensität sind in der Regel an allen Messstellen zu beobachten. Verantwortlich für die Intensitätsschwankungen ist der Radioaktivitätseintrag durch Feuchtigkeit (Regen, Schnee, Nebel) . Aerosole, die mit der Feuchtigkeit transportiert werden, schlagen sich auf der Oberfläche der Detektoren nieder. Aus der Abklingzeit der Radioaktivität lässt sich ermitteln, dass es sich bei der Radioaktivität um Folgeprodukte des Radonzerfalls (siehe Abb. 2a) handelt. Das Edelgas Radon entsteht beim radioaktiven Zerfall des natürlichen Urans.
Die angezeigten unterschiedlichen Niveaus der Strahlungsintensitäten lassen sich nicht auf Unterschiede in der Empfindlichkeit der Detektoren zurückführen, sondern auf lokale Unterschiede der Bodenstrahlung. Auch Baumaterialien in der Umgebung mit unterschiedlichen natürlichen Radioaktivitätsgehalt beeinflussen die Detektoranzeige.
Die Analyse der Messdaten im Jahr 2006 unterscheiden sich nicht von denen der vorangegangenen Jahre. Auch die von den Castoren ausgehende Strahlung wird zum Zeitpunkt des Transports in Gorleben angezeigt (siehe Abb. 2b).
Es liegt in der Natur der Sache, dass sich kurzeitige Erhöhungen der Intensität in den Tagesmittelwerten (wie in Abb. 2a und 2b) kaum niederschlagen. Deshalb ist eine Analyse der einzelnen Messdaten eines Tages sinnvoll und notwendig.

In Abbildung 2a. ist ein Beispiel dargestellt, wie sich radioaktive Aerosole bei Niederschlag auf die Messung auswirken.

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In Abb. 2a. ist der Intensitätsverlauf am 25.08.2006 an der Messstelle r1 (Gedelitz) wiedergegeben, der durch radioaktive Aerosole beeinflusst ist. Mit einem Detektor wird angezeigt, ob Niederschlag vorhanden ist oder nicht (Ja-Nein Aussage - rechte Skala). Im Zeitraum vor ca. 14:00 Uhr wird gelegentlich Regen angezeigt, ohne dass die Messwerte davon beeinträchtigt werden. Dann beginnt eine kurze Regenphase mit eingelagerten Aerosolen. Die Strahlungsintensität steigt an und fällt dann wieder entsprechend der für die Radioaktivität charakteristischen Halbwertzeit auf normales Niveau. Der Abfall hier ist kennzeichnend für natürliches Radon.


In Abbildung 2b. sind die im fünf Minutentakt registrierten Messwerte am Tag des CASTOR - Transports wiedergegeben.

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Abb. 2b.

Intensitätsverlauf am 13.11.06, Tag der CASTOR-Transporte. Auch noch in ca. 50 Meter Entfernung ist die Gammastrahlung registrierbar. Die vom Detektor erfasste Gammastrahlung ist jedoch nur ein Bruchteil der Gesamtstrahlung. Nach offiziellen Messungen der Castorstrahlung (BfS) ist die Neutronenstrahlung ca. viermal intensiver als die Gammastrahlung.

Bei der Messung muss berücksichtigt werden, dass die CASTOR- Strahlung gerichtet ist. Sie entsteht durch Radioaktivität, die in den Behältern eingeschlossen ist. Gleiches gilt für die Neutronenstrahlung. Die Messstellen sind zur Erfassung von Radioaktivitätseintrag, nicht aber zur Registrierung einer gerichteten Strahlung konzipiert. Aus der Tatsache, dass sie dennoch erfasst wird, zeigt, dass die Strahlung aus CASTOR - Behältern nicht auf die unmittelbare Umgebung beschränkt ist, wie fälschlich behauptet wird.

