Vortrag Friedhelm H. Timpert,
anlässlich der Veranstaltung der Bürgerinitiative
Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V. (BI)
am 06.09.2002 in Dannenberg
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„CASTOR-Transporte illegal? Genehmigungen für   CASTOR-Lager rechtswidrig?"

Sehr geehrte Damen und Herren,

vor ca. 30 Jahren saß ich in Lüneburg auf der Großen Bäckerstraße vorm Cafe Rauno. Meine Tochter, zu der Zeit ca. 3 bis 4-jährig, spielte zwischen den weiteren Cafe-Gästen. Plötzlich rief ein vorbeigehender Passant „Merde".

Meine Tochter nahm das Wort auf, kam zu mir und fragte laut: „Papi, was ist Merde? " Alle Cafe-Gäste vernahmen die von meiner Tochter an mich gerichtete Frage. Wie verhält der Befragte sich vor all den Leuten? Ich antwortete meiner Tochter ganz ruhig aber bestimmt; „das ist Losung." Meine Tochter war mit der Antwort zufrieden, denn sie war jagdlich gebildet (Ich bin Jäger).

Was ist der Hintergrund dieser Begebenheit? Ich habe meiner Tochter gegenüber „Glaubwürdigkeit" demon- striert. Sie hatte die Antwort akzeptiert, da für sie verständlich. Ein weiteres Hinterfragen erübrigte sich für sie daher und das besagte Wort war für meine Tochter unwichtig geworden und wurde nicht wieder benutzt.

Wie steht es jedoch mit der Kernenergie im Wendland speziell im Bezug auf das Transportbehälterlager Gorleben? Es wurden viele Fragen gestellt. Wurden diese jemals glaubwürdig beantwortet? Ich glaube nein! Und das vom ersten Tag an. Somit verfestigte sich bis heute ein Glaubwürdigkeits- verlust der seinesgleichen sucht.

Nur heute geht es m.E. den Kernkraftwerksbetreibern gar nicht mehr um ihre Glaubwürdigkeit. Heute wird, wie es mir scheint, einfach drauflos gelogen, betrogen sowie gehandelt wie es ihnen gerade so in den Kram passt, denn sie genießen ja den übergeordneten Schutz von Teilen der obersten Bundesbehörden und von Teilen der Politiker, speziell den des Bundesumweltministers Trittin,

Bild2.jpg (22004 Byte)Bild 2

Gezeigt wird in Bild 2 ein CASTOR-Behälter unter dem Titel „Radioaktive Frachten unterwegs" in der BfS-Broschüre, obschon der Behälter nicht dazu berechtigt in ihm radioaktive Fracht zu transportieren, da wie gezeigt, er kein Typ B-Behälter ist. Es fehlen die erforderlichen zugelassenen Kopf- und Fußstoßdämpfer!

Mein nun folgender Vortrag soll dazu beitragen, in den mir gestatteten 20 Minuten das Wesentlichste richtig zu stellen. Es muss Schluss sein mit der CASTOR-Unehrlichkeit, nicht nur gegenüber den Wendländern, sondern weltweit.

Was ist der wahre Hintergrund?

- Eine Jahrzehnte lange Verdrängung anfänglich grundsätzlicher Fehler, besonders im Bezug auf die Werkstoffwahl, dem Gusseisen und den damit verbundenen Problemen, stetes Leugnen der Abhängigkeit von den Kopf- und Fußstoßdämpfern und vieles mehr.

Begründung:

Ableitend von den IAEA Empfehlungen:

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Bild 3

und Wiedergabe aus der Broschüre der Bundesrepublik Deutschland, 10. Auflage, Stand September 1999, in der es richtig heißt:

„Die Prüfungen für Typ B-Behälter sollen die härtesten Bedin- gungen simulieren, denen Versandstücke bei einem Unfall standhalten müssen." (Diese Anforderungen konnten mit Gussei- sen ohne Hilfsmittel nicht erfüllt werden! Daher Rückgriff auf Kopf- und Fußstoßdämpfer!)

Bedauerlicherweise wurde dieser unerlässliche Rückgriff auf die Kopf- und Fußstoßdämpfer stets zu verdrängen gesucht. Jeder Beteiligte wusste, ohne diese Hilfskonstruktion ist eine gültige Genehmigung in keinem Teil dieser Erde zu erreichen. Daher wurde versucht, dieses Anhängsel zu leugnen.

