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vom 07.11.2005 

Deckgebirge muss Salzstock schützen

Mehrbarrierensystem gilt weiter - Studien zu Endlagerfragen veröffentlicht

fk Lüchow. Ein Endlager für hochradioaktive Abfälle soll die gefährlichen Teilchen des Atommülls für eine lange Zeit von der Erdoberfläche abhalten. So ungefähr eine Million Jahre, darüber besteht seit den Anfängen der Planungen für ein atomares Endlager in Deutschland Einigkeit unter den Fachleuten.

Je nach Definition wurden mal drei, mal vier Barrieren genannt, die dafür sorgen sollten, dass Nuklide nicht aus den Tiefen eines Endlagers an die lebensnotwendigen Erdschichten geraten. Im Sommer jedoch sorgte eine Brief des Bundesumweltministeriums (BMU) an die Grüne Liste Wendland (GLW) im Atomausschuss des Landkreises für Unruhe. Sollte das Mehrbarrierensystem plötzlich nicht mehr gelten? Würde man sich künftig mit einer einzigen Barriere zufrieden geben? Die EJZ las diese Möglichkeit aus dem Antwortbrief des BMU heraus. Für Udo Jentzsch, Vorsitzender des Ausschusses, war es schon keine Frage mehr: das BMU habe sich vom Mehrbarriensystem verabschiedet. Als weiteres Indiz für diese Vermutung galt der Umstand, dass Gutachten und Studien zu Endlagerfragen bis dahin nicht öffentlich waren.

Das hat sich geändert. Die Studien sind auf der Internetseite des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) (als pdf.gif (224 Byte)pdf-Datei) zu lesen. Auch diejenige über das Mehrbarrierensystem. Danach ist sicher: welche Haltung sich aus dem Brief des BMU an die GLW herauslesen lässt, die Studie jedenfalls hält am Mehrbarrierensystem fest. In Auftrag gegeben hat diese und andere Gutachten das Bundesamt für Strahlenschutz. Es folgte damit dem Auftrag des BMU aus der Ausstiegsvereinbarung mit der Industrie. Danach sollten während eines Moratoriums in Gorleben »konzeptionelle und sicherheitstechnische» Fragen geklärt werden. Die dazu im Internet veröffentlichten Studien beschäftigen sich unter anderem mit Indikatoren für die Langzeitsicherheit von Endlagern, mit Modellrechnungen, Gasbildungsmechanismen oder der Rückholbarkeit von atomaren Abfallstoffen. Die Studie zum Mehrbarrierensystem wurde von einer schwedischen Gutachtergruppe erstellt. Detlef Appel und Jürgen Kreusch, zwei deutsche Wissenschaftler, auf die sich die »Gorleben»-Kritiker seit Jahrzehnten beziehen, leisteten Zuarbeit. Das Ziel war es, die Wirkung einzelner Barrieren im Mehrbarriensystem zu ermitteln und die Zeiträume, in denen die einzelnen Barrieren jeweils wirksam sind. Die technische Barriere, also der Behälter selbst, ist nach den Ergebnissen dieser Untersuchung nur ganz kurz wirksam. Die wichtigste Schutzfunktion übernimmt das Einlagerungsgestein, zum Beispiel Steinsalz. Untersucht wurden auch Ton, kristalline und andere Gesteine. Damit das Steinsalz sicher über einen langen Zeitraum seine Schutzfunktion einhalten kann, muss es selbst geschützt werden.

Etwa vor Wasserzutritten, schreiben die Gutachter. Dazu ist eine weitere Barriere notwendig, ein Deckgebirge, dass den Salzstock von Wasser führenden Schichten abschließt. Im Falle Gorleben, das hatte das BMU in dem Brief an die GLW bereits festgestellt, weist das Deckgebirge »in der Tat eine geringe Barrierewirkung aus». Andererseits hatte das BMU geschrieben, die großen Teile »ungestörter Salzpartien» könnten die geforderte Barrierefunktion übernehmen. Das ist allerdings nach den Ergebnissen der Studie ausgeschlossen. Geologische und technische Systeme müssten als integriertes Sicherheitsystem bewertet werden, stellen die Wissenschaftler fest. Für den notwendigen Schutz lediglich eine der Barrieren in Anspruch zu nehmen, sei kein anwendbares Konzept. Es bleibt also beim Mehrbarrierensystem. Das hatte zuvor auch schon Bundesumweltminister Jürgen Trittin erklärt.

Bearbeitet am: 07.11.2005/ad


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