Junge Welt vom 23.06.1998
Gerüchte über Plutonium-Transport
Greenpeace fordert Absage an geplanten Export
| Gegen einen möglicherweise schon in den nächsten Tagen stattfindenden Atomtransport
ins schottische Dounreay hat Greenpeace am Montag mit einem Brief an
Bundesumweltministerin Merkel protestiert. Nach Insider- Informationen, so Greenpeace,
will das Bundesamt für Strahlenschutz in den nächsten Tagen die Transportgenehmigung
für den Export von 73 Kilogramm Plutonium aus Hanau in die schottische
Wiederaufarbeitungsanlage Dounreay erteilen. Das Bundesumweltministerium bestätigte am
Montag auf Anfrage, daß die Erteilung einer entsprechenden Genehmigung bevorstehe. Der
Atommülltransport könnte bereits am kommenden Wochenende von Hanau in Hessen aus über
die Autobahn nach Bremerhaven und von dort mit dem Schiff nach Dounreay fahren. Greenpeace-Atomexperte Michael Kühn hält die Transportpläne für einen Skandal: »Neue Atomtransporte sind eine ungeheure Provokation. Bundesumweltministerin Merkel will einfach zur Tagesordnung übergehen und weiter Atommüll ins Ausland verschieben lassen, ohne daß die Atommülltransport-Affäre rückhaltlos aufgeklärt ist. Statt dessen soll eine tief in die Affäre verstrickte Firma wie die Nuclear Cargo Service erneut Transportgenehmigungen erhalten.« Der Bremer Hafensenator Beckmeyer hatte nach dem letzten, von Greenpeace-Protesten begleiteten Plutonium- Transport über Bremerhaven im Dezember 1997 zugesagt, daß keine weiteren Plutoniumtransporte über Bremen oder Bremerhaven gehen werden. Das Plutonium, das jetzt nach Dounreay verschifft werden soll, stammt aus den Atombunkern von Hanau. Etwa zwei Tonnen Plutonium lagern nach Angaben von Greenpeace in diesen Bunkern. 90 Prozent des Materials geht nach La Hague, die restlichen zehn Prozent werden nach Dounreay transportiert. Dort wird das Plutonium zu Plutonium-Nitrit verarbeitet, um später als sogenanntes Mischoxid- Brennelement wieder in deutschen Atomkraftwerken zu landen. Wolfgang Stieler |
Bearbeitet am: 23.06.1998/ad