Die IAEA Empfehlungen sind aber weltweit die Grundlage der Anforde- rungsprofile. Die Anforderungsnachweise sind mittlerweile per Gesetz u.a. auch in die deutsche Straßenverkehrsordnung aufgenommen worden. Die Anforderungen schreiben bestimmte Prüfungen vor, mit denen bewiesen werden muss, dass jedes Versandstück den betreffenden Anforderungen genügt. (Also ohne gültige Kopf- und Fußstoßdämpfer ging es mit dem CASTOR nicht). Weiter heißt es, die Verpackung muss so sein, dass Inhaltsverluste oder wesentliche Gefahr äußerer Strahlung verhindert werden. Die Anforderungen werden strenger, wenn die vom Inhalt ausge- hende radiologische Gefahr zunimmt. All diese Anforderungen mussten somit auch dem CASTOR abverlangt werden können.

Typ B-Versandstücke zur Aufnahme radioaktiven Materials

Typ B-Verpackungen werden, in diesem Fall inklusive der Kopf- und Fuß- stoßdämpfer, mechanischen Prüfungen sowie Brand- und Wasserdruckprü- fungen unterworfen um nachzuweisen, dass sie einem Unfall standhalten können. Jedes Versandstück muss den Belastungen aufeinanderfolgender mechanischer Prüfungen und der Brandprüfung unterworfen werden; ein zweites Muster ist der Wasseraußendruckprüfung zu unterziehen.

Mechanische Prüfungen

Hierbei wird das Versandstück, beim CASTOR selbstverständlich mit Kopf- und Fußstoßdämpfer, auf zwei verschiedene Fundamente so fallen gelas- sen, dass die größtmögliche Beschädigung entsteht. Bei der Fallprüfung fällt das Versandstück aus einer Höhe von 9 m auf eine flache, horizontale, unnachgiebige Oberfläche.

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Bild 4 Castor Falltestnachweise

Bei der anderen Fallprüfung fällt es aus einer Höhe von 1 m auf einen zylindrischen Dorn aus Baustahl mit einem Durchmesser von 15 cm. Der Dorn steht senkrecht und ist mit dem Fundament starr verbunden. Er ist mindestens 20 cm hoch („Dorntest"),

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Bild 5  Fallversuche mit Pollux,

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Bild 6 Fallversuche mit dem inclusive Stoßdämpfer „Japan-Castor"

Brandprüfung

Das Versandstück, beim CASTOR selbstverständlich mit Kopf- und Fuß- stoßdämpfer, muss mindestens 30 Minuten lang von allen Seiten Tempe- raturen von mindestens 800 °C ausgesetzt sein. (Das ist um mindestens 200°C zu niedrig, wie der Flugzeugabsturz in Amsterdam und der Anschlag auf das WTC bewiesen haben). Brennende Teile des Versandstückes dürfen nicht gelöscht werden, sondern müssen weiterbrennen, bis das Feuer von selbst erlischt. Nach Bild 7a u. 7b, siehe Aussage des Ministers Trittin, erfolgten die Prüfungen sogar mit Kopf- und Fußstoßdämpfer. (Dieser Nachweis wurde aber nie erbracht!)

Wasserdruckprüfung

Das Versandstück muss, selbstverständlich inklusive Dämpfer, mindestens 8 Stunden lang in Wasser eingetaucht werden bei einem Druck, der einer Wassertiefe von mindestens 15 m entspricht. Versandstücken für bestrahlte Kernbrennstoffe mit einer Aktivität größer 3,7.10.16 Bq müssen eine Stunde lang in Wasser getaucht werden. Der Wasserdruck muss einer Tiefe von mindestens 200 m entsprechen, dieses gilt auch für die Dämpfer (20 bar).

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Bild 7a

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Bild 7b Umrandeter Absatz in Bild 7a

 

Zuzüglich zu den Typ B Versandstücknachweisen in Form von praktischen Prüfungen muss eine ergänzende Störfallbeurteilung erstellt werden. Speziell für die Situation in Gorleben, dies trifft selbstverständlich auch für Ahaus und Rubenow zu, musste die Integrität der Behälter gegenüber Flugzeugabsturz, da die Gebäude nicht flugzeugabsturzsicher gebaut werden sollten, nachgewiesen werden. Beim CASTOR selbstverständlich mit Kopf- und Fußstoßdämpfern.

