ejzmini.gif (1299 Byte)

vom 03.09.2007

Mit Opas Trecker zur Demo

Anti-Atom-Kundgebung und »Generation Move» -Zaubershow für das erste atomstromfreie Dorf im Wendland versprochen

by Gorleben. Die einen kommen ohne mindestens einen Gehstock oder auch den Rollator nicht mehr voran, die anderen sind froh, dass sie endlich offiziell Trecker fahren dürfen. Bürgerinitiativ-Gründerin Marianne Fritzen gehört dieser auf Gehhilfen angewiesenen Großeltern-Generation des Gorleben-Widerstandes an, Bettina Drengemann aus Klein Gaddau der Enkel-Generation, die erstmals am Steuer von Opas Trecker in Richtung Gorleben fuhr.

03.jpg (34919 Byte)

Bild: Der Tod und die vermüllte Erde: Mit seinem Auftritt faszinierte ein dreiköpfiges Pantomime-Stelzentheater.
Aufn.: Ch. Beyer

Gemeinsam trugen die 83-Jährige und die 16-Jährige am Sonnabend einen langen Staffelstab vom Zwischenlager in Richtung Salinas-Gelände: Symbol dafür, dass auch nach 30 Jahren dem wendländischen Widerstand gegen Atomanlagen der Atem und der Nachwuchs nicht ausgeht. Im diesem Jahr, in dem es keinen Castor-Transport nach Gorleben geben wird, wollte die Bürgerinitiative Umweltschutz nutzen, um unüberhörbar auf die Entsorgungsmisere aufmerksam zu machen. Das tat sie mit einer Demonstration am Sonnabend in Gorleben, die nach der Kundgebung in eine Art »Generation Move» benanntes Widerstands-Volksfest mündete - mit Speis und Trank, viel Musik, Varieté aber auch Informationen: An »Experten-Tischen» waren der Rechtsanwalt Nikolas Piontek, der Wissenschaftler Wolfgang Neumann von der Gruppe Ökologie, »Widerstands-Urgestein» Lilo Wollny oder auch die Grünen-Europaabgeordnete Rebecca Harms gefragte Gesprächspartner. Die Polizei zählte rund 750 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Demonstrationszug und bei der Kundgebung, die BI sprach von 1200 Menschen, die unter dem Motto »Gorleben brennt... uns unter den Nägeln» die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen forderten. Bis morgens um 3 Uhr hielten die letzten rund 150 Menschen im Kulturzelt auf dem Salinas-Gelände durch, begeistert unter anderem von der spannenden Gesang-Geräusch-Musikperformance von Rico Loop.

»Hört endlich auf, Atommüll zu produzieren, ihr könnt mit dem vorhandenen schon nicht umgehen», forderte die BI-Vorsitzende Kerstin Rudek in ihrer Rede. Udo Dettmann als Vertreter der Endlagerstandorte Asse, Schacht Konrad und Morsleben hielt es für unnötig, die Endlager-Planungen für Schacht Konrad und Gorleben weiter zu betreiben, solange die Probleme mit den havarierten Atommülllagern Asse II und Morsleben nicht gelöst seien. »Atomreaktoren sind weltweit die Türöffner für Atombombenbau» betonte Dr. Winfried Eisenberg von der IPPNW, der Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges. Die Drohungen der USA gegen den Iran seien ein Musterbeispiel dafür, dass auch den Befürwortern der sogenannten »friedlichen» Atomenergie der Zusammenhang von Atomenergie und Atomwaffen völlig klar sei.

Und Jochen Stay von »X-tausend mal quer» begrüßte all diejenigen, die ihren Strom noch von E.ON Avacon beziehen, mit den Worten »Schön, dass es Euch gibt». Denn alle, die sich jetzt noch von E.ON und Co. verabschieden können, könnten dazu beitragen, dass der Verbraucherdruck auf die AKW-Betreiber wachse. Und das in einer Phase, in der die Konzerne Laufzeitverlängerungen durchsetzen wollten. Stay: »War der Wechsel des Stromanbieters bisher eher eine Angelegenheit des privaten Öko-Gewissens, so wird er jetzt zu einem politischen Akt der Verbraucher gegen die Macht der großen Konzerne.» Analog zur Kampagne »Tschüss Vattenfall! Hamburg steigt um» könnte es im Wendland »Tschüss Avacon !» heißen. Dem ersten atomstromfreien Dorf in Lüchow-Dannenberg versprach Willem Wittstamm eine Zaubershow.

Bearbeitet am: 03.09.2007/ad


Zurück zur Homepage