![]()
vom 20.12.2004
| gel Lüchow. Der Mann mit der dicken
Zigarre kam vom Energieriesen RWE. In einer Schatulle bot er den vor ihm auf Kloschüsseln
hockenden Gerhard Schröder und Joschka Fischer einige Geldscheine an - was die beiden
Politiker sichtlich erfreut registrierten.
Nun - der Kanzler, sein Vize und ein RWE-Manager waren am Sonnabend nicht wirklich auf dem Lüchower Marktplatz erschienen. Denn hinter den Verkleidungen verbargen sich hiesige Atomkraftgegner. Und mit ihrer Satire spielten sie auf zwei Vorfälle an, die derzeit für Aufregung sorgen: die Geldzuwendungen vom Energieriesen RWE an Politiker und das aufgeschobene Gesetz für eine alternative Suche nach einem Atommüll-Endlager. Der Kanzler und sein Vize, so die Symbolik, sitzen das Problem sozusagen auf dem Atomklo Gorleben aus. »Restlos verschaukelt» und »belogen und betrogen» fühlen sich die Gorleben-Gegner, sagte Marianne Fritzen bei der Protestversammlung. Die Begründung, warum das für Ende dieses Jahres angekündigte Endlager-Suchgesetz erst einmal wieder in der Schublade verschwand, grenze an Schizophrenie, so Fritzen. Denn wenn tatsächlich mögliche Auswirkungen auf die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Mai 2005 die Gesetzesnovelle gestoppt haben, »dann wird es nie zu dieser Gesetzesnovelle kommen», sagte Fritzen. Denn ständig werde in dieser Republik gewählt, 2006 zum Beispiel der Bundestag. Die Gorleben-Gegner befürchten nun, dass das Gesetz endgültig in der Schublade verschwindet. »Der lange Weg der Endlager-Suche war und ist gepflastert mit Lügen», sagte Marianne Fritzen. Sie erinnerte an die rein politische Auswahl des Standortes Gorleben und wie sich die Atomkraftgegner von der CDU-Regierung »verraten, verkauft und verschaukelt» fühlten. Dann habe man Grün gewählt; doch »es ist auch ihnen gelungen, und das Blaue vom Himmel vorzugaukeln mit allerlei Versprechungen und Hinhaltetaktiken», kritisierte Fritzen. Sie erinnerte an mehrere Gutachten, die sich gegen Gorleben als Atommüll-Endlager aussprechen. Der Gorleben-Widerstand meint, dass der grüne Bundesumweltminister Trittin in dieser Frage gegenüber Wirtschaftsminister Clement (SPD) eingeknickt sei. »Ob es überhaupt noch zu alternativen Standort-Untersuchungen kommt und damit eine neue gesamtgesellschaftliche Diskussion um die Gefahren der Atomenergienutzung beginnt, wird immer unwahrscheinlicher».
|
Bearbeitet am: 20.12.2004/ad