
vom 20.09.1999
Atom-Abführmittel
Für die grünen Anti-Atom-Minister ist außer der
notwendigen
Klimaverbesserung kaum etwas gewonnen
Von Joachim Wille
| Oh Wunder. Die Atombosse und die grünen Ober-Atomaussteiger
redeten miteinander in einer "sehr konstruktiven Atmosphäre". Warum die
Chefs der vier Stromkonzerne Veba, Viag, RWE und EnBW hernach das Tête-à-tête in
Berlin beim (qua Amt gar nicht zuständigen) Gastgeber Joschka Fischer lobten, ist klar: Sie können nun sicher sei, dass Umweltminister Jürgen Trittin ihre sechs vom akuten Entsorgungsnotstand bedrohten Atommeiler nicht per "Verstopfungsstrategie" dichtmacht. Eine Abschaltung auf "kaltem Wege", nämlich durch Totprüfen der von den AKW-Betreibern ergriffenen Maßnahmen gegen die Verseuchung der Castorbehälter - die hatte voriges Jahr zum Transportsstopp geführt -, ist nun quasi regierungsamtlich ausgeschlossen. Und da die von den Atom-Gutachtern der Regierung gemachten Auflagen technisch erfüllt werden können, ist eine "rechtzeitige Zulassung von Transporten" (O-Ton Haus Trittin) zumindest ins Zwischenlager nach Ahaus also durchaus "möglich". Die Aussicht, mit Schadenersatzklagen in Milliardenhöhe überzogen zu werden, dürfte zur Einnahme eines Atom-Laxativums geführt haben. Für die grünen Anti-Atom-Minister ist damit außer der notwendigen Klimaverbesserung kaum etwas gewonnen. Kommt nicht schnell eine zwischen den grünen Flügeln sowie auch Grün und Rot abgestimmte Strategie zustande, muss das Projekt Atomausstieg als gescheitert betrachtet werden. Und damit die Koalition. |
Bearbeitet am: 20.09.1999/ad