vom 19.Januar 2000
Castoren: "Selbstverständlich können Unfälle passieren"
| Arendsee.(tv). Ein
Castortrans-port nach Gorleben, der nach einem Antrag des Nuclear Cargo
Service in Arendsee von der Schiene auf die Straße verladen werden soll, ist bei
allen Beteiligten und Betroffenen in aller Munde. Die Verwaltungs-gemeinschaft Arendsee
(vergleichbar mit einer Samtge-meinde) protestierte im November letzten Jahres unter
Federführung des Bürgermeis-ters mit einer Resolution an die Bundesregierung gegen einen
radioaktiven Transport durch die Altmark. In der letzten Woche veranstaltete die Verwaltungsgemein-schaft im Kinder- und Jugend- erholungszentrum Arendsee eine Podiumsdiskussion mit Vertretern des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), der BLG-Gorleben und der Lüchower Bürgerinitiative Umweltschutz. In der Einführung bekräftigte Bürgermeister Klaus Führ die Ablehnung eines Castortrans-portes. Ein solcher schade der Entwicklung des Luftkurortes Arendsee. Er erhoffe sich, dass die Bevölkerung sich mit allen Mitteln des zivilen Ungehor-sams gegen eine Verladung wehre. Im folgenden Referat erläuterte Dr. Frank Nitsche (BfS) die Rechtsvorschriften bezüglich des Atomgestzes, der Strahlen-schutzverordnung und ging auf die Zuständigkeit des BfS ein, deren Sicherheitsphilosophie sei, ein sicheres Versandstück (Castor/ Anm. d. Red.) zu kontruieren. Desweiteren erwarte er in den nächsten Wochen eine Entscheidung zur Verladung in Arendsee. Der Transport findet statt!. Eine zentrale Aussage des BLG-Pressesprechers Jürgen Auer, der zuvor auf die Notwendigkeit der Gorlebener Atomanlagen einging. Wenn Sie nicht auf ein Stück Sicherheit verzichten wollen, brauchen wir die Pilot-Konditionierungs-Anlage (PKA), denn die Rücknahme des Absende-AKW von beschädigten Castorbehältern sei nicht mehr gesetzlich geregelt. Sie sollen in der PKA repariert werden. Auf wenig Gegenliebe der zahlreichen Zuhörer stieß die lapsige Äußerung Auers zum Empfang der Behälter im Zwischenlager, als er meinte, dass viele Sicherheitsexperten die Annahme kontrollieren, damit niemand eine Glaskokille entnehme, um sein Wohnzim-mer zu beheizen. Auch die Angst der Arendseer Bevölk-erung vor Unfällen mit den Strahlenbehältern nahm er nicht mit der Aussage, dass selbstverständlich Unfälle passieren können, bekräftigte aber immer gleichzeitig, wie auch Dr. Nitsche, dass die Castoren gegen 99,5% der Fälle abgesichert seien. Für die Bürgerinitiative saß der pensionierte Strahlenphysiker Udo Jentzsch auf dem Podium. Er beschäftigte sich mit seinen Vorrednern. Die festgesetzten Normen für Castoren würden nicht vor schweren Unfallen schützen. Nur ein Behältermo-dell sei getestet worden. Alle weiteren seien durch Modell-rechnugen für sicher erklärt worden. Theoretische Modelle spiegeln nicht die Realität wieder, stellte er klar. Noch heute sei unklar an welchem Ort und in welchem Gestein ein Endlager enstehen soll. Das nun in Gorleben die PKA enstanden ist -mit dem Erkundungsbergwerk gegenüber- ließe in vermuten, dass die BLG mit dem angekündigten Ausstieg nur Geld machen wolle. In den Bürgerfragen schlug sich Empörung nieder. In Richtung BLG und BfS erzürnte sich ein Arendseer: Wir werden hier als Kanonenfutter verfeuert, wenn was passiert. Bürgermeister Führ ermutigte die Anwesen-den, zivilen Ungehorsam zu leisten. |
Bearbeitet am: 17.2.2000/tv