hobby.jpg (6347 Byte)

Nr. 10,  Oktober 1955

A

T

O

M

E

zwischen

WEST

und

OST

In Genf fand vom 8. bis 20. August die größte und wahrscheinlich auch bedeutungsvollste wissenschaftliche Tagung statt, die je veranstaltet wurde: die Internationale Konferenz über die friedliche Verwendung der Atomenergie. Aus 73 Ländern kamen 1400 Delegierte und über 3000 Beobachter. 450 wissenschaftliche Arbeiten, die Insgesamt 16 000 Seiten füllten, wurden diskutiert. hobby-Sonderkorrespondent Robert Gerwin war für die Dauer der Konferenz in Genf und hatte, über die offiziellen wissenschaftlichen Diskussionen hinaus, Gelegenheit, sich mit vielen Atomspezialisten aus Ost und West zu unterhalten. Er berichtet hier über die wissenschaftlichen Ergebnisse der Tagung und seine persönlichen Eindrücke. Auf einige besonders Interessante Themen, die in Genf behandelt wurden, wird hobby in seinen nächsten Heften ausführlich zurückkommen.
Als Journalist muß man - unter anderem - Glück haben. Tagelang hatte ich mich bemüht, mit Prof. Otto Hahn, dem heute sechsundsiebzigjährigen Altmeister der deutschen Atomphysik, ein Interview zu vereinbaren, aber nie traf ich ihn an. Da sehe ich eines Nachmittags in einem abseitigen Winkel des herrlichen Parks, der das 'Palais des Nations', den Tagungsort der Atomkonferenz, umgibt, eine Reihe von amerikanischen Wochenschau- und Fernseh-Reportern, die sich einen alten Herrn im hellgrauen Anzug vorgeknöpft haben und ihn nun hin und her drehen, wie sie es gerade brauchen. Beim Näherkommen höre ich, wie er gerade auf englisch erzählt, daß er damals, als ihm die Spaltung des Urans gelungen sei, niemals geglaubt habe, daß nach 17 Jahren einmal das daraus werden würde, was er jetzt hier sehe und erlebe. Es ist Prof. Hahn.

Er spricht ohne Pathos, ganz der einfache und bescheidene Wissenschaftler. Erbarmungslos schleppen ihn die Filmreporter von einer Kamera zur anderen. Fast schäme ich mich jetzt etwas, daß ich ihm auch noch auf den Nerven herumtrampeln will, und sage ein paar entschuldigende Worte. Er ist merklich froh, einen Menschen gefunden zu haben, mit dem er wieder deutsch sprechen kann. Nach und nach befreit er sich aus der 'Filmbelagerung', und wir schlendern zur benachbarten amerikanischen Atomausstellung hinüber.

Er ist ehrlich begeistert von dem, was sich hier tut. „Ich bin froh, daß sich hier nicht nur die Amerikaner und Engländer, sondern auch die Russen an einen Tisch setzen, um den Menschen Rechenschaft zu geben", sagt er. „Es geht nicht, daß der Frieden in der Welt nur durch die Furcht erhalten bleibt."

Immer wieder holen wir dann in der Ausstellung einen der dort erklärenden Physiker herbei, damit sie uns die Modelle der Atommeiler und Uranaufbereitungsanlagen beschreiben. Sind wir an einem Stand vorüber, dann kehre ich meist nochmals zu den jungen Wissenschaftlern zurück und frage sie: „Wissen Sie, mit wem Sie gesprochen haben?" -„Nein!" erklären mir dann darauf alle ganz erstaunt. Als ich ihnen dann den Namen Hahn nenne, ist meist die Reihe an mir, zu staunen, denn nur für wenige ist dieser Name ein Begriff. - Als ich nach einiger Zeit Prof. Hahn von meiner Befragungsaktion erzähle, da ist ihm das fast peinlich. „Warum sollen die mich kennen, so berühmt bin ich doch nicht. Das ist heute eine Industrie geworden! Das sind Inge
nieure, die von der Wissenschaft nicht mehr viel wissen wollen", sagt er.

