ejzmini.gif (1299 Byte)

vom 19.03.2011

So gesehen

Worauf noch warten?

Von Christiane Beyer

Ich habe in dieser Woche ein neues Wort gelernt: „Apokalypse-Blindheit". Und gleich musste ich an meine tags zuvor geführten Gespräche mit hiesigen CDU-Politikern denken, die angesichts der Katastrophe in Japan eine Rolle vorwärts gemacht haben: Aus der Atomenergienutzung wollen jetzt alle möglichst schnell raus.

Doch Sprache ist verräterisch: Wer sagt, dass in Japan das „Undenkbare" passiert ist, gibt zu, dass er offenbar bislang nicht nachgedacht hat. Es sei – der historischen Wahrheit zuliebe – daran erinnert, dass diejenigen, die in der Vergangenheit das Denken nicht Konzernchefs, Technikern und Realpolitikern überlassen haben, sondern sich argumentativ mit den möglichen katastrophalen Folgen der Atomenergienutzung auseinander gesetzt haben, von hiesigen CDU-Politikern oft verhöhnt wurden.

Und wer über einen GAU in einem „westlichen, zivilisierten Land" staunt, gesteht gleichzeitig ein, dass ihn ein solcher GAU in einem unzivilisierten Land offensichtlich nicht erstaunt hätte.

Was den Gegensatz zivilisiert/unzivilisiert angeht, steht es heute genau 2:1. Oder liegt Harrisburg in einem unzivilisierten Land? Mir reicht es, drei mal einen GAU in den vergangenen 32 Jahren mitverfolgen und mitfürchten zu müssen.

Die meisten meiner Gesprächspartner der CDU waren nach der Schilderung ihres eigenen Entsetzens schnell bei Gorleben und den Fehlern von Rot-Grün. So macht man es sich zu einfach. Geschenkt. Den Salzstock Gorleben wollen sie jetzt noch schnell erkunden, wenn auch nun mit strengeren Kriterien. Interessant. Aber keiner sprach davon, mit noch mehr Druck auf die eigenen Leute dafür sorgen zu wollen, dass es ein ergebnisoffenes Suchverfahren gibt, dass das beste Endlager gesucht wird. Die Stellungnahme „Kirche, Kernenergie, Klimawandel" fordert dazu „eine unvoreingenommene Abklärung des sichersten Endlagermediums, eine Öffnung auf die internationale Diskussion` und eine offensive Beteiligung der Öffentlichkeit". Worauf noch warten?

Die Warnenden der Vergangenheit erwarten keinen Kniefall der früheren Befürworter, aber wenigstens ein wenig mehr Demut – nicht vor den Warnenden, sondern vor der Realität. Wie es die bestimmt nicht atomkritische Frankfurter Allgemeine Zeitung am Donnerstag vorgemacht hat: Sie schrieb, dass „den vernünftigen Gründen, die seit Jahrzehnten gegen die Nukleartechnik vorgebracht wurden, nicht mehr widersprochen werden kann".

Bearbeitet am: 20.03.2011/ad


Zurück zur Homepage