Die CASTOR Behälter konnten diesem Anspruch nicht genügen, so dass nach meiner Meinung zur Ablenkung auf Scheinnachweise zurückgegriffen wurde.

Angeblicher Raketenschlitten-„Aufprall" mit 100 km/h auf eine Betonwand. (Broschüre des BMfVBW Stand Oktober 99.)

Angebliche Kollision mit einer 140 t schweren Lok mit 3 D-Zugwagen mit 165 km/h Aufprallgeschwindigkeit auf einen auf den Gleisen liegenden Transportbehälter. (Broschüre des BMfVBW Stand Oktober 99.)

Beschusstest in Meppen auf der E 91 mit einem geschossartigem Gebilde von 1 t und 300 m/sec. Geschwindigkeit mit dem Resultat, dass die Ener- gieverzehreigenschaften des zu klein gewählten Widerlagers festgestellt wurden.

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Bild 8 Beschußtest

Nun zu dem Falltest aus 9 m Höhe auf ein nicht verrückbares Fundament. Nach unseren Erkenntnissen muss die Masse des Fundamentes mehr als 100 mal größer sein als die Masse des Fallobjektes, um als unnachgiebig bezeichnet werden zu können und um gültige Ergebnisse im Sinne der IAEA-Empfehlungen zu erzielen. Die verwendeten Fundamente hatten noch nicht einmal die 10-fache Masse!

Selbstverständlich wurden bei den Fallprüfungen Stoßdämpfer angewendet, wie in Bild 4 bis 6 bereits dargestellt (siehe auch Bild 9a mittig aus der BfS-Broschüre und Bild 18).

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Bild 9a

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Bild 9b

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Bild 9c

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Bild 9d

Tragzapfen Platzierungsveränderungen nach Falltestnachweis vorgenom- men, Bild 9a – 9d, durch Erkennen der Fehlkonstruktion und wie jetzt ge- handelt wird.

Nunmehr konnte der Typ B-Behälter in der dargestellten Form leider nicht mehr transportiert werden.

Ein fliegender Teppich zur Aufnahme von Gebilden mit ca. 120 Tonnen Gewicht ist aus Teheran noch nicht geliefert worden! Und ob der auf dem Teppich ruhende Behälter dann einer erforderlichen Typ-C-Prüfung standhält. ist bestimmt fraglich. Denn ein Typ-C-Behälter muss einem Falltest aus 80 m auf ein nicht nachgebendes Fundament standhalten. Daher ist es besser, wir lösen erst einmal das Typ B Problem mit 9 m Fallhöhe!

Bilder die für sich sprechen:

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Bild 10a

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Bild 10b

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Bild 11a

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Bild 11b

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Bild 12a

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Bild 12b

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Bild 13

Fest steht, die bei den Prüfungen verwendeten Stoßdämpfer können nicht im Nachhinein einer Design-Anpassung unterzogen werden um die Fehl- konstruktion zu vertuschen Bild 15 und 17. Das Nutzungsobjekt muss mit dem Nachweisgegenstand identisch sein (Baumuster). Beim Abweichen von diesen Vorgaben kann das, wie im vorliegenden Fall, nur zum Verlust der Sicherheit führen. Auch die gesetzlichen Vorgaben entsprechend § 4 Verkehrsrecht wurden umgangen, ebenso wie das Lagerrecht § 6, das sich wiederum auf § 4 Verkehrsrecht stützt, werden nicht befolgt. Bild 15 bis 17. Es wurde bisher kein ordnungsgemäß zugelassener Typ B-Behälter zwischen-gelagert sondern nur Behälter, die die Bedingungen zur Aufnah- me von radioaktiven Stoffen nicht erfüllen. Daher dürfen die bisher

zwischengelagerten Behälter in Gorleben ohne Anpassung an die Sicherheitserfordernisse dort nicht verbleiben.

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Bild 14

Hinzu kommt der zu erbringende Nachweis der Dichtheit derartiger Behälter. So hieß es im Münsterschen Urteil, in Lüneburg vom Oberverwaltungsgericht bestätigt und letztendlich vom Bundesverwaltungs- gericht ohne Änderungen anerkannt.

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Bild 15a

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Bild 15b

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Bild 16

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Bild 17

„Schließlich hat die BAM nachvollziehbar erläutert, dass, nachdem nach Fallversuchen nicht ausreichend niedrige Leckraten am Sekun- därdeckel festgestellt wurden, erneut Versuche mit einer verbesserten Konstruktion des Deckelstoßdämpfers durchgeführt und die dabei ermittelten Leckraten zur Grundlage der verkehrsrechtlichen Bewertung gemacht".