s40_41.jpg (20025 Byte)
s40.jpg (4805 Byte) NIE ZUVOR waren so viele Atomwisenschaftler in einem Raum versammelt wie bei der Eröffnung der Atomkonferenz In Genf (Bild oben). - Im Bild links Prof. Hahn beim Besuch der amerikanischen Atomausstellung, den unser Bericht ausführlich schildert.
 

s40b.jpg (4935 Byte)

Prof. Cockcroft, England, und Prof. Paladin, UdSSR, im fachlichen Gespräch

 

s41b.jpg (4269 Byte)

Prof. Rabi, USA, und Prof. Blokhintsev, der Erbauer des ersten russischen Atomkraftwerke

 

s41.jpg (6992 Byte)

Prof. Wirtz, Göttingen spricht mit amerikanischen Kollegen über den Bau des ersten deutschen Atommeilers

 

Da kommt mir so recht zum Bewußtsein, wie unvorstellbar schnell die atomtechnische Entwicklung in den letzten Jahren vor sich gegangen ist. Nach 17 Jahren weiß man schon nicht mehr, wer sie ins Rollen gebracht hat. Ich sehe aber auch, wie erschreckend unbedeutend die deutsche Wissenschaft im Rahmen dieser Ent-wicklung geworden ist und wie sehr sie den Kontakt verloren hat. Da steht nun der Mann, der einmal als einziger das grundlegende Geheimnis all dieser Reaktoren wußte, vor einem vereinfachten Modell und muß sich von jungen Leuten, die seine Enkel sein könnten, erklären lassen, was da vor sich geht. Augenfälliger konnte es nicht demonstriert werden, wie weit, weit Deutschland auf diesem für die zukünftige Entwicklung unserer Industrie so wichtigen Gebiet der Technik zurückliegt.

Die Gründe dafür sind schnell genannt: Bereits während des letzten Krieges wurde die Atomforschung bei uns stark vernachlässigt. Bei Kriegsende waren viele Institute zerstört oder aufgelöst, die dort beschäftigten Wissenschaftler gingen . zum Teil - mehr oder weniger freiwillig - ins Ausland. Dann kam die Besatzungszeit mit ihrer erzwungenen Untätigkeit. Heute ist es natürlich sehr schwer, diesen mehr als zehnjährigen Vorsprung wieder einzuholen. Es kommt aber noch hinzu, daß - zumindest bis zur Genfer Atomkonferenz - keiner der Verantwortlichen in der Bundesrepublik richtig erkannt hatte, daß aus der beschaulichen Atomphysik in stiller Gelehrtenklause bereits eine ganze Atomindustrie erwachsen ist, ein Industriezweig wie die Hüttenindustrie, der Schiffs- und Autobau. Zum Beispiel konnte in Genf jeder, der dazu Lust und Laune - aber natürlich auch das nötige Geld und die notwendigen fachlichen Voraussetzungen - hatte, einen. Atomreaktor kaufen. Man muß sich einmal vergegenwärtigen, was das, technisch gesehen, bedeutet. Vor wenigen Jahren, ja Monaten, galt ein Atomreaktor noch als eine schrecklich komplizierte und gefährliche Maschine, die sich jeden ,Augenblick in eine Atombombe verwandeln konnte und an die sich niemand herantraute. Heute kann man sie kaufen, wenn man 350 000 Dollar auf den Tisch des Hauses legt, so wie man sich ein neues Auto kauft. Aber auch ein Auto war einmal ein Ding, das nur wenige Sachverständige meistern konnten - heute fährt jede Filmdiva damit herum, auch wenn sie einen Vergaser nicht von einer Zündkerze unterscheiden kann.

Sechs große Probleme

Doch was geschah nun auf der Konferenz selbst? Sie war im Prinzip eine rein wissenschaftliche Tagung, auf der wissenschaftliche Arbeiten, also Versuchsergebnisse und Berechnungen, vorgetragen und anschließend. diskutiert wurden. Täglich wurden zwei dreistündige Arbeitssitzungen abgehalten. An den ersten vier Tagen wurden zunächst die grundsätzlichen Fragen diskutiert: „Wieviel Energie wird die Menschheit in den kommenden 50 Jahren brauchen?" - „Wieviel kann man davon mit Hilfe der Atomkraft erzeugen?" - „Erfahrungen beim Bau und beim Betrieb von Atomkraftwerken." - „Schutzmaßnahmen, die die Anwendung der Atomenergie notwendig macht." - „Die Verwendung radioaktiver Isotope in der Industrie und Wissenschaft." - „Die Beseitigung des radioaktiven Atomabfalls."

