
EJZ vom 04.01.1997 Seite 4
lr Wustrow. Vom 9. bis zum 20. Januar findet in der Wustrower "Kurve", der Bildungs-und Begegnungsstätte für Gewaltfreie Aktion, eine zwölftägige Fastenaktion statt. Gedacht werden soll damit der "Opfer der Atomindustrie". Aktueller Anlaß ist der Gefängnisaufenthalt der "Kurve"-Mitarbeiterin Ulrike Laubenthal in Frankfurt.
Ulrike Laubenthal, die seit vier Jahren Gewaltfreiheitstrainings in der "Kurve" durchführt, hatte im Verlaufe einer Aktion "zivilen Ungehorsams" am 24. April 1995 mit bloßen Händen Schotter vom Bahndamm vor dem Atomkraftwerk in Philippsburg entfernt. Sie hat dies trotz der Aufforderung der Polizei, die Schienen zu verlassen, fortgesetzt und ist dafür im Sommer l996 zu zwölf Tagen Haft verurteilt worden. Ulrike Laubenthal hat sich zu dieser Tat bekannt und erklärt, daß diese öffentliche Aktion der Verhinderung größeren Schadens durch Atomtransporte dienen sollte.
An der 12tägigen Fastenaktion in Wustrow nehmen Mehschen teil, die ebenfalls ihre Solidarität mit den Opfern der Atomindustrie und dem Gewaltfreien Widerstand dagegen erklären wollen und bereit sind, mindestens 24 Stunden bei Aufnahme von Wasser oder ungesüßten Kräutertees zu fasten. Morgens um 8 Uhr ist ein gemeinsamer Beginn des Fastentages mit einer Meditation vorgesehen. Ein Begleitprogramn sieht zudem Gespräche zu Themen wie: Atomindustrie. Nähere Informationen gibt es unter der Telefonnummer (0 58 43) 507.
Die "Kurve" will mit der Aktion darauf aufmerksam machen, "daß wir alle Verantwortung tragen, daß die Lebensbedrohung, die aus der Atomindustrie hervorgeht, beendet wird. Denjenigen, die durch ihren gewaltfreien Einsatz persönlich Nachteile auf sich nehmen, wollen wir Mut machen."
Bearbeitet am: 4.1.96 (Jobname: 0104S4)