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vom 26.Januar 2000

Ein Polizist als Nebenkläger: "Es fühlte sich an wie ein Biss"

Dannenberg.(tv). Am Montag voriger Woche begann der erste von bisher sechs angesezten Prozessen gegen hiesige Atomkraftgegner/innen, die wegen der Besetzung des Verladekrangeländes im Ok-  tober ´98 angeklagt sind.
 Den Auftakt machte Hans-Erich Sauerteig, der darüber hinaus noch wegen “körperlicher Mißhandlung” eines Polizeibeamten angeklagt ist, weil er diesen bei seiner Festnahme am 27.2.99 (im Rahmen der PKA-Aktion in Gorleben) in den Daumen gebissen haben soll.
 Sauerteig soll aus einer Gruppe heraus den juristischen Zaun des Erkundungsberg-werkes Gorleben mit einem Seitenschneider zerschnitten haben und anschließend vor den Polizeibeamten geflüchtet sein. Dies schilderte der   damals verletzte Polizist, der als Nebenkläger auftrat, vor dem Vorsitzenden Richter Dr. Göken und zahlreichen Atomkraftgegnern. Er habe Sauerteig packen und zu Boden werfen können. Um sich und den Demonstranten sichern zu können legte er sich “ziemlich flächendeckend” auf ihn. Er habe anschließend versucht, dem heutigen Angeklagten hinten über die Schulter ans Revers zu packen. Plötzlich habe er einen   “kurzen starken Schmerz” in seinem rechten Daumen verspürt. “Es fühlte sich an wie ein Biss”, sagte der Beamte auf Nachfrage. Sehen konnte er es nicht. Ob die Daumenverlet-zung wirklich durch einen Biss verursacht oder  andere Um-stände verantwortlich waren, wurde vom Gericht bisher nicht aufgeklärt.
 Insgesamt wurden in der Verhandlung wichtige Sachver-halte nicht behandelt. Ob die Festnahme des Angeklagten juristisch gerechtfertigt war, blieb offen. Die dafür herangezogene Begründung, Hans-Erich Sauerteig habe den Zaun zerschnitten, wurde bisher nicht bewiesen.
 Verteidiger Magsam wies auf die Verhältnismäßig-keit der Verletzungen hin und stellte die  “3 Milimeter lange, verschorfte” Wunde des Poli-zisten der “Platzwunde” am Ohr des Angklagten, sowie dessen “Kidnapping” auf offener Straße  gegenüber -Sauerteig wurde nach einer Veranstaltung anfang April in Lüchow durch Polizeibeamte festgenommen, die ihn für eine Blutabnahme zwangsvorführten. Die Polizei vermutete durch den eventuellen Biss Übertragungen von HIV oder Hepatitis B. Magsam erklärte unter Verweis auf ein Informationsblatt des Bundes-gesundheitsamtes, dass Ver-              
mutungen, diese Krankheiten könnten durch Speichel übertragen werden, “wissenschaftlicher Unsinn” seien. Diese Frage sei nicht “kriegsentscheidend”, konterte der Staats-anwalt.
 Die Verhandlung wurde nach mehreren Unterbrech-ungen auf den 26. Januar vertagt. Der Angeklagte schwieg zu allen Vorwürfen.

Bearbeitet am: 17.2.2000/tv


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