Dann teilten sich die Wissenschaftler, je nach ihren Fachrichtungen, in drei Gruppen auf. Die einen widmeten sich besonders der Reaktortechnik, den Problemen, die. beim Bau von Atomreaktoren auftreten. Eine zweite Gruppe befaßte sich mit den chemischen, metallurgischen und rein
technologischen Problemen, die beim Bau vor Atomreaktoren zu meistern sind. Eine dritte Gruppe widmete sich den biologischen und medizinischen Fragen.

Und worin bestand das Weltumstürzende, das Besondere der Atomkonferenz in Genf ? - Bisher mußten die Wissenschaftler, die auf diesem Gebiet arbeiteten, in nahezu hermetischer Abgeschlossenheit, ohne den notwendigen Kontakt mit Forschern anderer Länder, ihre Arbeit verrichten; alle wesentlichen Forschungsergebnisse waren geheim. Nun konnten sie zum ersten Mal nach über zehn Jahren frei über ihre Arbeit sprechen, konnten ihre Ergebnisse miteinander vergleichen und sehen, was sie falsch und richtig gemacht hatten. Während sonst auf wissenschaftlichen Kongressen nur einige wenige, allgemein interessierende Neuentdeckungen bekannt werden, war es hier eine ganze Flut von wissenschaftlichen Sensationen, die sich über die Zuhörer ergoß.

Zum Beispiel schilderten die Russen in allen Einzelheiten das Atomkraftwerk, das sie seit über einem Jahr in Betrieb haben. Der Reaktor arbeitet mit Graphit als Bremsmittel, einem Wasserkreislauf zum Wärmetransport und einem zweiten Wasser-Dampf-Kreislauf zum Betrieb der Turbinen, die die Generatoren treiben und so Strom erzeugen (mehr davon im Novemberheft). Das war die erste konkrete Beschreibung einer russischen Atomanlage, aus der die Fachleute weitgehend Schlüsse auf den Stand der russischen Atomforschung ziehen konnten.

Die Amerikaner berichteten später über den Prototyp eines Atomkraftwerks, den sie gleichfalls vor kurzem in Betrieb nahmen und mit dem sie eine ganze Reihe sehr nützlicher Versuche durchführten. Bei diesem sogenannten Kochend-Wasser-Reaktor sitzen die Heizelemente, Bleche aus Uranmetall und Aluminium, direkt in dem chemisch reinen Wasser, das verdampft wird und die Turbinen treibt - etwa wie ein Tauchsieder Wasser in einem Waschkessel erwärmt.

Überhaupt die verschiedenen Reaktortypen! Man macht sich kaum' eine Vorstellung davon, wie viele verschiedene Konstruktionsmöglichkeiten für Reaktoren es bereits gibt. Die einen arbeiten mit natürlichem Uran, in dem das spaltbare Uranisotop 235 nur in Spuren vorhanden ist, andere mit Uranmetall, in dem das spaltbare Isotop bis auf 20 oder sogar 90 Prozent angereichert ist. Dann kann man verschiedene Bremsmittel für die Neutronen verwenden: Graphit, schweres Wasser und natürliches Wasser. Man kann die erzeugte Wärme mit Hilfe von flüssigem Natrium, natürlichem Wasser, schwerem Wasser, Helium oder anderen Gasen abführen. Man kann ohne, mit einem oder sogar mit zwei Wärmeaustauschern arbeiten. Und das Uranmetall, der Brennstoff, kann in fester Form oder in einer chemischen Verbindung in gelöster Form zum Einsatz kommen.

Diese Konstruktionsmerkmale kann man nun mit mehr oder weniger großer Freiheit durcheinanderwürfeln und erhält immer wieder einen anderen Reaktortyp, der jeweils besondere Vorzüge oder auch Nachteile haben kann. Der eine ist besonders als Forschungsreaktor und zur Erzeugung radioaktiver Isotope geeignet. Der andere eignet sich speziell zur Energieerzeugung, und ein dritter ist ein ausgesprochener Brutreaktor.

