
vom 25.03.2007
Firma Urenco in Hanau: Weltmarktführer in der UrananreicherungstechnologiePlatenlaase (inf/bvo). Die beiden Vorsitzenden der russischen Umweltorganisation Ecodefense" Vladimir Slivyak und Andrey Ozharovsky besuchten das Wendland im Rahmen einer mehrtägigen Vortragsreise, die sie nach Deutschland, die Niederlande und Belgien führt. Ecodefense ist eine der bedeutendsten unabhängigen Nichtregierungsorganisationen (NGO) in Russlandland. Einer der Schwerpunkt ist die Aufklärungsarbeit zum russischen Atomkomplex; aber auch der Einsatz für Erneuerbare Energien, z.B. durch Etablierung regionaler Ausbauziele und Förderprogramme in einzelnen russischen Regionen. Neben der Teilnahme an einem Hearing mit EU-Abgeordneten zu 50 Jahren EURATOM im Brüsseler Europaparlament steht die Öffentlichkeitsarbeit gegen Exporte von deutschem Atommüll nach Russland im Mittelpunkt des Besuchs im März 2007. Ziel ist es, die Aufmerksamkeit auf die Praktiken der Urenco-Gruppe zu lenken, die in Gronau (Westfalen) die einzige deutsche Urananreicherungsanlage betreibt. Ecodefense hat zusammen mit deutschen und niederländischen Atomkraftgegnern seit 2004 Transporte von abgereichertem Uran aus der Gronauer Anlage nach Russland dokumentiert und entlang der gesamten Transportstrecke wiederholt mit Demonstrationen protestiert. Vertreter von Ecodefense beteiligten sich u.a. an einer Bürgerinspektion" der Gronauer Urananreicherungsanlage im Juni 2006. Ecodefense hat zur Frage der Exporte von abgereichertem Uran einen Runden Tisch" sowie mit der russischen Atombehörde Rosatom, deutschen Atomkraftgegnern und Vertretern von Umweltbehörden in St. Petersburg im Oktober 2006 initiiert. Ecodefense und deutsche Atomkraftgegner haben sich außerdem bei der deutschen Botschaft in Moskau mit Briefen und Protestaktionen vor der Botschaft für ein Ende der Transporte eingesetzt. Im Herbst 2006 erstattete Ecodefense bei den Staatsanwaltschaften Ekaterinenburg und Münster Anzeige gegen die Urenco-Gruppe wegen illegalen Exports von Atommüll. Die Staatsanwaltschaft Münster hat im Februar 2007 das Bundesumweltministerium dazu um Stellungnahme gebeten. Die deutsch-britisch-niederländische Urenco-Gruppe ist einer der Weltmarktführer in der Urananreicherungstechnologie und baut z.Zt. sowohl seine niederländische Anlage in Almelo als auch den Standort Gronau auf die bis zu dreifache Kapazität aus. Ab 2007/2008 werden von Gronau aus rund 36 Atomkraftwerke weltweit mit Brennstoff versorgt.
Im Zuge des Anreicherungsprozesse in Gronau fallen jedoch große Mengen von abgereichertem UF6 und Uranoxidan, welche kaum noch spaltbares Uran 235 enthalten und damit als Kernbrennstoff nicht mehr zu verwerten sind. Mit der quasi-Verdreifachung der Kapazitäten der Gronauer Anlage wurde im Februar 2005 auch die Errichtung eines Zwischenlagers" für 60.000 t Uranoxid auf dem dortigen Gelände genehmigt. Urenco entsorgt das restliche abgereicherte UF6, indem es dieses nach eigenen Angaben zur Wiederanreicherung"'nach Russland exportiert. Das abgereicherte UF6 wird von Gronau über Rotterdam mit dem Schiff nach St. Petersburg gebracht, um dann in die Geschlossenen Städte" Novouralsk, Angarsk, Severk, Tomsk und Zelenogorsk gebracht zu werden. Empfänger ist der zur russischen Atombehörde Rosatom gehörende Anreicherer TENEX. Allein von 1996 bis 2001 schickte die Gronauer Urenco 9740 t abgereichertes UF6 nach Russland. Für den Zeitraum 2001 bis 2006 sind ungefähr dieselben Mengen anzunehmen, die genauen Zahlen werden geheimgehalten. Seit Zusammenbruch der Sowjetunion sind insgesamt ca. 100.000 t abgereichertes UF6 aus der EU nach Russland exportiert worden. Technisch zwar theoretisch möglich, macht die Wiederanreicherung ökonomisch jedoch wenig Sinn. Nach Berechnungen von Greenpeace Russland sind von den ca. 100.000 t abgereicherten UF6 nur etwa zwei Prozent als wieder angereichertes UF6 in die EU zurückgelangt, d.h. 98 Prozent des abgereicherten UF6 verbleiben als Atommüll in Russland. |
Bearbeitet am: 25.03.2007/tv