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vom 28.10.2010

Warmes Bett im heißen Herbst

Christina Schuster vermittelt für den Widerstand Schlafplätze an Castor-Demonstranten

rg Prisser. Christina Schuster sitzt auf ihrem Bett. Vor sich ein Computer, neben sich ein großer Pott Kaffee. Viel Schlaf hat sie nicht bekommen in den vergangenen Tagen, sagt sie. Ihr Bauwagen steht in ihrem Kräutergarten auf einem abgelegenen Grundstück in der Nähe von Prisser, und er ist das Hauptquartier des Castor-Widerstandes – wenn es darum geht, Schlafplätze an Atomkraftgegner zu vermitteln, die Anfang November zu den Protesten gegen den Atommüll-Transport nach Lüchow-Dannenberg kommen wollen. Und Christina Schuster vermittelt nicht nur Schlafplätze, sondern sie vermittelt Patenschaften. Widerstands-Patenschaften.

Ihr Telefon stehe seit Wochen nicht still, erzählt sie. „Zumindest tagsüber." Nachts werde es ruhiger, doch dann macht sie sich daran, die aufgelaufenen Anfragen und Angebote zusammenzubringen. Die Anfragen kommen per Mail, oder die Demo-Teilnehmer in spe rufen sie an. „Sie schreiben oder sagen mir, was sie suchen, wie viele Plätze sie brauchen, wo sie hinmöchten", berichtete die ehrenamtliche Bettenvermittlerin. Die Anfragen gleicht sie dann mit dem ab, was sie so in ihrem Katalog hat. „Mit dem, was mir die Leute hier in Lüchow-Dannenberg anbieten", erklärt sie und nimmt einen großen Schluck
Kaffee. „Sie melden sich bei mir und sagen, wie viele Schlafplätze sie anbieten können, ob man beispielsweise Hunde mitbringen kann, ob die Gäste auch verköstigt werden, ob man duschen kann und so weiter."

Und die Anbieter, die Schuster „Paten" nennt, können noch mehr angeben: „Sie können auch sagen, ob sie sich auch über Unterkunft und Essen hinaus um die Gäste kümmern möchten", erläutert sie. „Beispielsweise, ob sie etwas über Lüchow-Dannenberg und den Gorleben-Widerstand erzählen möchten. Und ob sie ihre Gästeauch zu den Demonstrationen und Protest-Aktionen begleiten würden – wenn sie es denn möchten."

Mitten im Gespräch klopft es an der Tür. Draußen steht eine Frau, die wissen will, ob mit dem Telefon in Christina Schusters Bauwagen alles in Ordnung ist. „Weil da ständig besetzt ist", sagt sie. Christina Schuster muss lachen. Ja, alles in Ordnung. „Es sind halt so viele Anrufe, dass nicht alle durchkommen – der Bedarf ist riesig." Allein in der kurzen Zeit im Bauwagen klingelt das Telefon 15 Mal, und das gehe seit Wochen so. Die Anfragen kommen aus ganz Deutschland, aber auch aus der Schweiz und Frankreich. „Und nicht nur Menschen, die zu den Demos kommen wollen, melden sich bei mir, sondern auch Presseleute, die Unterkunft suchen."


Mit den „Patenschaften" wolle man den Menschen, die zum Protest anreisen, Planbarkeit geben, sagt Schuster: „Sie kommen von weit her, und viele wollen nicht auf blauen Dunst losfahren, sondern ganz gerne vorher wissen: Wo kann ich da unterkommen und wo bekomme ich etwas zu essen." Angeboten werden die Unterkünfte von Menschen aus dem ganzen Landkreis. „Das geht von einem Schlafplatz auf der Couch über Ferienwohnungen bis hin zu 50, 60 Schlafplätzen auf Stroh in einer Halle." Schuster ist die Schnittstelle zwischen diesen Lüchow-Dannenb ergern und jenen, die über die Castor-Tage hier unterkommen möchten.

„Wir sind optimistisch, dass wir alle, die wollen, unterkriegen", sagt Christina Schuster. In den kommenden Tagen rechnet sie aber noch einmal mit einer Zunahme der Anfragen. „Wer Schlafplätze hat, sollte sich jetzt melden", sagt sie. „Dann können wir alle versorgen."

Anfragen und Angebote nimmt Christina Schuster per Mail an betten@castor2010.de  entgegen, oder telefonisch (0 58 41) 96 15 02.

Bearbeitet am: 28.10.2010/ad


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