Atome werden 'ausgebrütet'

Ja, der Brutreaktor war auch eine wissenschaftliche Sensation der Genfer Atomkonferenz. Die Engländer gaben bekannt, daß es ihnen im Laboratoriumsexperiment gelungen sei, für jedes verbrauchte Uran235- oder Plutonium-Atom zwei neue Plutonium-Atome 'auszubrüten'. Wie schon erwähnt, ist nur das Uranisotop 235 spaltbar und darum zur Wärmeproduktion geeignet. Andererseits kann das viel häufiger vorkommende Uran-238 aber durch intensiven Beschuß mit Neutronen in das Transuran Plutonium verwandelt werden, das wiederum spaltbar ist. Ist in einem Atommeiler die Zahl der pro Kernspaltung frei werdenden Neutronen groß genug, dann können die überzähligen Neutronen noch bis zu zwei Uran-238-Atome in Plutonium-Atome verwandeln. Selbst im großtechnischen Betrieb hofft man noch einen Brutfaktor von 1,7 zu erreichen. So günstige Zahlen hatte man nach dem, was bisher über das 'Brüten' bekannt wurde, nicht erwartet. Außerdem kann man nach diesem Verfahren - auch darüber wurden erstmalig zuverlässige Berichte veröffentlicht - Thorium-Atome, die von Natur aus nicht spaltbar sind, in spaltbares U-235 überführen. Damit sind die Atomtechniker alle Brennstoffsorgen los, die sie jahrelang bedrückten. Nach dem Kriege wurde nämlich von seriösen Wissenschaftlern allen Ernstes prophezeit, daß die Energiegewinnung aus Atomkernen keine große Bedeutung erlangen werde, da auch die Uran-Lager nur sehr begrenzt seien.

Energiesorgen der Menschheit

Diese Nachricht hat auch die Leute beruhigt, die für die Energieerzeugung verantwortlich sind. Der Energiebedarf steigt nämlich laufend auf der ganzen Welt mit beängstigendem Tempo. Im Jahre 1952 wurde nach den in Genf erarbeiteten Unterlagen auf der ganzen Welt in Form von Kohle, Wasserkraft, Benzin, Heizöl, Erdgas, Holz eine Energiemenge verbraucht, die - umgerechnet - 10 Billionen Kilowattstunden entspricht. Bis zum Jahre 2000 wird diese Zahl auf 84 Billionen Kilowattstunden angestiegen sein (siehe unser Schaubild auf Seite 45). Der Hauptenergielieferant ist augenblicklich die Kohle, aber der Kohleabbau kann nicht mehr beliebig gesteigert werden, die Vorräte an konventionellen Brennstoffen erschöpfen sich bereits. Im Jahre 2000 kann die Atomenergie, nach fachlichen Schätzungen in Genf, unter Umständen bis zu drei Viertel des Weltenergiebedarfs decken.

s44.jpg (7565 Byte)

DAS GEHEIMNIS eines Atomreaktors sind seine Brennstoffelemente und die Steuereinrichtungen. Sie wurden hier erstmalig mit rückhaltloser Offenheit ausgestellt. Das spaltbare Uran sitzt In den im Bild unten rechts angeschnittenen Aluminiumblechen. Rechts ein Schaubild, das den unaufhaltsam steigenden Enerbieverbrauch der Menschheit darstellt.

Die Atomkonferenz war aber noch aus einem anderen Grunde so außergewöhnlich: Die russischen Atomwissenschaftler stellten sich zum ersten Mal den Fragen und der Kritik ihrer westlichen Kollegen. Das, was sie an wissenschaftlichen Ergebnissen bekanntgaben, ließ auf einen höheren Stand der Atomforschung schließen, als man ihn bisher den Russen zubilligte. Versucht man die Atomforschung der einzelnen Länder zu klassifizieren, dann kommt man, nach dem, was in Genf gezeigt wurde, zu folgendem Bild: Amerika ist zweifellos das Land, dis am weitesten vorgedrungen ist. Es hat die umfangreichsten und tiefschürfendsten Versuche und Berechnungen durchgeführt, und es hat auch in Genf am großzügigsten seine Geheimnisse gelüftet. Dann folgt England, das sich von der amerikanischen Großzügigkeit nicht allzusehr anstecken ließ. Auf dem Gebiet des Reaktor-, vor allem des Kraftwerkbaus, konnte es wesentliche Beiträge leisten, da es nachweislich das erste Land ist, das die großen Möglichkeiten, die die Anwendung der Atomenergie für friedliche Zwecke bietet, in die Wirklichkeit umzusetzen suchte.

