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vom 06.05.2008

»Für Gorleben irrelevant»

BGR sieht hiesige Atomanlagen durch Erdbeben in der norddeutschen Tiefebene nicht in Gefahr

rg Gorleben. Gründe, warum Gorleben womöglich als Atommüllager-Standort ungeeignet sein könnte, gibt es viele. Angefangen vom fehlenden Deckgebirge über dem Salzstock über vermutete Wasserflüsse durch den Stock bis hin zur Gefahr von Flugzeugen, die auf die Transportbehälterhalle fallen könnten.

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Bild: Im Gorlebener Atommüllzwischenlager stehen schon mehrere Dutzend beladene Castor-Behälter. Deren Sicherheit sei durch Erdbeben nicht gefährdet, heißt es vom BGR. Aufn.: R. Groß © EJZ-Online

Doch seit einigen Jahren beunruhigt noch ein weiterer Aspekt die Gorleben-Kritiker: Erdbeben.

Zweimal bereits ließen in den vergangenen Jahren stärkere Erdstöße die norddeutsche Tiefebene messbar und spürbar erschüttern. Und nun schon wieder: Anfang April, Stärke 2,8, das Epizentrum lag im Landkreis Verden, keine 160 Kilometer von Gorleben entfernt. Die Erdbeben werden in Zusammenhang mit der Förderung von Erdgas in der Region gebracht. Ein endgültiger Beweis dafür fehlt allerdings. Und mittlerweile gibt es auch schon Wissenschaftler, die von Vorboten einer Reaktivierung der seismischen Aktivitäten in der nord- deutschen Tiefebene sprechen.

Gorleben-Gegner befürchten nun, dass die Erdbeben sowohl die Stabilität des Salzstocks Gorleben-Rambow gefährden als auch die der Transportbehälter-Lagerhalle, in der schon etliche Castor-Behälter voller hochradioaktiven Müll stehen. Das Beben 2004 bei Rotenburg/ Wümme hatte schließlich eine Stärke von 4,5, was nicht unerheblich ist. Und Rotenburg liegt sogar nur rund 150 Kilometer entfernt von Gorleben. Doch diese Befürchtungen seien unbegründet. Das sagt zumindest die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover.

Zum einen sei Gorleben von der Gegend, in der die Erdbeben auftraten, sehr weit entfernt, so der Geophysiker Nicolai Gestermann. »Die Erbebenereignisse bei Verden und Rotenburg an der Wümme haben für den Bereich Gorleben keine Relevanz», meint der Wissenschaftler. Zum anderen würden solche Ereignisse, selbst wenn sie in der Nähe von Gorleben stattfinden würden, »die Standortsicherheit nicht gefährden».

Der Salzstock würde selbst bei einem Erdbeben der Stärke 4,5 - was in einer seismisch fast komplett inaktiven Zone wie Nordost-Niedersachsen so ziemlich dem schlimmsten anzunehmenden Fall bedeuten würde - »nicht reißen», versichert der Geophysiker. »Salz ist kein Gestein wie beispielsweise Granit, es ist sehr variabel, fließt praktisch. Spannungen können sich da kaum aufbauen, und ein Erdbeben würde den Salzstock nicht beeinträchtigen.» Zum anderen seien die Atom-anlagen in Gorleben »gegen Einwirkungen durch Erdbeben bis zur Intensität 7 ausgelegt», weswegen »daher kein Anlass besteht, eine Neubewertung der Erdbebensicherheit dieser Anlagen vorzunehmen», heißt es in einer Studie des BGR. Dies war nämlich nach dem jüngsten Erdbeben erneut gefordert worden. Auch sei - entgegen des entstandenen Eindrucks - keine Häufung von Erdbebenereignissen in der norddeutschen Tiefebene zu beobachten. Jetzt sei lediglich »ein Fokus auf diese Ereignisse da», weil in den Medien über diese Beben stärker berichtet worden sei.

»Es hat seit 1977 nur zwei stärkere Beben gegeben, und selbst die hatten so gut wie keine Schäden angerichtet», betont Gestermann. Dennoch nehme man die Erdbeben der vorigen Jahre sehr ernst, heißt es bei der BGR. In Gorleben sei ein seismisches Netz installiert worden, gerade weil die Region Standort eines möglichen Atommüll-Endlagers ist. Doch gerade dieses Netz habe gezeigt, dass die Beben von Verden und Rotenburg »keine signifikanten Ereignisse» für Gorleben gewesen seien. Dass die Gorleben-Gegner solchen Aussagen einer Behörde misstrauen, liegt in der Natur der Sache. Und es ist auch verständlich, wenn solche Erdbebenereignisse Ängste schüren. Das weiß man auch beim BGR. Schließlich soll hochradioaktives Material in der Erde eingelagert werden. Wenn die dann bebt, fällt es vielen nämlich schwerer, an die Sicherheit dieser Einlagerungsart zu glauben.

Bearbeitet am: 06.05.2008/ad


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