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vom 10.11.2008

Friedliche Schienenblockaden

Hunderte Demonstranten lassen sich bei Tollendorf von den Schienen tragen - Angeblich auch Verletzte

rg Tollendorf. Es war mehr ein Zeichen des Protestes gegen den Atommüll-Transport nach Gorleben als ein ernsthafter Versuch, diesen aufzuhalten: Hunderte Menschen haben gestern Nachmittag bei Tollendorf die Bahnstrecke Dannenberg-Lüneburg blockiert. Die Strecke also, auf der der Atommüll nach Lüchow-Dannenberg rollen wird.

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Bild:Insgesamt 400 Blockierer gelangten gestern Nachmittag auf die Schienen bei Tollendorf. Die Polizei räumte die friedliche Blockade durch Wegtragen. Aufn.: R. Groß

Sie protestierten komplett friedlich, ließen sich - bis auf wenige Ausnahmen - widerstandslos von der Polizei von den Schienen tragen. Auch auf Seiten der Polizei wahrte man Augenmaß und beschränkte sich - ebenfalls bis auf wenige Ausnahmen - auf das Wegtragen.

Von der Mahnwache in Tollendorf aus war »Die Verschwörung der Zwerge» an die Schiene aufgebrochen. In dem Wissen, dass der Transport mit hochradioaktivem Müll noch hunderte Kilometer entfernt sein würde, wenn sie auf der Strecke Platz nehmen würden. »Wir werden uns wegtragen lassen, es aber nicht so weit treiben, dass sie uns wegsperren», hatte ein Sprecher im Vorfeld der Aktion angekündigt. Schließlich seien auch noch Schienenblockaden vorgesehen, die den Zug »dann tatsächlich aufhalten sollen».

Zwei Gruppen von insgesamt rund 400 Menschen waren durch den Wald auf die Transportstrecke gelangt, die zu diesem Zeitpunkt nur von wenigen Polizeikräften gesichert wurde. Ein Polizeieinheit entdeckte den »Zwergen»-Zug durch den Tollendorfer Wald jedoch noch im Anmarsch, konnte ihn jedoch nicht aufhalten, sondern lediglich zusehen, wie die beiden Gruppen auf den Schienen Platz nahmen. Den Ablauf der Aktion hatten die Castor-Gegner zuvor eigens trainiert.

Neben diesem friedlichen Protest soll es am Sonntagvormittag bei Leitstade zu schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen sein. Nach Angaben des »Infopunktes Metzingen» sollen Protestierer, die versuchten, zur Schiene zu gelangen, und teilweise schon auf den Schienen saßen, von Polizeieinheiten mit Schlagstöcken und Pfefferspray angegriffen worden sein. Auch Wasserwerfer seien von der Polizei eingesetzt worden, mehrere Demonstranten erlitten Verletzungen. Eine Frau sei von einem Polizeipferd niedergetrampelt und lebensgefährlich verletzt worden, heißt es aus Widerstandskreisen. Weder die Bürgerinitiative Umweltschutz noch die Polizei konnten diese Aussagen bestätigen. Man wisse nichts von solchen Vorfällen, hieß es von Sprechern beider Seiten.

Bearbeitet am: 10.11.2008/ad


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