Die Beiträge, die die Russen im Bereich der Atom-Medizin und -Biologie leisteten, waren beachtlich und den westlichen Leistungen fast ebenbürtig. Auch an reiner Grundlagenforschung im Bereich der Physik trugen sie viel bei. Mit ausgesprochen atomtechnischen Veröffentlichungen waren sie zurückhaltend. Wahrscheinlich scheuten sie sich, auf diesem Gebiet viel zu sagen, da man daraus natürlich auch Rückschlüsse auf ihre militärischen Entwicklungen, die Atomwaffen, hätte ziehen können. Trotzdem sah man, daß sie so viel nicht zu verbergen hatten. Überlegen ist die russische Atomtechnik der westlichen nicht.
Die Arbeiten der Russen waren durchaus eigenschöpferisch, sie konnten - das haben westliche Wissenschaftler oft betont - keine Nachschöpfungen oder gar Kopien fremder Arbeiten sein. Wieweit sie Ausländer in ihre Arbeit eingespannt haben, kann man dabei nicht abschätzen. Ich habe in Genf in privaten Gesprächen mit Russen und auf der russischen Pressekonferenz immer wieder gefragt, ob noch deutsche Physiker in der UdSSR arbeiten. Eine klare Antwort habe ich darauf nie bekommen. Wie dem auch sei, in Genf haben die russischen Wissenschaftler jedenfalls fair und offen mitgearbeitet.

Der wesentlichste Gewinn der Atomkonferenz in Genf war wohl der, daß die alte wissenschaftliche Tradition, Forschungsergebnisse frei mitzuteilen, auf einem der wesentlichsten Gebiete der modernen Forschung nach vieljähriger Unterbrechung wieder aufgenommen wurde. Gleich bei diesem ersten Erfahrungsaustausch wurden sehr wichtige neue Forschungsergebnisse bekanntgegeben, die nun die Arbeit aller Atomforschungsinstitute in der ganzen Welt stark befruchten werden.

s45.jpg (11683 Byte)

Natürlich hatte diese rein wissenschaftliche. Konferenz auch einen wirtschaftlichen Aspekt: Die private Atomindustrie der westlichen Länder ringt bereits um den Atom-Weltmarkt von morgen. Prof. Wirtz, der wohl den größten. Einfluß auf den Bau des ersten deutschen Atommeilers haben wird, wurde, wie er mir erzählte, in Genf bereits sehr von Vertretern der ausländischen Atomindustrie umworben. Darum auch die eingangs geschilderte Verbitterung darüber, daß Deutschland auf diesem für die zukünftige industrielle Entwicklung so wichtigen Gebiet eine völlige Null geworden ist.

Darüber hinaus hat die Atomkonferenz aber auch einen politischen Erfolg zu verzeichnen gehabt, der allen Völkern zugute kommt. Diese Freimütigkeit der Diskussion war nur bei gegenseitigem Vertrauen der Völker möglich. Dieses Vertrauen aber wird helfen, um mit den Worten Prof. Hahns zu reden, „die Gefahr eines Krieges zu bannen". Da es sich um eine wissenschaftliche Konferenz handelte, kann ihr Erfolg nicht mehr rückgängig gemacht werden, „denn Wissen, das man einmal gegeben hat, kann man nicht mehr zurückholen", sagte der Präsident der Konferenz, der indische Prof. Bhabha, in seinen Schlußworten. „Die Nationen der Erde haben einen Schritt nach vorn getan, den sie nicht mehr zurückgehen können."

aus:
hobby
Das Magazin der Technik
Nr. 10 Oktober 1955

Bearbeitet am: 12.08.2005/ad


zurück zur Homepage