
vom 06.12.2000
Keine Informationen an Seerauer "No-go-Area"
Freier Journalist erhielt Nachhilfe in Sachen Öffentlichkeitsarbeit
| Der freie Journalist und GA Mitarbeiter Timo Vogt begab sich zur
Großbaustelle Seerauer Bahnbrücke und bekam Nachhilfe in "nachhaltiger
Öffentlichkeitsarbeit». Lesen Sie seine Anmerkungen zu einem journalistischen Ausflug
der besonderen Art. Seerau. Das Wetter war vorzüglich, besonders um zu fotografieren, ohne die Bilder Grau in Grau erscheinen zu lassen. So ergriff ich den Telefonhörer am späten Vormittag, um Hans-Jürgen Frohns, seines Zeichen Pressesprecher der Deutschen Bahn in Niedersachsen, die Bitte mitzuteilen, eine Genehmigung durch ihn zu erhalten, um die zur Zeit wohl umstrittenste Baustelle in diesen Breiten begehen und ablichten zu dürfen. Nach einiger Zeit rief ich wieder an, da der versprochene Mitarbeiter sich nicht meldete - journalistischer Alltag. Das Genehmigungsfax sollte nun nach Seerau in die "Mobile III S-Zentrale" geschickt werden. Ein gewisser Herr P. würde dann dort zur Verfügung stehen. Ich mache mich auf den Weg nach Seerau, mit einem Umweg über den Dannenberger Verladekran, der aktuell auch in den Reigen der lokalen Großbaustellen mit "Potsdamer Platz "- Charakter zählt. Ich schaue durch den Zaun und als ich die Kamera auspacke, steigen Polizisten aus ihrem Wagen. Sie scheinen begeistert von ihrer Arbeit. Ich werde zum Zeitvertreib, wie mir von einem Beamten bestätigt wird - ihre Langeweile beim Aufpassen auf den Kran kann ich nachvollziehen. Mein Presseausweis wird begutachtet und über Funk gecheckt. "Alles in Ordnung"- Natürlich, das ist ja schließlich die siebte Kontrolle, die mir am Verladekran widerfährt. Über Pisselberg fahre ich gen Seerau. Den schlecht versteckten BGS-Bulli sehe ich von Weitem schon. Doch ich möchte woanders lang. Da mir schon einmal das Befahren der Baustraße polizeilich untersagt wurde, will ich gleich den Feldweg nehmen. Die Braunschweiger Beamten sind davon nicht überzeugt. Ich soll über die Baustraße fahren - doch nicht bevor mein Presseausweis gecheckt Einen Kilometer weiter wollen die Hüter der Baustraße ausnahmsweise nur meinen Ausweis sehen, und ich darf zur Brücke fahren. Zwei Schatten passen ständig auf... An der mit "Mordstechnik" gesicherten "No go-Area" angekommen, werde ich am Tor in Empfang genommen. Mein Presseausweis wird komplett abgeschrieben, der smarte BGS-Mann tut dies sehr beflissen. Was wohl mit meinen Daten jetzt passiert? "Das geschieht zu Ihrer Sicherheit, und damit Sie hier nichts anstellen". Die Freundlichkeit in seiner Stimme imponiert mir. Da hole ich mir eine Genehmigung, passiere vier Kontrollen, weise mich aus und bekomme unterstellt, Baumaßnahmen eventuell stören zu wollen. "Haben Sie das Fax?", fragt mich der Beamte, der nur eine Papierseite in der Hand hält. Ich verneine und erkläre, dass er es haben müsse. "Ach, dann ist es wohl dieses." - Ich trete ein in das mit Wärmebildkameras gespickte Gelände, das gleichzeitig zur Containersiedlung mutiert ist. Die beiden Herren, die sich mir auf drängen, haben es nicht nötig, sich vorzustellen. Ich nenne meinen Namen und versuche herauszubekommen, mit wem ich es zu tun habe. Ein gewisser Herr P. ist dabei, doch ist er nicht BGS-Beamter, wie mir durch das Büro des Bahnsprechers Frohns angekündigt wurde, sondern ein Angestellter der Konzernsicherheit der Bahn. Aber wo kämen wir hin, wenn er dies gesagt hätte. Nein, ich muss es mir denken, denn die beiden scheinen der Schweigepflicht zu unterliegen. Sie reden erst, als sich eine Gruppe nervöser Herren um mich herum scharrt, die gleich losfeuern, wer ich denn sei, ob ich hier überhaupt stehen dürfe, wo meine Genehmigung ist. Ich stelle mich den aufgebrachten Mitvierzigern vor und tue gut daran, nicht zu erwarten, ihnen normale Umgangsformen abzuverlangen. Die anonym Gebliebenen verziehen sich. Ich schlender über das Gelände, schweigend. Meine zwei Schatten können mir nicht mal erklären, was ich hier fotografiere. Ich gebe es nach mehreren Anläufen auf, ein Gespräch mit ihnen anzufangen. Und sie toppen sich noch. Nach einem recht kurzen Schweigemarsch durch den Seerauer Hochsicherheitstrakt, bei dem ich die fleißigen Bauarbeiter beobachte, wie sie neu angelieferte Brückenteile montieren, frage ich die beiden abschließend, wie es denn dem zu Beginn der Abrissarbeiten verunglückten Bauarbeiter gesundheitlich ginge. Hier ist ein Bauarbeiter abgestürzt?", schauen sie sich fragend an. Was sich wohl der Herr Frohns dabei dachte, mir so viel Kompetenz an die Seite zu stellen... |
Bearbeitet am: 06.12.2000 /tv