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vom 15.11.2004
Von Peter Mlodoch
| Melle. Keine Vorfestlegung auf Gorleben als
AtommüllEndlager, keine neuen Atomkraftwerke, auch keine Verlängerung der Restlaufzeiten
bestehender Meiler: Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hat Forderungen aus
Industrie, CDU und FDP nach einer Umkehr in der Atomenergie eine klare Abfuhr erteilt.
"Wir wollen, dass mindestens drei Standorte zunächst überirdisch verglichen
werden", sagte Trittin auf dem Landesparteitag der niedersächsischen Grünen in
Melle. Mindestens zwei dieser Standorte müssten dann unterirdisch auf ihre Eignung
untersucht werden. Das Auswahlverfahren werde gesetzlich geregelt. "Der Bundestag muss entscheiden, wie mit der Erblast des radioaktiven Mülls umgegangen wird", meinte der Minister. Inzwischen seien in Gorleben 1,4 Milliarden Euro verbuddelt worden. "Was da gemacht worden ist, ging über Erkundung hinaus". Der Salzstock in Gorleben sei atomrechtlich nicht genehmigt und deshalb "nichts anderes als ein Schwarzbau". Die Entscheidung für das Wendland sei in den 70er-Jahren rein taktisch - wegen der Nähe zur damaligen DDRGrenze - getroffen Worden. Trittin gab zu, dass sein Weg einer neuen Standortsuche auch bei den Grünen umstritten ist. "Ich weiß, dass das Auswahlverfahren bei unseren Freunden in Bayern und Baden-Württemberg nicht nur Freude auslöst." Der Parteitag forderte den Rücktritt des niedersächsischen Umweltministers Hans-Heinrich Sander (FDP). Dieser wolle Niedersachsen mit Gorleben und Schacht Konrad zum "Atomklo der Republik" machen. "Sander ignoriert nicht nur die Umwelt, er bekämpft sie." Der Minister mache nur Politik für Landwirte und Jäger. "jeder Transport, der nach Gorleben gegangen ist, ist auch ein Stück Vorfestlegung gewesen", sagte Trittin. Der jüngste Castor-Transport aus Frankreich ins Atommüll-Zwischenlager Gorleben war in der ver gangenen Woche von einem tödlichen Unfall in Frankreich überschattet worden. Der überrollte Kernkraftgegner war zum Unglückszeitpunkt nicht mehr an den Gleisen angekettet. Einen entsprechenden Bericht des Magazins "Der Spiegel" unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft bestätigten die französische Anti-Atom-Vereinigung "Sortir du nucIèaire". Der 21jährige Sébastien Briat hatte sich zusammen mit Freunden vor einer Woche bei Avricourt in Lothringen an die Bahnstrecke gekettet, um den Transport nach Gorleben in Niedersachsen aufzuhalten. Wie der "Spiegel" berichtete" hatten sich die jugendlichen beim Herannahen des schnell fahrenden Castorzuges aus ihren Ketten lösen können. Briat sei jedoch vom Luftwirbel des Zugs erfasst und auf das Gleis geschleudert worden. Sie seien von der "Schnelligkeit der Ereignisse' überrascht" worden, hieß es in dem von "Liberation" veröffentlichten Kommunique der Atomkraftgegner. |
Bearbeitet am: 15.11.2004/ad