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vom 25.03.2007

Ein handfester Skandal

Russische Mitarbeiter von Ecodefense berichteten über deutsche Atommüll-Verschiebung

Platenlaase (bvo). Es ist ein handfester Skandal, aber die deutsche Staatsanwaltschaft zeigt sich wenig interessiert: Seit 1996, so berichteten die russischen Umweltaktivisten, der Nuklearphysiker Andrey Ozharovsky und Vladimir Slivyak, auf Einladung der Bürgerinitiative Umweltschutz (BI) in dieser Woche im Kulturverein Platenlaase, exportiert Deutschland tonnenweise gefährlichen Atommüll - abgereichertes Hexafluorid UF6 - nach Russland - angeblich zur Urananreicherung, faktisch aber zur Entsorgung. Über 20.000 Tonnen sind auf diesem Wege aus Deutschland „verschwunden" und lagern seitdem in korrodierten Stahlgebinden unter freiem Himmel in Russland. Der deutschen Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau, der Firma Urenco (siehe auch Beitrag unten auf dieser Seite), kommt dabei ein russisches Gesetz zugute: Sobald Atommüll die russische Landesgrenze passiert, so berichteten die Aktivisten, geht der Atommüll in russischen Besitz über. Dabei ist Hexafluorid gleich mehrfach gefährlich, berichteten Andrey Ozharovsky und sein Kollege Vladimir Slivyak von Ecodefense.

Die Nichtregierungsorganisation (NGO) Ecodefense arbeitet seit zehn Jahren in Russland zu Energie- und Atomthemen. Zur Zeit konzentriert sich Ecodefense auf die illegalen Importen von radioaktivem Abfall aus der Urananreicherungsanlage in Gronau. Ecodefense baut in den betroffenen russischen Orten, in die der deutsche Uranmüll gebracht wird, lokale Bürgerinitiativen auf. Gemeinsam mit Atomkraftgegnerlnnen in ganz Europa organisiert Ecodefense den Widerstand gegen die Urananreicherung.
Seit mehreren Jahren beobachten und blockieren deutsche und niederländische Atomkraftgegnerlnnen die Urantransporte aus den Urananreicherungsanlagen (UAA) in Gronau/Westfalen und Almelo/Niederlande.

Ecodefense erstattete im November 2006 bei der Staatsanwaltschaft Münster Strafanzeige gegen die Urenco Deutschland GmbH (Betreiberin der UAA Gronau) wegen des Verdachts auf illegalen Atommüllexport von Gronau nach Russland.

In den vergangenen zehn Jahren exportierte die Urenco rund 20.000 Tonnen abgereichertes Uranhexafluorid von Gronau nach Russland.

Monatlich fahren hochgiftige Güterzüge mit Uranhexafluorid durch Deutschland. Ziel ist die Urananreicherungsanlage der Urenco-Gruppe im westfälischen Gronau, wo das Uran zur Herstellung von Brennelementen für Atomkraftwerke angereichert wird. Die Reste werden regelmäßig nach Russland gebracht.

Skandalös sind aber nicht nur die enormen radiologischen und chemischen Gefahren dieser Transporte, sondern die Erweiterung der Gronauer Anlage. Diese wird schon im nächsten Jahr weltweit mehr als 35 Atomkraftwerke mit Brennstoff versorgen und damit ihre Kapazitäten fast verdreifachen.

Bearbeitet am: 25.03.2007/tv


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