rg Quickborn. Begonnen hatte alles recht friedlich: Gut 120 Menschen hatten sich in Langendorf zum Laternenumzug versammelt und marschierten singend durch das Dorf. Begleitet und überwacht von der Polizei, denn Langendorf liegt schließlich auf einer der beiden Castor-Transportstrecken.

Bild: Die Polizei hielt nach dem Laternenumzug gut 25 Teilnehmer auf der
Kreisstraße 15 zwischen Quickborn und Langendorf zur Personalienfeststellung fest und
erteilte einigen einen Platzverweis. Erst gegen Mitternacht konnten sie nach Hause gehen.
Aufn.: R. Groß
Doch was am Donnerstagabend so friedlich begonnen hatte, endete in der Nacht mit mindestens vier Verletzten und einem demolierten Polizeiauto. Wie es zu den Auseinandersetzungen gekommen war, dazu gibt es zwei Versionen. Die Polizei spricht von einer Fahrzeugkontrolle, bei der sich zwei Insassen widersetzt hätten. »Daraufhin haben die Beamten Zwangsmittel eingesetzt» im Klartext: Pfefferspray, so Polizeisprecher Stefan Kühm. Kurz darauf sei es zu einem Handgemenge mit weiteren Personen gekommen, die den beiden Fahrzeuginsassen zu Hilfe kommen wollten. »Dabei wurde ein Beamter durch einen Schlag mit einer Taschenlampe schwer verletzt, er wurde ins Krankenhaus gebracht», heißt es aus der Pressestelle der Polizei. Drei der Umzugsteilnehmer seien durch den Pfefferspray-Einsatz leicht verletzt und ambulant von Sanitätern versorgt worden.
Doch dieser Version der Ereignisse widersprechen einige der Umzugsteilnehmer entschieden: Nach dem Umzug, auf dem Rückweg nach Quickborn, sei ein Landwirt, der seinen Pritschenwagen aus einem Waldweg holen wollte, von zwei Beamten in Zivilkleidung »regelrecht überfallen» worden, berichten übereinstimmend mehrere Zeugen. Als der Mann und sein Sohn um Hilfe schrien, seien einige ihrer Begleiter zu dem Wagen gelaufen und dort »gleich mit Pfefferspray empfangen» worden. Einige der Umzugsteilnehmer berichten sogar von einer Waffe, die einer der Beamten einem Mann an den Kopf gehalten habe. Dieser Mann habe einen Kreislaufzusammenbruch erlitten und sei ins Dannenberger Krankenhaus gebracht worden, genau wie drei weitere Personen, die in dem Handgemenge verletzt worden seien, berichten die Augenzeugen.
Einige andere Umzugsteilnehmer, denen Pfefferspray ins Gesicht gesprüht worden sein soll, seien ambulant versorgt worden. Ursache für die Auseinandersetzung mm Quickborner Ortseingang war offensichtlich die Tatsache, dass Polizisten auf einem Pritschenwagen einen Betonblock entdeckt hatten und vermuteten, dass damit die Straße blockiert werden sollte. »An dem Betonblock befanden sich Vorrichtungen zum Anketten», erklärte Polizeisprecher Stefan Kühm. Der Betonklotz, der auf der Ladefläche eines Pritschenwagens lag, sollte allerdings nicht für eine Blockade-Aktion herhalten, sondern sei ein ganz normaler Betonblock, wie ihn Landwirte als Kontergewicht für ihre Traktoren verwenden, wenn sie mit dem Frontlader große Lasten heben müssen. »Und genau das hatte der Landwirt vor, dem der Pritschenwagen gehört», so einer der Umzugsteilnehmer.
Die angeblichen Ankett-Vorichtungen seien lediglich die Ketten und Ösen gewesen, die »nun mal an so einem Klotz dran sind, um ihn überhaupt bewegen und festmachen zu können». Nach dem Zwischenfall herrscht in Langendorf und Quickborn Wut. »Wut über das Verhalten der Polizei» sagt ein Jugendlicher. »Wie können die sowas nur machen?», fragt ein anderer. Kurz nach Mitternacht finden Beamte ihren Zivil-Streifenwagen demoliert unter einer Straßenlaterne wieder. Wer die Scheiben eingeschlagen und die Reifen zerstochen hat, weiß niemand. »Vielleicht ein Resultat dieser Wut», mutmaßt ein Anwohner. Vielleicht hat er Recht.