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Bild 18

Dieser Punkt war allen Parteien, BfS, BAM, GRS, und BMU auf die von Greenpeace vorgelegten Fragen so wichtig, dass sie in einer gemeinsamen Presseerklärung im Februar 1997 u.A. auf die Greenpeace-Fragen folgendes zu Protokoll gaben:

„Da alle CASTOR-Bauarten das veränderte Stoßdämpferkonzept aufweisen, ist bei ihrem Sicherheitsnachweis natürlich auch nur ein Bezug auf die Versuche mit dem Prüfmuster, welches dieses Konstruktionselement auch beinhaltet hatte, zulässig", s.

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Bild 18

Nicht genug dieser Aussagen! So dokumentierte einer der Hauptverant- wortlichen, Direktor Prof. Dr. Bernhard Droste, BAM Berlin, in einer Veröffentlichung unter der Rubrik Forschung „Geprüfte Sicherheit (II)" in der Zeitschrift „Gefährliche LADUNG" 10/98 folgenden Kernsatz:

„An kopf- und bodenseitig angeschraubten Tragzapfen werden die Behälter angehoben bzw. auf diesen während des Transportes in speziellen Tragegestellen gelagert. An Deckel und Bodenbereichen werden Stoßdämpfer, das sind Stahlblechkappen, die mit Holz definierter Art und Schichtung in Segmenten gefüllt sind, aufgeschraubt. Das Dichtsystem erfährt zusätzlichen Schutz vor Penetration durch eine im deckelseitigen Stoßdämpfer eingelegten Panzerstahlplatte."

Daneben wurde Bild 18 mit dem Untertitel „Konstruktiver Aufbau eines CASTOR V/19-Behälters" gezeigt.

Es darf selbstverständlich nicht unerwähnt bleiben, dass die zweiteilige Veröffentlichung mit folgendem Titel eröffnet wurde.

„Geprüfte Sicherheit"

Zu den Aufgaben der BAM gehört die Prüfung der Sicherheit von Transportbehältern für RADIOAKTIVE STOFFE. Sie hat in diesem Bereich richtungsweisendes geleistet. (BAM Aussage) Bild 18

Erhält man jedoch als Unbeteiligter Einsicht in Dokumente, die der BAM zur Behälterbeurteilung vorgelegen haben, siehe auch Plusminus-Bericht vom 23.07.02 21:50h, z.B. die vom Beschusstest in Meppen, so erfährt man Unglaubliches: gemäß Protokoll (Bild 19a u. 19b) einen Leckratenabfall innerhalb von 6 Min um 10-2 mbar ltr/sec, obschon in diesem Zeitraum allenfalls Tendenzen angezeigt sein dürften. So ist die Glaubwürdigkeit vollkommen in der „Merde".

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Bild 19a

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Bild 19b

Somit dürfte belegt sein, dass die sich von den Herstellern herausgenom- mene „Freiheit im Design", wie diese es nennen, nicht nur ein Verlust der Sicherheit darstellt, sondern von meiner Seite als unverantwortlich gegen- über der Allgemeinheit angesehen werden muss und auch angesehen wird. Wobei die Verantwortlichen meines Erachtens unbedingt und unverzüglich zur Rechenschaft gezogen werden sollten und umgehend aus dem Verant- wortungsbereich der Kernenergie entfernt werden müssten.

Nunmehr müssen alle Beteiligten unsere seit Jahren begründeten Forderungen unverzüglich anerkennen, berücksichtigen und befolgen,

„Nur in Kopf- und Fußstoßdämpfer eingebettete CASTOR-Behälter als integrale Bestandteile des Baumusters werden den Anforderungen der GGVS, GGVE und GGVSee als Typ B-System gerecht"

Das fordern nämlich die Ergebnisse nach Befolgen der IAEA-Regulations.

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Bild 20

*Ich danke Ihnen fürs Zuhören und Zusehen.

 

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Friedhelm H. Timpert

1 Geschäftsführender Gesellschafter der STM Safety Technology Management GmbH, Hamburg, Tel. 040-309772-0, Fax 040-309772-79 Seite 9

Bearbeitet am: 08.11.2002/ad


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