ejzmini.gif (1299 Byte)

vom 14.10.2010

Bedenkenlos - aber ohne Garantie

Stadt Dannenberg »verärgert» über Polizeiaussagen zur Kartoffelsonntag-Absage - Auch Landkreis hatte Sicherheitsbedenken

rg Dannenberg. In Dannenberg ist man verärgert. Und das ist noch milde ausgedrückt.

Grund dafür sind Äußerungen einer Polizeisprecherin, die von der EJZ unter anderem mit den Worten zitiert wurde: »Wenn es nach uns gegangen wäre, hätte der Kartoffelsonntag stattfinden können.» Denn das, betonte Stadtdirektor Jürgen Meyer gestern, spiegele in keinster Art und Weise das wider, was die Vertreter der Polizei im Vorfeld der Absage in den Gesprächen mit der Stadt und der Werbegemeinschaft gesagt hätten. Denn in diesen Gesprächen hätte die Polizei klar gestellt: Man könne keine Garantien dafür abgeben, dass alle Beschicker und Besucher des Kartoffelsonntags problemlos und sicher an- und auch wieder abreisen können. »Daher wundern wir uns jetzt schon ein stückweit über die Aussagen der Polizei», so Stadtdirektor Jürgen Meyer. »Dafür haben wir keinerlei Verständnis: Das kommt zur falschen Zeit und am falschen Ort.»

14.jpg (16376 Byte)

Bild: Die Polizei hätte nach eigener Auskunft "keine Bedenken" gehabt, den Kartoffelsonntag trotz des Castor-Transportes stattfinden zu lassen. Garantien für die Sicherheit und eine reibungslose An- und Abreise der Besucher habe sie aber nicht geben wollen, heißt es von der Stadt. Aufn.: R. Groß

In den Gesprächen mit der Polizei habe diese »Szenarien ausgemalt, die uns Angst gemacht haben», wenn Kartoffelsonntag und Castor-Transport am selben Tag stattfinden würden, so Ernst Bader, der bei der Dannenberger Werbegemeinschaft für die Organisation des Kartoffelsonntags zuständig ist. Natürlich hätte die Polizei nicht bestätigt, dass der Transport am Sonntag in Dannenberg einrollen werde, so Bader. »Aber sie haben uns klipp und klar gesagt: Wenn das so kommt, dann ist hier sowieso alles dicht.»

Auch der von der Polizeisprecherin gezogene Vergleich mit der Castor-Kartoffelsonntag-Terminkollision 2004 hinke, stellt Jürgen Meyer heraus. »Damals kam der Transport am Montag hier in Dannenberg an. Nicht am Sonntag - das ist elementar.» Mit einem am Montag einrollenden Castor-Transport hätte man den Kartoffelsonntag »selbstverständlich handeln können». Daher habe man den Kartoffel-sonntag auch nicht frühzeitig verlegt. Denn, so Meyer, »es gab Signale aus dem Innenministerium, dass der Transport wie 2004 wieder am Montag einrollen würde - darum sahen wir keinen Anlass, den Kartoffelsonntag frühzeitig zu verlegen.» Bis auf diese Andeutungen habe die Stadt aus Hannover »keine verlässlichen Informationen bekommen», stellt Meyer heraus. »Den konkreten Termin haben wir letztlich von der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg bekommen.»

Im Innenministerium will man von solchen »Signalen» über den Transporttermin Richtung Dannenberg nichts wissen. »Wir kommentieren den Zeitpunkt der Transporte nicht», so Sprecher Klaus Engemann. Zudem könne man das »so konkret auch gar nicht sagen». Dass die Polizei einen reibungslosen Ablauf des Kartoffelsonntags hätte garantieren können, stellt man in Hannover ebenfalls nicht in Abrede. »Die Polizei managt den Transport», so Engemann. »Was sie sagt, das gilt.»

Mit ihren Befürchtungen, die letztlich zur Absage des Kartoffelsonntags führten, waren Stadt, Samtgemeinde und Werbegemeinschaft übrigens nicht allein. Auch der Landkreis als beteiligte Verkehrsbehörde habe »erhebliche Sicherheitsbedenken gehabt», sagt Jürgen Meyer. Im Lüchower Kreishaus bestätigt man das: Wegen der Unwägbarkeiten über die womöglich enorme Zahl der Demons-tranten, die es unmöglich machte, ein »gescheites, tragfähiges Verkehrskonzept zu entwickeln», habe man »zähne- knirschend gesagt: Sagen wir das ab», bestätigt Landrat Jürgen Schulz. Denn wenn wirklich zehntausende Demo-Teilnehmer kämen, dann »wäre das das Ende der Belastbarkeit unserer Infrastruktur».

Bearbeitet am: 14.10.2010/ad


Zurück zur Homepage