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vom 25.10.2007

Endlager-Suche wie umsetzen?

Atomausschuss bereitete sich auf den Gabriel-Besuch vor

fk Dannenberg. Bis zum Ende ihrer Amtszeit werde die große Koalition keine Entscheidung über eine alternative Suche nach einem Atommüll-Endlager zustande bringen. Das gelte jedenfalls dann, wenn sie sich dabei an die Verfahrensvorschläge des Arbeitskreises Auswahlverfahren Endlager-Standorte (AKEnd) halten will.

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Bild: Eine alternative Standort-Suche nach einem Atommüll-Endlager - hier eine Besuchergruppe im Salzstock Gorleben - werde die große Koalition bis 2009 nicht mehr zustande bringen, wenn sie sich an den Verfahrensweg des AKEnd halten will. Das skizzierten die Geologen Appel und Kreusch am Montag im Kreisatomausschuss. Aufn.: DBE

Die verbleibende Zeit wäre für einen solchen Entscheidungsprozess zu kurz, erklärte der Geologe Dr. Detlef Appel in einer Anhörung des Kreis-Atomausschusses am Montag in Dannenberg.

Der Ausschuss hatte Appel und seinen Kollegen Jürgen Kreusch zur Vorbereitung auf den Besuch von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) in der nächsten Woche eingeladen. Der AKEnd war von der rot-grünen Bundesregierung zusammengerufen worden. In ihm waren Wissenschaftler der beiden Lager im Streit um die Atomenergie und um den Endlager-Standort Gorleben vertreten.

Nach mehrjähriger Arbeit legte der Arbeitskreis ein Konzept für einen Neuanfang der Endlager-Suche vor. Gorleben sollte als Standort nicht ausgeschlossen sein. Aber es müsse ein Vergleich von Standorten stattfinden, damit der bestmögliche gefunden wird, lautete die gemeinsame Empfehlung der Wissenschaftler. Eine Umsetzung dieser Vorschläge gibt es bis heute nicht.

Die Fragen nach dieser Umsetzung werden im Mittelpunkt des Besuches von Umweltminister Gabriel am 2. November stehen. Kreusch und Appel machten deutlich, dass die Sprachregelung des Bundesumweltministers, wonach sich ein alternativer Standort zu Gorleben »aufdrängen» müsse, eine Beseiti- gung aller Versuche zu einer an Kriterien orientierten, nachprüfbaren Standort-Suche sei.

Ein weiteres Hearing zur EndlagerSuche, wie von Gabriel vorgeschlagen, lehnten sie nicht grundsätzlich ab. Es wäre überflüssig, wenn es dabei nur um Gorleben gehen soll, meinte Appel. Da sei alles gesagt. Inte-ressant könnte eine solche Anhörung für die Frage sein: »Wie sieht ein vernünftiger Entscheidungsprozess aus?»

Wie bei früheren Gelegenheiten wandten sich die beiden Wissenschaftler vor dem Atomausschuss des Kreistages gegen eine Rückholbarkeit von hochradioaktivem Atommüll. Das wäre ihrer Ansicht nach ein Verlust an Sicherheit. Der Mensch, der Zugang zu diesem Müll hätte, wäre das größere Sicherheitsrisiko als die Geologie. Die Transmutation, die Umwandlung von Radionukliden in weniger gefährliche und langlebigere Nuklide, sei keine berechtigte Hoffnung für eine Lagerung von Atommüll. Die dafür benötigten Anlagen müssten größer und aufwändiger sein als eine Wiederaufarbeitungsanlage. Die Radiolyse, die vermeintlich hochexplosive Zerlegung von Salz durch Strahlung, bildet nach Auskunft von Appel und Kreusch keinen relevanten Umstand für eine Endlagerung nach deutschem Konzept. Es sei zwar eine wissenschaftlich interessante Frage.

Aber eine Studie der Reaktorsicherheitskommission, in der auch Appel mitarbeitet, habe die Bedeutungslosigkeit für die praktische Endlagerung ergeben. Einen grundsätzlichen Forschungsbedarf zur Endlagerung und über Endlager-Medien wie Salz, Ton oder Granit gebe es nicht mehr. Da herrsche weitgehende Übereinstimmung aller Beteiligten, erklärten die Wissenschaftler.

Welche Konsequenzen daraus zu ziehen seien, darüber gehen die Ansichten jedoch auseinander. Das Bundesamt für Strahlenschutz folgert daraus, dass neben Gorleben auch andere Standorte untersucht werden müssten. Die Industrieseite lehnt dies ab.

Bearbeitet am: 25.10.2007/ad


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