gel Gorleben. Die gegenseitigen Schuldzuweisungen von Demonstranten und Polizei nach dem jüngsten Castoren-Transport nach Gorleben zeichneten ein falsches Bild einer »unseligen Konfrontation». Dies bilanzieren die evangelischen Pastorinnen, Pastoren und kirchlichen Mitarbeiter, die in den Protesttagen als Seelsorger an vielen neuralgischen Punkten aktiv waren.
Von einer größeren Gewaltbereitschaft oder gar von Feindschaft zwischen Polizei und Demonstranten könne keine Rede sein. Die Pastoren wenden sich damit gegen die gegenseitigen Vorwürfe, dass die Castor-Gegner mehr Härte gezeigt und die Polizei vielfachen Rechtsbruch begangen hätten. Als Haupteindruck sei dieses Bild »völlig unzutreffend». So habe es nur wenige Gewaltbereite unter den Demonstranten gegeben, meinen die Pastoren und Kirchen-Mitarbeiter.
»Die Zahlen 700 bis 800 sind unseres Erachtens nicht belegbar.» Diese Zahl könne nur »Fantasie oder interessegeleitet sein». Oder die Polizei werte bereits das bloße Sitzen auf der Straße als eine Gewalttat, schieben die Pastoren nach. Was die Seelsorger beispielsweise bei Sitzblockaden erlebten, war ein völlig anderer Eindruck: »Demonstranten und Polizei zeigten Willen und Bereitschaft, miteinander zu reden, aufeinander zu hören und sich auch zu verständigen -bis hin zu gegenseitigen Zusagen.»
Dennoch berichten die Pastoren auch von Einzelereignissen, wo sie sich in Zukunft Verbesserungen erhoffen:
» Diesmal seien besonders viele junge Polizeikräfte im Einsatz gewesen, die den Charakter des Gorleben-Widerstands nicht richtig einschätzen könnten. Dort sei mehr Aufklärungsarbeit nötig. So sei vielen dieser jungen Polizisten die Rolle der Pastoren mit ihren weißen Seelsorger-Westen »völlig fremd» gewesen.
» Als »respektlos und unkoordiniert» bezeichnen die Pastoren eine Polizeiaktion in Harlingen, wo Pferdestaffeln und Polizeieinheiten Demonstranten »wie Vieh» hin und hergetrieben hätten. »
»Erschrocken» zeigen sich die Pastoren über die Polizeiaktion in Pudripp, wo die Demons-tranten angeblich keine Chance gehabt hätten, die Versammlung zu verlassen, bevor die Castor-Gegner und die dort blockierenden Traktoren von der Polizei umstellt wurden. Die Seelsorger stellen die Frage, ob die Polizei dort womöglich Rechtsbruch in Kauf genommen habe, nur um die vielen Trecker stilllegen zu können.
» Positiv und besorgt zugleich äußern sich die Kirchen-Mitarbeiter zu der Schüler-Demo in Lüchow. Die zurück-haltende Präsenz der Polizei an der Polizeiunterkunft habe sich diesmal bewährt und »würdelose» Szenen wie im Vorjahr vermieden. Kein Verständnis bringen die Pastoren dagegen für die Eierwürfe der Schüler und Schülerinnen auf - auch wenn die diesmal nur den Polizeiautos galten. Nur etwa die Hälfte der angesprochenen Schüler habe auf die Bitten der Pastoren reagiert, das Werfen zu unterlassen. Es sei dringend nötig, dass sich die Schulen im Unterricht mit diesem Problem beschäftigen, fordern die Kirchen-Seelsorger.
Generell sprechen sich die Pastoren dagegen aus, dass es eine Vorfestlegung auf Gorleben als Atommüll-Endlager gebe. Man spricht sich für eine alternative Standortsuche mit Beteiligung der Bevölkerung aus.