ejzmini.gif (1299 Byte)

vom 29.09.2005 

Alles deutet auf Brandanschlag hin

Polizei-Unterkunft bei Woltersdorf: Fünf Container-Blöcke gleichzeitig in Flammen - »Neue Qualität» im Castor-Konflikt?

gel Woltersdorf. Torsten Oestmann redet nicht lange um den heißen Brei herum: »Natürlich gehen wir von Brandstiftung aus», sagt der Pressesprecher der Polizeidirektion Lüneburg. Was sonst? Schließlich sind die Feuer in den fünf Wohn- blöcken auf dem ehemaligen ÜFEst-Gelände in Woltersdorf fast gleichzeitig ausgebrochen.

29.jpg (10915 Byte) Bild: Knapp 200 Feuerwehrleute kämpften gestern Morgen gegen die Flammen in fünf Container- Wohnblöcken auf dem Gelände der ehemaligen ÜFEst bei Woltersdorf an. Die Container dienten der Castor-Polizei als Unterkunft während ihrer Einsätze. Alle bisher bekannten Fakten deuten auf einen Brandanschlag hin. 3 Aufn.: J. Feuerriegel

Und Türen seien von innen blockiert gewesen, um die Arbeit der Feuerwehren zu erschweren. Mit Verdachtsäußerungen hält sich der Polizeisprecher aber zurück. Zwar sei man »nicht so blauäugig, dass die Castor-Protestszene nicht in Frage kommt». Aber man hüte sich vor einer Vorkriminalisierung und ermittele in alle Richtungen.

Bei dem Feuer in den fünf Wohnblöcken mit insgesamt 130 Containern für die Castor-Polizei ist gestern Morgen ein Schaden von rund drei Millionen Euro entstanden, teilt die Polizei mit. Zwar sind nicht alle Container ausgebrannt. Doch Tors-ten Oestmann geht davon aus, dass alle Container unbewohn- und unbenutzbar sind. Konkret: Im November beim nächsten Castor-Einsatz werden dort keine Polizisten übernachten. Oestmann: »Ich gehe davon aus, dass abgerissen wird». Bei dem Feuer ist auch zahlreiches Mobilar in Schutt und Asche gegangen: Betten, Tische, Stühle.

Die Polizei muss von Brandstiftung ausgehen, weil das Feuer in fünf getrennt stehenden Wohnkomplexen ausbrach. Zudem haben die ersten Ermittlungen ergeben, dass die Brandstifter wahrscheinlich zuvor einen Maschendrahtzaun in einer Länge von zwei Metern durchtrennt hatten, um auf das Gelände zu gelangen. Die Ermittlungen der Polizei dauern an. Woltersdorf bot Platz für rund 1000 Castor-Polizisten. 600 Plätze davon sind jetzt zerstört. Da das Land für die zerstörten Plätze Ersatzcontainer ordern muss, fällt eine weitere Million Euro an Kosten an. An den Löscharbeiten haben sich knapp 200 Feuerwehrleute von 13 Wehren beteiligt. Die aus Salzwedel war mit ihrem Drehleiterwagen angerückt; die restlichen Wehren kamen aus dem Samtgemeindebereich Lüchow. Ein Feuerwehrmann hat sich bei dem Einsatz leicht verletzt; er erlitt eine Rauchvergiftung.

Als die Feuerwehr kurz nach ihrer Alarmierung gegen 7 Uhr eintraf, standen alle fünf Blöcke gleichmäßig im Feuer, schildert Lüchows Ortsbrandmeister Hans-Jürgen Meier. Die Feuer sind also fast gleichzeitig entstanden. Sofort stießen die Rettungskräfte unter Atemschutz ins Innere der Gebäude vor, um dort gegen die Flammen vorzugehen. Die Feuerwehr bekämpfte den Brand aber auch von oben über die Drehleitern. Von Brandbeschleunigern weiß Meier nichts. Eine Tür sei jedoch von innen mit Holzknüppeln versperrt gewesen. Und: Der Feuerlöschteich sei mit Kieselsteinen manipuliert gewesen.

Innerhalb einer Stunde waren die Feuer in drei Blöcken gelöscht, teilt Meier mit. Bei den letzten beiden Blöcken habe dies noch bis 11 Uhr gedauert. Wann das Feuer ausgebrochen ist? Um 3 Uhr morgens habe der Hausmeister eine letzte Nacht-runde um den Komplex gedreht; gegen 6.55 Uhr sei das Feuer dann entdeckt worden. Irgendwann dazwischen müssen die Feuerteufel zugeschlagen haben.

Sollte es sich bei den Tätern um Castor-Gegner handeln, dann hätte dieser Anschlag »eine neue Qualität», heißt es aus dem Niedersächsischen Innenministerium (NMI). Das wäre dann nämlich im Castor-Konflikt der erste Brandanschlag auf eine Polizeianlage, sagt NMI-Sprecher Michael Knaps.

Tatsächlich hatte es im Vorfeld von Castor-Transporten immer wieder mal Anschläge gegeben. So hatten unbekannte Täter im Oktober 2001 mit einem brennenden Wagen die Castor-Eisenbahnbrücke bei Seerau/Hitzacker in Brand gesetzt. Das NMI betont, dass es in jüngster Zeit keinerlei Hinweise gegeben habe, dass sich der Castor-Konflikt verschärfen könnte. Die festen Container-Unterkünfte in Woltersdorf sind 2002 entstanden. 130 einzelne Wohncontainer sind dort zu fünf Wohnblöcken zusammengefasst worden. Das ergab eine Unterkunft für rund 600 Castor-Einsatzkräfte. 400 fanden in anderen Gebäuden Platz. Die Polizei erhoffte sich von dieser festen Einrichtung auf dem ehemaligen Gelände der ÜFEst bei Woltersdorf langfristig geringere Kosten, als wenn man jedes Mal die Container eigens für den Castor-Transport auf- und danach wieder abgebaut hätte. Das Areal in Woltersdorf ist in Privatbesitz und wird vom Land Niedersachsen für die Castor-Einsätze angemietet.

Bearbeitet am: 29.09.2005/ad


zurück zur Homepage