Strahlentelex Nr. 418-419/2004
Atommüll
Ein-Endlager-Konzept Trittins als trügerisches Hirngespinst bezeichnet
| Als "Schimäre", als trügerisches Hirngespinst, hat der
Präsident des Deutschen Atomforums, Walter Hohlefelder (FDP), das Konzept von
Bundesumweltminister Trittin (Grüne) bezeichnet, nur ein einziges Endlager für alle
Arten radioaktiver Abfälle errichten zu wollen. Hohlefelder war bis 1994 Leiter der
Atomaufsicht, der Abteilung Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium, und wechselte
von dort zur damaligen Kernkraftsholding VEBA AG. Dort wurde er Generalbevollmächtigter
und ist heute als Vorstandsmitglied der E.ON Energie für die Atomkraftwerke zuständig.
Das Deutsche Atomforum ist die Werbeorganisation der Atomwirtschaft. Auf der Jahrestagung
Kerntechnik in Düsseldorf forderte Hohlefelder jetzt am 25. Mai 2004, das zur Zeit
herrschende Moratorium zu beenden und die seit dreißig Jahren betriebenen Arbeiten an den
Endlagerprojekten Gorleben und Konrad fortzusetzen. Dringender Bedarf bestünde
insbesondere an einem Endlager für schwach wärmeentwickelnde Abfälle. Hohlefelder
kritisierte, daß die Bundesregierung bisher keine Klarheit darüber geschaffen habe, ob
sie ihr Ein-EndlagerKonzept noch in dieser Legislaturperiode gesetzlich festschreiben
wolle. Nach den Empfehlungen des "Arbeitskreises Auswahlverfahren
Endlagerstandorte" (AkEnd) des Bundesumweltministers müßte dann die Endlagersuche
von vom beginnen. Strahlentelex hatte berichtet. Die Kosten eine kompletten Neubeginns
schätzte Hohlefelder auf drei bis fünf Milliarden Euro, alle bisherigen Investitionen in
Höhe von zwei Milliarden Euro würden in Frage gestellt. Schacht Konrad bei Salzgitter
könne schwach wärmeentwickelnde Abfälle bereits ab 2010 aufnehmen, ein neues Endlager
erst in 40 oder 45 Jahren. Zudem müßten neue Zwischenlagerkapazitäten aufgebaut werden,
sollten die zur Stillegung anstehenden Atomreaktoren entsorgt werden müssen. Im Namen der
Atomkraftwerksbetreiber lehnte es Hohlefelder ausdrücklich ab, die Verantwortung und die
Kosten für die neue Endlagersuche zu übernehmen. Die Grundsätze der nuklearen Entsorgung bestimmten nicht einzelne Länder oder einzelne Energieversorgungsunternehmen, sondern der Bund, hält das Bundesumweltminsterium (BMU) in einer Erklärung, dagegen. Dabei gelte wie überall in der Abfallpolitik das Verursacherprinzip, das auch die Finanzierung der Endlagerung bestimme. Die AKW-Betreiber seien demnach verpflichtet, die Kosten für die Suche nach einem Endlager und für den Betrieb eines solchen Endlagers zu übernehmen. Daß ein Konzern, der zudem von Rekordgewinnen berichte, versuche, "sich aus dieser finanziellen Verantwortung zu stehlen und diese Kosten beim Steuerzahler abladen will", sei nicht akzeptabel. "Völlig abwegig und abstrus" sei daher die in der Presse aufgegriffene Spekulation über einen "möglichen Deal" mit dem sich der Bundesumweltminister die Zustimmung der Energieversorgungsunternehmen mit einer Laufzeitverlängerung für ihre AKWs "erkaufen" könne. Das Verursacherprinzip gelte, die Laufzeitbefristung ebenfalls, da gebe es nichts zu "dealen", so BMU-Pressesprecher Michael Schroeren. |
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