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vom 05.04.2008

Nicht einmal eine Fußnote wert

Kulturelle Landpartie verbannt wegen Konflikts mit der Mützingenta das Gorleben-Archiv aus dem Programm

tj Mützingen. „Die Kulturelle Landpartie (KLP) hat ihre Wurzeln im politischen Widerstand gegen die Atomanlagen in Gorleben". So lautet der erste Satz im diesjährigen Programmheft. Der Erforschung dieser Wurzeln hat sich auch der Verein Gorleben-Archiv verschrieben, und so war er in den Vorjahren bei der KLP präsent. Das ist nun anders: Der KLP-Reisebegleiter macht in diesem Jahr nicht auf das Gorleben-Archiv aufmerksam.

Obwohl das Archiv zwischen Himmelfahrt und Pfingsten in der Öffentlichkeit präsent sein wird, und zwar wie in den Vorjahren bei der Mützingenta. Wer aber im Programmheft die Seiten des Buchstabens M aufschlägt, stellt fest, das es auch keinen Hinweis auf diese Veranstaltung gibt, die in den Vorjahren eines der Zentren der KLP war. Denn zwischen der KLP und der Mützingenta, die in deren Geschichte eine wichtige Rolle gespielt hat, gibt es einen Konflikt finanzieller und atmosphärischer Art.

Trotz dieses Streits wollte das Gorleben-Archiv im Reisebegleiter auf seine Präsenz bei der Mützingenta aufmerksam machen, und auch die Bürgerinitiative Umweltschutz (BI) hatte offenbar entsprechende Pläne. Die aber wurden nicht realisiert. Die Gründe dafür sind nicht völlig eindeutig zu rekonstruieren. Die BI-Vorsitzende Kerstin Rudek etwa ist sich nicht sicher, ob eine entsprechende Anfrage aus inhaltlichen Gründen abgelehnt worden oder „an der Zeit gescheitert" sei.

Das „mit der BI ist dumm gelaufen", meint Thomas Hagelstein vom Rat der K-LP Niemand habe daran gedacht, die BI rechtzeitig über den Konflikt mit der Mützingenta zu informieren. Insgesamt bewertet Kerstin Rudek das Geschehen als „nicht so dramatisch". Zudem seien ja die Meuchefitzer Aktivitäten der BI im Programmheft präsent. Anders beim Gorleben-Archiv: „Weil wir auf der Mützingenta sind, sollten wir nicht beworben werden", fasst dessen Vorsitzende Asta von Oppen zusammen. Es habe einen entsprechenden Plenumsbeschluss gegeben, bestätigt Thomas Hagelstein seitens der KLP; daraufhin sei „ausführlich" mit dem Gorleben-Archiv gesprochen und diesem vorgeschlagen worden, sich einen anderen Ort zu suchen. Dabei wären nach den Vorstellungen der Archiv-Gruppe die Namen Mützingenta oder Mützingen allenfalls als Ortsangabe im unteren Teil der Reisebegleiter-Seite zu lesen gewesen, meint Asta von Oppen. Sich einen anderen Ort zu suchen „waren wir nicht bereit", sagt sie weiter. „Wir waren schon lange vorbereitet, auf der Mützingenta auszustellen und Veranstaltungen zu machen", aus diesem Grund habe sich das Archiv dann gegen die KLP entschieden und „sich nicht weiter aufgeregt." Das Vorgehen der KLP sei allerdings „nicht in Ordnung" und sie hoffe, „dass sich das nächstes Jahr wieder geraderückt", so Asta von Oppens Fazit.

Trotz langer gemeinsamer Ge- schichte will die KLP keine Werbung für die Mützingenta in ihrem Programm - nicht einmal als Fußnote auf der Seite einer Gruppe wie dem Gorleben-Archiv. Diese Vehemenz steht im Kontrast zu den Verweisen auf Wurzeln der KLP, der Beschwörung des „kreativen Widerstands" in der Modellregion Wendland, zu Sätzen wie „Gemeinschaft macht stark" im Programmheft.

Das stößt auf Kritik. Angesichts solcher Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität wäre es seitens der KLP konsequent, „das Thema Umweltschutz und Gorleben aus dem Reisebegleiter zu verbannen und somit das zu sein, was man ist: eine rein kommerzielle Veranstaltung", kommentiert etwa die vieljährige BI-Vorsitzende Susanne Kamien die Vorgänge.

Bearbeitet am: 05.04.2008/ad


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