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vom 13.11.2006

»Der Streit beginnt von Neuem»

Zentrale Anti-Castor-Demo am Sonnabend in Gorleben - »Wir lösen nicht die Probleme der Atomwirtschaft»

gel Gorleben. Aus einer Lautsprecherbox dröhnt der Stones-Song »Street fighting man»; auf einem Transparent wollen zwei Loriot-Figuren einen gelben Castor nicht mit in die Badewanne lassen; und am Rande treibt immer wieder die grell geschminkte Clownarmy ihren Schabernack: Bunt, witzig und widerstandsbereit präsentierten sich einige tausend Atomkraftgegner am Sonnabend auf der zentralen Anti-Castor-Demons-tration in Gorleben. Nachdem Teile der Politik und Wirtschaft wieder am vereinbarten Atomausstieg rütteln, kündigte Jochen Stay für den Gorleben-Widerstand an: »Wir nehmen die Aufforderung zum Tanz an.

13h.jpg (21517 Byte) Bild: Symbolträchtiger Protest: Der Tod auf Stelzen sollte am Sonnabend auf der Anti-Castor-Demo in Gorleben vor den Gefahren der Atomenergie warnen. 4 Aufn.: J. Feuerriegel

Der Streit um Atomkraft beginnt von Neuem.»

Die geschätzten Teilnehmerzahlen lagen wieder einmal weit auseinander. Die Bürgerinitiative Umweltschutz (BI) spricht von 6000 Demonstranten, die Polizei von 3000. Auch etwa 200 Traktoren waren zum Protest bei nasskaltem Schmuddelwetter gekommen. Symbolkräftige Bilder produzierten ein brö-ckelndes Miniatur-Atomkraft- werk von Greenpeace sowie zwei auf Stelzen wandelnde Figuren, die scheinbar dem Jenseits entsprungen waren.

Die Kritik an einer möglichen Renaissance der Atomenergie und die ungelöste Entsorgungsfrage standen im Mittelpunkt der weitestgehend friedlichen Demo. Lüchow-Dannenbergs neuer Landrat Jürgen Schulz bezeichnete die Atomenergie als einen »Irrweg der Menschen»; man müsse gegen einen Ausstieg vom Ausstieg protestieren.

Gorleben sei ein Sinnbild für die gescheiterte Atompolitik, sagte Ursula Schönberger. Sie sprach für die AG gegen das geplante Endlager Schacht Konrad bei Salzgitter. Sie betonte: Über die Frage, wohin mit dem Atommüll, gebe es mit dem Atomwiderstand »keine Gespräche, keinen Konsens», solange die Atomkraftwerke nicht abgestellt seien. Denn »wir lösen nicht die Probleme der Atomwirtschaft; wir machen ihr Probleme.»

Unter dem Boden des Bio-Landwirts Martin Ott aus der Schweiz ist ebenfalls ein Atommülllager geplant. Der Schweizer sagte in Gorleben, dass seiner Meinung nach alles unter Strafe gestellt werden müsste, was mit der Atommüll-Produktion und dem giftigsten aller Endprodukte zu tun habe.

Jochen Stay von der Widerstandsinitiative »X-tausendmal quer» listete mehrere Minister auf, die man während der Gorleben-Geschichte habe kommen und gehen sehen. Doch »wir sind immer noch da.» Wie ein Boxer habe der Gorleben-Widerstand »Nehmerqualitäten» gezeigt. An Bundeskanzlerin Merkel, Niedersachsens Innenminister Schünemann und Polizeichef Niehörster richtete Stay die Botschaft: »Ihr kriegt uns nicht klein.» Der Atomkonsens sei mit den jüngsten Forderungen aus Wirtschaft und Politik Geschichte, meinte Stay. Denn der Ausstieg solle jetzt gar nicht mehr stattfinden nach Meinung der Energiekonzerne, die die Laufzeiten für die »Gammelreaktoren» verlängern wollen. Im schwedischen Forsmark, erinnerte Stay, sei man nur sieben Minuten von einem Tschernobyl entfernt gewesen. Es gebe keine sicheren Notkühlsysteme. Deshalb müss-ten Brunsbüttel und andere AKWs sofort vom Netz. Dafür sei man jetzt wieder auf den Straßen.

Bearbeitet am: 13.11.2006/ad


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