(Eine Initiative der Fachgruppe Radioaktivität)
U. Bolle, H. Görlich, U. Jentzsch
Jahresrückblick 2006A. Strahlungsintensität der Luft
Abb. 1. Relative Dosisleistungen vom 01.01. bis 31.12.06 in Gedelitz (r1), Gorleben (r2), Trebel (R3) und Meetschow (r4). (Eine Impulsrate von 26600 Imp/h entspricht in etwa einer Dosisleistung von ca. 70 Nanosievert pro Stunde (nSv/h).)
In Abbildung 2b. sind die im fünf Minutentakt registrierten Messwerte am Tag des CASTOR - Transports wiedergegeben.
Abb. 2b.
Bei der Messung muss berücksichtigt werden, dass die CASTOR- Strahlung gerichtet ist. Sie entsteht durch Radioaktivität, die in den Behältern eingeschlossen ist. Gleiches gilt für die Neutronenstrahlung. Die Messstellen sind zur Erfassung von Radioaktivitätseintrag, nicht aber zur Registrierung einer gerichteten Strahlung konzipiert. Aus der Tatsache, dass sie dennoch erfasst wird, zeigt, dass die Strahlung aus CASTOR - Behältern nicht auf die unmittelbare Umgebung beschränkt ist, wie fälschlich behauptet wird. Folgt man der Empfehlung der Internationalen Vereinigung (ICRU), so ist der Anteil der Gammastrahlung nur ca. 10%, wie aus strahlenbiologischen Experimenten hervorgeht. Das Bundesamt für Strahlenforschung (BfS) hatte ein Forschungsvorhaben ausgeschrieben, um die biologische Wirkung von Castor-Strahlung experimentell zu ermitteln. Drei namhafte Forschungsinstitutionen waren bereit diese Vorhaben in Kooperation durchzuführen. Doch die GNS verweigerte den Zugang der Forscher in die Castor-Halle. Auch eine Intervention beim Bundesforschungsminister, dem zunächst ein Interesse an der Klärung wissenschaftlich umstrittener Fragen im Interesse der Bevölkerung unterstellt werden kann, änderte an der Verweigerungshaltung nichts. Entweder wollte oder konnte der Bundesumweltminister keinen Einfluss auf die Atomindustrie ausüben. Das Beispiel zeigt einmal mehr, dass Industrieinteressen politisch Priorität genießen oder politisches Handeln bestimmen. Das geplante Forschungsvorhaben des BfS ist somit hinfällig. B. Straßentransporte Wie bereits mehrfach berichtet, hat die Fachgruppe eine Messanlage zur Überwachung radioaktiver Straßentransporte entwickelt. Bekanntlich werden schwach- und mittelaktive Abfälle ohne jede Ankündigung im Gegensatz zu Castor-Transporten durchgeführt. Da in Gorleben für derartige Abfälle ebenfalls eine Lagerhalle (Fasslager) existiert, schien es geboten, derartige Transporte zu registrieren. Es ist nicht bekannt, in welchem Umfang diese Lagerhalle beim Rückbau von Atomanlagen genutzt werden wird. Bislang wurden nur sporadisch derartige Transporte angezeigt. In 2006 wurde die Messanlage um einen weiteren Detektor erweitert. Somit ist es jetzt möglich, zwischen Transporten zum bzw. vom Fasslager zu unterscheiden. Abb. 3a zeigt die Messdaten, wie sie vom Detektor am Straßenrand aufgenommen wurden.
Abb. 3a Der Detektor erfasst nur Gammastrahlung. Die Neutronenstrahlung, der größte Anteil der Castorstrahlung, kann nicht ermittelt werden. Zur Abschätzung der Intensität der Gesamtstrahlung werden Messungen des BfS herangezogen, die den Anteil der Neutronenstrahlung mit ca. 80% ausweisen. In Abb. 3b werden die in Abb. 3a dargestellten Messdaten herangezogen, um die die von den Castoren ausgehende Strahlenintensität abzuschätzen.
Abb. 3b Die Intensität der Strahlung wird hier auf die angezeigte
Untergrundstrahlung bezogen (Rel. Strahlungsintensität). Die Messungen erfolgten im
Zeittakt von 3 Sekunden. Die Intensität der natürlichen Strahlung (Untergrund) wurde
berücksichtigt. Der internationale Transportgrenzwert für Behälter mit hochradioaktiven Abfällen ist auf 100 Mikrosievert pro Stunde in zwei Meter Abstand festgelegt. Dieser Wert entspricht in etwa dem 1400-fachen des Durchschnittswertes der natürlichen Strahlung in der Region. Der Abstand des Detektors zum vorbeifahrenden Fahrzeugen ist nicht bekannt. Er liegt jedoch im Bereich des quadratisch abfallenden Intensitätsbereiches. Der registrierte Messwert schwankt somit überproportional mit dem nach Abstand des vorbeifahrenden Castor-Behälters. Auch haben die Castorbehälter unterschiedlichen Gehalt an Radioaktivität, die für die Strahlungsintensität maßgebend ist. Die aus unseren Messwerten abgeleiteten Strahlungsintensitäten haben daher nur orientierenden Charakter. |
Bearbeitet am: 15.02.2007/ad
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