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vom 13.11.2004
So gesehen
Nix da neue FormenVon Jens Feuerriegel Die Anti-Atom-Bewegung ist verunsichert. Der Tod des französischen Castor-Gegners, die Gleise unter sich, der CastorZug über ihm, war ein Schocker. Viel war die Rede von einer Zäsur in der Protestbewegung, von möglicherweise neuen Formen des Widerstandes, von Risiken, die jetzt neu bewertet werden müssten, von einem Innehalten. Doch was will man eigentlich neu bewerten an einem Risiko, das jemand auf sich nimmt, wenn er sich vor einen anrollenden Zug legt? Und wie groß war der Schock wirklich, wenn sich nach Polizeiangaben nur einen Tag nach dem Vorfall erneut drei Ca5tor-Gegner bei Bad Bevensen an die Gleise ketten wollten? Und wird es tatsächlich eine Zäsur in der Protestbewegung geben? Gab es wirklich ein Innehalten? Im Kern lief es doch in der Nacht zum Dienstag beim Straßentransport so ab wie ein Jahr zuvor: Rund 1500 Menschen bei Sitzblockaden. Und trotz Trauer sogar eine spektakuläre Aktion in Quickborn, als sich fünf Demonstranten in einem Betonklotz an einem Traktor befestigten. Es waren Protestformen, die wir schon kannten: der verzweifelte und vergebliche Versuch der Castor-Gegner, das zu stoppen, was sich allenfalls verzögern lässt. Und so wird das Castor-Ritual in gewohnter Form auch im nächsten Jahr fortgesetzt. Nix da neue Protestformen. Eine solche wäre diesmal vielleicht gewesen, wenn zahlreiche Castor-Gegner beim Straßentransport schweigend mit schwarzen Fahren am Straßenrand gestanden hätten. Damit hätte man die überregionalen Medien für das Thema Gorleben vielleicht sensibilisieren können. Doch eine weitere Sitzblockade und ein paar Landwirte im Beton - wie langweilig. Und dennoch sind selbst diese Langweiler äußerst effektiv. Denn die Polizei wird immer wieder eine Armada an Kräften aufbieten müssen, um CastorTransporte zu begleiten. Bis mindestens 2011. Alle wissen: Der Konflikt lässt sich nur politisch lockern. Sechs Jahre ist Rot-Grün
in Berlin am Ruder - aber immer noch ist gesetzlich kein neues Suchverfahren für einen
AtommüllendlagerStandort angeschoben. |
Bearbeitet am: 13.11.2004/ad