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vom 23.11.2005
Von Michael Kirner
| Gorleben. Die gute Nachricht ereilte die müden
Polizeibeamten schon auf dem Heimweg: Kaum hatten sie am frühen Morgen den neunten,
Castor-Transport mit Atommüll sicher ins Zwischenlager Gorleben gebracht, da verkündete
Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) für 2006 seinen Wunsch nach einer
Castor-Pause. Wenn der Bund und die französischen Partner mitspielen, soll im WM-Jahr
kein Atommüll nach Gorleben rollen. Was die Atomkraftgegner nicht erreichen, könnte
König Fußball schaffen. Die Weltmeisterschaft ist eine ganz hohe Belastung für die Polizei", erläuterte Schünemann. Wenn wir wenige Wochen später wieder einen Castor-Transport zu bewältigen haben, dann bedeutet das, dass wir an die Grenzen unserer Kapazität kommen können - nicht nur in Niedersachsen, sondern bundesweit." Bei den Atomkraftgegnern, die sich wenige Stunden zuvor noch dem neunten Castor-Transport entgegen gestellt hatten, stieß diese Argumentation auf wenig Resonanz. Die Begründung mit der WM finde ich etwas dünn", meinte der Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, Francis Alt hoff. "Da will ich schonpolitisch ein bisschen mehr hören." Der neunte Castor-Transport glich in vielem seinem Vorgänger: Am Ende ging alles ganz schnell. In nur rund 75 Minuten fuhren die zwölf Atommüllbehälter vom Verladebahnhof Dannenberg ins Zwischenlager Gorleben. Bevor es dazu kommen konnte, hatte die Polizei allerdings ein großes technisches Problem ' zu lösen: In Grippel stand ein Traktor quer auf der Straße. An ihm und an einem daran befestigten Betonblock hatten sich elf Demonstranten so festgekettet, dass die Polizei das Gefährt nicht einfach wegfahren konnte. Sonst wären die Landwirte unweigerlich schwer verletzt worden. Nicht schlecht gemacht", entfuhr es sogar einem Polizisten. Doch die Polizei war gewarnt und vorbereitet. Schließlich hatte es eine ähnliche Aktion schon im vergangenen Jahr gegeben. Zunächst wurde jedes einzelne Rad angehoben. Schließlich schoben die Beamten in einer stundenlangen Prozedur eine Art Schlitten auf Rollen unter den Traktor, auf dem sie ihn dann Zentimeter für Zentimeter in eine Hofeinfahrt beförderten. Zehn Stunden lang hielten die angeketteten Atomkraftgegner aus. Wärmefolien, Decken und Schlaf säcke schützten sie kaum gegen die klirrende Kälte. Für uns steht die Sicherheit dieser Menschen an erster Stelle", beruhigte Polizeisprecherin Kirsten Lühmann besorgte Zuschauer. Erst dann kommt die Räumung. Wir haben Zeit." Gesamteinsatzleiter Friedrich Niehörster stellte nach dem Transport allerdings für die Zukunft fest: Wir werden nicht hinnehmen dass wir bei einem weiteren Transport eine noch größere Anzahl von Traktoren mit Ankettungen bekommen. Wir werden klar machen, dass das nicht die Entwicklung von morgen sein darf. Denn das sind Straftaten." Mit ganz ungewohnten Straftaten in den eigenen Reihen muss sich Niehörster nach diesem Castor-Transport allerdings auch befassen: Ein Konfliktmanager dir Polizei und ein Berliner Beamter lieferten sich am Rande der nächtlichen Blo- katte in Grippel eine handfeste Schlägerei. Wir haben das auch gehört", räumte Niehörster ein. Das wäre eine Besonderheit, - da gebe ich Ihnen Recht - eine von uns nicht gewünschte Besonderheit." |
Bearbeitet am: 23.11.2005/ad