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vom 15.09.2004 

Kunst erobert Gorleben

HA Schult stellt "Trash-People"' im Salzstollen aus

Von Peter Mlodoch

Gorleben. Der Kölner Aktionskünstler HA Schult baut im Salzstock Gorleben mit dem Segen des Bundesumweltministeriums eine Installation von 200 Schrott-Skulpturen auf. Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) reagiert mit Kopfschütteln.

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Der Kölner Aktionskünster will seine schrottigen "Trash-People" in Gorleben installieren Foto: Rhein Zeitung

Sie standen auf dem Roten Platz in Moskau, vor den Pyramiden von Gizeh und auf der Chinesischen Mauer. jetzt will der international bekannte Künstler HA Schult seine berühmten "Trash People" (MüllLeute) in den Salzstollen von Gorleben verfrachten. 200 lebensgroße Skulpturen aus Schrott und Blechdosen sollen im Erkundungsbergwerk in 880 Meter Tiefe zu einer Installation aufgebaut werden - dort, wo nach dem Willen der Atomindustrie irgendwann einmal hochradioaktiver Müll endgelagert werden soll.

Die Aktion unter Tage, die vom 24. September bis zum 2. Oktober stattfinden soll, ist Teil des Zyklus "Stille Tage in Gorleben". 800 weitere Skulpturen will Schult in einer Allee in der Nähe aufbauen. Die symbolische Verbindung in die Unterwelt stellt dann eine an die Mauer des Bergwerks gelehnte Treppe dar. "Gorleben ist ein exorbitanter Platz für unsere Kunst" sagte Schults Partnerin Elke Koska unserer Zeitung. Seit einem Jahr plane man die Aktion; Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) habe sich sehr für das Projekt engagiert, lobte die Muse.

Die Genehmigung erteilte das dem Bundesumweltministerium unterstellte Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Das Kunstwerk ermögliche einen anderen Blickwinkel auf die Endlager-Frage, erklärte ein BfS-Sprecher. Die "Trash People", die an vielen Orten der Welt gestanden hätten, symbolisierten das ungelöste Problem, wie die Gesellschaft mit ihr n Ressourcen und ihrem Müll umgehe. Trittin und BfS-Präsident Wolfram König gelten als Gegner eines Atommüll-Endlagers in Gorleben. Entsprechend irritiert zeigte sich Niedersachsens Umweltminister. "Herr Trittin spielt den Event-Manager in Gorleben, schiebt aber die notwendigen Entscheidungen zur einer sicheren Endlagerung der radioaktiven Abfälle vor sich her", kritisierte Sander. "Das ist zynisch und verantwortungslos."

Die industrienahe Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagem (DBE), die den Salzstock im Auftrag des BfS betreibt, machte dagegen gute Miene zum künstlerischen Spiel. "Wenn das BfS etwas wünscht, führen wir das durch", erklärte ein Sprecher; man biete für die Aktion lediglich das Podium.

Dabei sind die Vorbereitungen beträchtlich. Auf zwei Seiten listet die DBE in einem Schreiben an das Landesbergamt, das unserer Zeitung vorliegt, die für die Installation erforderlichen Maßnahmen und Sicherheitsvorkehrungen auf - von "Feuerlöschern in größerer Stückzahl", einem "Branddammkissen frischwetterseitig" bis hin zu einer "Paniksperre in der Bunkeraustragsstrecke". Die Zahl der Besucher, die an den Aktionstagen mit dem Künstler per Aufzug in die Tiefe fahren können, ist auf 50 bis 60 beschränkt. Wie alle Gäste müssen die Kunstfreunde einen Overall und einen Helm mit Grubenlicht tragen. Vor der Grubenfahrt Würden sie genau überprüft, sagte der DBE-Sprecher; eine illegale Besetzung des Stollens wie vor einem Jahr sei daher ausgeschlossen.

Bearbeitet am: 15.09.2004/ad


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