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vom 09.11.2007

Großes Endlager-Rätsel

270 Wissenschaftler erörtern in Braunschweig derzeit ein heißes Thema

Von Anita Pöhlig

Braunschweig. Die Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Abfall aus Atomkraftwerken erhitzt nicht nur in Deutschland die Gemüter. Ob Japan, Schweiz oder USA - die Frage nach einer sicheren Entsorgung ist unbeantwortet.

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Bild: Ein mit Atommüll gefüllter Primärcontainer wird in einen Schacht des Atommüllendlagers Morsleben hintuntergelassen, um ihn dann zur Endlagung einzubringen

„Den Käse und die Schokolade haben wir noch allein erfunden", sagt der Schweizer Physiker Michael Aebersold. Bei der Planung von atomaren Endlagern sei ein internationaler Austausch jedoch angebracht. Aebersold ist einer von 270 Wissenschaftlern aus 16 Ländern, die noch bis heute in Braunschweig über den Stand der Forschung, aber auch über den gesellschaftlichen Umgang mit dem Thema diskutieren.

Bislang ist weltweit noch kein Endlager für hochradioaktiven Abfall errichtet worden. Ein solches Lager soll immerhin für den unvorstellbaren Zeitraum von einer Million Jahren Sicherheit garantieren. Dass der Atommüll national entsorgt werden muss, steht in den meisten Ländern fest. „Der Misthaufen gehört auf den Hof, auf dem die Kühe im Stall stehen", betont Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD). Einigkeit besteht auch darüber, dass Sicherheit bei der Standortsuche an vorderster Stelle zu stehen hat. Mittlerweile stellt auch kaum jemand mehr die große Bedeutung einer umfassenden Beteiligung der Öffentlichkeit in Frage. Zudem wird die Lagerung unter Tage favorisiert. Die konkrete Umsetzung ist mit diesen Rahmenbedingun gen jedoch noch lange nicht geklärt. Welches Gestein bietet zum Beispiel die größte Sicherheit - Ton, Granit oder Salz? Hierzulande setzte man bislang auf Salz, in der Schweiz gibt es dagegen gar keine Salzvorkommen. „Man muss damit leben, was man hat", sagt Experte Aebersold. Letztendlich seien Eigenschaften wie die Standfestigkeit der Deckgebirge wichtiger als die Gesteinsart.

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Bild: Welches Gestein bietet die größte Sicherheit?

Eine andere Frage ist die Rückholbarkeit. Die Befürworter wollen mit Blick auf unvorhersehbare Entwicklungen Zugriff auf den Müll haben. Um nicht erpressbar zu sein und um einen terroristischen Anschlag auszuschließen, wollen andere die Schächte nach der Einlage rung für immer verschließen.

In Deutschland sollte die derzeit ruhende Erkundung in Gorleben zeigen, ob der dortige Salzstock für ein Endlager geeignet ist. „Konkrete Sicherheitsanforderungen gibt es bislang nur aus den 80er-Jahren. Diese müssen weiterentwickelt und dem internationalen Stand angepasst werden", sagt der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König. Auch Gabriel fordert: „Wir müssen bei der Endlager-Debatte auf internationales Niveau kommen." Er möchte weitere Standorte auf ihre Eignung untersuchen lassen und plädiert für ein ähnliches Vorgehen wie in der Schweiz.

Wie es das Nachbarland macht, erläutert Aebersold: „Wir haben uns in aller Welt umgeschaut und die besten Punkte rausgenommen." Um ein Meinungsbild zu bekommen, werden Bürger zu Diskussionen eingeladen. Politiker, Vertreter von Interessengruppen und der Atomindustrie werden zudem in Workshops informiert. Mindestens zwei alternative Standorte sollen anschließend benannt und nach festen Sicherheitskriterien verglichen werden. Sieben bis zehn Jahre planen die Schweizer für die Auswahl ein. „Zeit haben wir, 2040 soll das Endlager für hochradioaktiven Abfall in Betrieb genommen werden", so Aebersold. Zuvor müsse der Müll ohnehin noch abkühlen.

Bearbeitet am: 09.11.2007/ad


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