| Bei Wikipedia spielt sich seit einigen Monaten ein "Edit-War"
ab, der allmählich auch seinen Weg in die Medien findet. Es geht dabei um ein Thema, das
in der Öffentlichkeit nur stark polarisiert diskutiert wird, die Nutzung von Atomkraft in
Deutschland Und das macht die Sache nicht viel einfacher. Vor allem, wenn die oft
emotional aufgeladene Sichtweise beider Seiten mit der um Neutralität und Ausgewogenheit
bemühten Perspektive der Wikipedianer konfrontiert wird. Oder, wenn die Medien den Streit
ebenfalls mit einer gewissen Voreingenommenheit bearbeiten und falsche beziehungsweise
nicht nachgewiesene Behauptungen einfach für bare Münze nehmen.
So wurde vor wenigen von der Berliner taz über die Vermutung des
BUND-Geschäftsführers aus Freiburg berichtet, der einen Zusammenhang zwischen der
Schwarzen Liste der Wikipedia und einer Sperrung der Site www.bund-freiburg.de bei Google
sieht. Unter der Überschrift "Atomlobby googelt mit" wurde dann ein
Zusammenhang konstruiert, bei dem Anträge für neue Kernkraftwerke in der Schweiz, eine
von der Atomlobby unterwanderte Wikipedia und eine Sperrung von Links des regionalen
BUND-Auftritts bei Wikipedia mit der Nichtauffindbarkeit der BUND-Seiten bei Google
miteinander vermengt werden.
Den schwarzen Peter zieht dabei im taz-Bericht ähnlich wie in einem Beitrag der
Badischen Zeitung die Online-Enzyklopädie. Denn deren Arbeit wird mehr oder weniger
deutlich als parteiisch und im Großen und Ganzen von der Atomlobby gesteuert dargestellt.
Dabei ist der Hintergrund ein objektiver Verstoß gegen das Regelwerk der Wikipedia.
Der Geschäftsführer der regionalen BUND-Vertretung selbst gibt gegenüber der
Badischen Zeitung an, einen Zivildienstleistenden abgestellt zu haben, um auf der
Wikipedia Links auf die BUND-Seiten zu setzen. "Das Problem: Kaum war er am Ende der
langen Liste angelangt, konnte er gleich wieder von vorne beginnen", heißt es in der
Zeitung.
Der Hintergrund dieser Sisyphos-Arbeit ist es, dass die Vielzahl der Links nicht den
Regeln der Wikipedia folgten. Diese Regeln sehen unter anderem vor, dass externe Links
sparsam zu verwenden sind und nur dann gesetzt werden sollten, wenn sie ein Mehr an
Informationen liefern, die im Wikipedia-Artikel aufgrund von Platz- oder
Aktualitätsgründen nicht aufgenommen werden können.
Ob gegen diese Regel im Einzelfall verstoßen wurde, ist schwer zu sagen. Klar scheint
aber, dass der "abgestellte" Zivildienstleistende oder andere BUND-Vertreter
diese Kontrolle nicht übernehmen konnten. Denn wie Auszüge der Log Files zeigten,
erfolgten die Eintragungen jeweils im Minutenanstand. Solche Links werden von Wikipedia
aber - aus gutem Grund - als Spam betrachtet und in mehreren Diskussionen wurde das dem
BUND-Geschäftsführer auch mitgeteilt.
Doch dieser konzentriert sich in seinen Ausführungen immer auf die - sicher nicht
unbegründete - Warnung vor der Atomkraft und auf die angebliche Einseitigkeit der
Wikipedia-Darstellung. Ansonsten sieht er sein Wirken bei Wikipedia als voll
gerechtfertigt.
Klar ist dabei allen Beteiligten, dass es eine Atom-Lobby gibt, und dass diese Lobby
auch bei Wikipedia aktiv ist. Klar scheint dem BUND-Vertreter aber nicht zu sein, dass die
Enzyklopädie zwangsweise ihre Regeln durchsetzen muss, will sie als solche auch
zukünftig ernst genommen werden. Einen Zivildienstleistenden dazu abzustellen, massenhaft
Links bei Wikipedia einzustellen, ist sicher nicht der richtige Weg, um die eigene
Position bei der Enzyklopädie einzuarbeiten.
Ganz davon abgesehen, dass dies auch nicht zur Tätigkeitsbeschreibung eines Zivis im
Bereich Umweltschutz gehört. Die Atomlobby dagegen verzichtet auf solche
Brechstangenmethoden und setzt offenbar auf die subtile Bearbeitung "ihrer"
Themen. Da wäre es wohl sinnvoll, wenn die Freiburger BUND-Niederlassung wieder etwas
Ruhe ins Spiel bringen würde und die Diskussion wieder etwas versachlichte. Denn wer
sagt, dass man von seinen Gegnern nicht lernen kann?
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