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vom 10.11.2004
| dm Groß Gusborn. Strohfetzen fliegen durch die Luft.
Demonstranten brüllen: »Haut ab! Haut ab!» Dutzende Bundesgrenzschutzbeamte aus
Magdeburg und die Atomkraftgegner rangeln heftig um den Platz auf der Straße in Groß
Gusborn.
Die behelmten Uniformierten drücken die Sitzblockierer rüde zu Seite, damit in der Nacht vor dem Straßentransport der Cas-toren nach Gorleben der nächs-te Traktor durch die gut 1000 Demonstranten aus der Blockade der südlichen Route herausgefahren werden kann. Immer wieder applaudieren die Atomkraftgegner, wenn ihnen über Lautsprecher von Sitzblockaden anderer Protestierer in Langendorf oder Laase berichtet wird. Besonders groß ist der Jubel, als sie hören, dass in Quickborn die Straße von Landwirten blockiert wird, die sich an einem Betonblock befestigt haben. Erst gegen 5 Uhr am Dienstagmorgen ist die Straße wieder frei von Demonstranten. Der letzte Traktor wird danach mühselig und vorsichtig mit einer Winde und Muskelkraft von der Straße in Groß Gusborn bugsiert, über die ein paar Stunden später die zwölf Castoren ins Zwischenlager nach Gorleben rollen. Die Atmosphäre entspannt sich während der 16-stündigen Protestaktion immer wieder recht schnell, nicht zuletzt weil Jochen Stay von »X-tausendmal-quer» ständig an Demonstranten und Polizisten appelliert, friedlich und besonnen zu bleiben. Bis zu mehrere hundert Castor-Gegner sitzen zeitweise auf der Fahrbahn und den anfangs fast 20 Traktoren, noch mehr stehen am Straßenrand. Auch die vielen BGS-Einsatzkräfte, die die Straßenblockade schon am späten Nachmittag abriegelten, sind relativ entspannt. Einige Demonstranten berichten später von Faustschlägen, schmerzhaften Griffen und dem Einsatz von Reizgas. Zwei 10- und 14-jährige Jungen sollen abseits der Blockade von Beamten mit Schlagstöcken angegangen worden sein, schildert Jochen Stay. Mehrere Atomkraftgegner, die auf den Kabinendächern der Trecker sitzen, werden von den Polizisten allerdings behutsam heruntergeholt. Nicht alle Demonstranten können trotz der Appelle von Stay und Hauke Nissen von »X-tausendmal-quer» ihre Wut über den Polizeieinsatz beherrschen. Einige der Beamten werden von ihnen übel beschimpft und beleidigt. Im Laufe der Nacht fahren die Einsatzkräfte nach und nach alle Traktoren bis auf einen aus der Blockade. Von den bis zu 1000 Demonstranten, die sich nach Einbruch der Dunkelheit in Groß Gusborn versammelten, verlassen bis zum frühen Morgen die meisten Groß Gusborn wieder. Als die ein gutes Dutzend Mal angekündigte Räumung der laut Allgemeinverfügung der Bezirksregierung Lüneburg verbotenen Blockade beginnt, sind auf der Straße noch rund 200 Protestierer eingekreist. Schon um 16 Uhr hatte die Polizei die Versammlung offiziell für beendet erklärt. Ein Großteil der zurückgebliebenen Blockierer nimmt um kurz vor 5 Uhr das Angebot der Einsatzkräfte wahr, den Kessel freiwillig zu verlassen. Alle anderen werden vom BGS in Gewahrsam genommen und in einen abgesperrten Bereich abseits der Straße und von dort teilweise in die Gefangenen-Sammelstelle nach Lüchow gebracht. Einige von ihnen beklagen später, dass sie überhaupt keine Chance gehabt hätten, die Umzingelung auf der Straße freiwillig zu verlassen.
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Bearbeitet am: 10.11.2004/ad