Folgt man der Empfehlung der Internationalen Vereinigung (ICRU), so ist der Anteil der Gammastrahlung nur ca. 10%, wie aus strahlenbiologischen Experimenten hervorgeht. Das Bundesamt für Strahlenforschung (BfS) hatte ein Forschungsvorhaben ausgeschrieben, um die biologische Wirkung von Castor-Strahlung experimentell zu ermitteln. Drei namhafte Forschungsinstitutionen waren bereit diese Vorhaben in Kooperation durchzuführen. Doch die GNS verweigerte den Zugang der Forscher in die Castor-Halle. Auch eine Intervention beim Bundesforschungsminister, dem zunächst ein Interesse an der Klärung wissenschaftlich umstrittener Fragen im Interesse der Bevölkerung unterstellt werden kann, änderte an der Verweigerungshaltung nichts. Entweder wollte oder konnte der Bundesumweltminister keinen Einfluss auf die Atomindustrie ausüben. Das Beispiel zeigt einmal mehr, dass Industrieinteressen politisch Priorität genießen oder politisches Handeln bestimmen. Das geplante Forschungsvorhaben des BfS ist somit hinfällig.

B. Straßentransporte

Wie bereits mehrfach berichtet, hat die Fachgruppe eine Messanlage zur Überwachung radioaktiver Straßentransporte entwickelt. Bekanntlich werden schwach- und mittelaktive Abfälle ohne jede Ankündigung im Gegensatz zu Castor-Transporten durchgeführt. Da in Gorleben für derartige Abfälle ebenfalls eine Lagerhalle (Fasslager) existiert, schien es geboten, derartige Transporte zu registrieren. Es ist nicht bekannt, in welchem Umfang diese Lagerhalle beim Rückbau von Atomanlagen genutzt werden wird. Bislang wurden nur sporadisch derartige Transporte angezeigt. In 2006 wurde die Messanlage um einen weiteren Detektor erweitert. Somit ist es jetzt möglich, zwischen Transporten zum bzw. vom Fasslager zu unterscheiden.

Abb. 3a zeigt die Messdaten, wie sie vom Detektor am Straßenrand aufgenommen wurden.

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Abb. 3a Der Detektor erfasst nur Gammastrahlung. Die Neutronenstrahlung, der größte Anteil der Castorstrahlung, kann nicht ermittelt werden. Zur Abschätzung der Intensität der Gesamtstrahlung werden Messungen des BfS herangezogen, die den Anteil der Neutronenstrahlung mit ca. 80% ausweisen.

In Abb. 3b werden die in Abb. 3a dargestellten Messdaten herangezogen, um die die von den Castoren ausgehende Strahlenintensität abzuschätzen.

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Abb. 3b Die Intensität der Strahlung wird hier auf die angezeigte Untergrundstrahlung bezogen (Rel. Strahlungsintensität). Die Messungen erfolgten im Zeittakt von 3 Sekunden. Die Intensität der natürlichen Strahlung (Untergrund) wurde berücksichtigt.
Die mit StrSchV (Strahlenschutzverordnung) gekennzeichneten Werte beziehen sich auf verwendeten Maßgaben, wie sie vom BfS verwendet werden. Bei den unter ICRU bezeichneten Werte beziehen sich auf die Empfehlungen der internationalen Strahlenbiologischen Vereinigung (ICRU).

Der internationale Transportgrenzwert für Behälter mit hochradioaktiven Abfällen ist auf 100 Mikrosievert pro Stunde in zwei Meter Abstand festgelegt. Dieser Wert entspricht in etwa dem 1400-fachen des Durchschnittswertes der natürlichen Strahlung in der Region. Der Abstand des Detektors zum vorbeifahrenden Fahrzeugen ist nicht bekannt. Er liegt jedoch im Bereich des quadratisch abfallenden Intensitätsbereiches. Der registrierte Messwert schwankt somit überproportional mit dem nach Abstand des vorbeifahrenden Castor-Behälters. Auch haben die Castorbehälter unterschiedlichen Gehalt an Radioaktivität, die für die Strahlungsintensität maßgebend ist. Die aus unseren Messwerten abgeleiteten Strahlungsintensitäten haben daher nur orientierenden Charakter.

Bearbeitet am: 15.02.2007/ad


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