ejzmini.gif (1299 Byte)
vom 10.09.2002 

Castoren: »Sicherheit en miniature»

Info-Veranstaltung in Dannenberg - Timpert: Nur »massakrierte Stoßdämpfer»

gel Dannenberg. Das Thema Castor-Sicherheit - es bleibt ein Ärgernis für die Öffentlichkeit. Hartnäckig halten Atomkraftgegner und einige Fachleute ihre Kritik aufrecht, dass Castoren in Deutschland gegen Recht und Gesetz transportiert würden.

Ebenso hartnäckig widerspricht das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Auch die Informationsveranstaltung der Bürger-initiative Umweltschutz (BI) vor rund 80 Zuhörern in Dannenberg hat in dieser Frage nichts wirklich Neues gebracht. Nach dem Aufsehen erregenden »plusminus»-Beitrag über angeblich fehlende Sicherheit von Castor-Behältern hat Friedhelm H. Timpert in Dannenberg seine bekannte Kernkritik vorgetragen. Timpert ist Geschäftsführer der Safety Technology Management GmbH in Hamburg. Er gilt als Fachmann auf dem Sektor Sicherheitstechnik für Behälter. Nach Timpert seien die Nachweis- und Zulassungsmodelle nicht identisch mit dem tatsächlich transportierten Castor: Dessen Stoßdämpfer, die für Timpert nur »Transportvorbauten» sind, seien am Kopf- und Fuß-ende nicht ausreichend und im Zwischenlager gar nicht mehr vorhanden. Um den Castor beispielsweise beim Verladen in Breese/Marsch zu hantieren, seien die »Transportvorbauten» im Bereich der Tragzapfen »seitlich abgeschnitten». Timperts Bewertung: Diese »massakrierten Stoßdämpfer» seien »Sicherheit en miniature» und »nicht gesetzeskonform». Die gefährdeten Stellen an den Tragzapfen lägen entgegen den zu Grunde liegenden Test-Castoren blank. Timpert: Die Sicherheit der Castoren sei eine »unverschämte Lüge». Für ihn wird mit den Transporten klar gegen Atomrecht verstoßen. Unterstützung erhielt Timpert von Professor Dr. Hermann C. Flessner von der Uni Hamburg, einem der zitierten Wissenschaftler im »plusminus»-Beitrag. Die dort aufgedeckten Rechenfehler in der Störfall-Betrachtung würden von inter- nationalen Kollegen mit einer »gewissen Süffisanz» beobachtet. Wie in Deutschland mit dem Thema Atomenergie umgegangen werde, werde kritisch gesehen. Es gehe um die Glaubwürdigkeit der deutschen Atomindustrie, so Flessner.

Derzeit laufen offenbar vier juristische Verfahren im Zusammenhang mit Castor-Transporten und dem Zwischenlager Gorleben, war in Dannenberg zu hören. Die weitestgehende Kla-ge will eine Stilllegung des Lagers: wegen eines fehlenden Sicherheitsnachweises. Greenpeace-Anwalt Dr. Ulrich Wollenteit: Wenn Soll- und Ist-Zustand der Castoren voneinander abweichen, sei das rechtswidrig. Er verwies aber noch einmal auf das generelle Problem bei Gorleben-Auseinandersetzungen: Klagen könne nur, wer in seinen persönlichen Rechten betroffen sei. Strafanzeigen in Sachen Atomrecht bringen seiner Ansicht nach jedoch nichts: weil sich die Staatsanwaltschaften darum nicht kümmern wollten...

Dennoch will die BI mit weiterem Beweismaterial jetzt ihre Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Lüneburg unterfüttern. Die Straftat der ZwischenlagerBetreiberin GNS und der befördernden DB Cargo sei »auf dem Tablett nachzuweisen», meint Heinrich Messerschmidt. Die Transportgenehmigung gelte nur für Castoren mit umfangreichen Stoßdämpfern. Da der Cas-tor aber an den Tragzapfen »blank liegt», werde de facto ohne erforderliche Genehmigung transportiert. Messerschmidt: »Sie transportieren gegen Recht und Gesetz».

Bemerkenswerte Notiz am Rande: Beim BfS fand am vorigen Freitag eine erste Gesprächsrunde nach dem »plusminus»-Beitrag mit unter anderem den in der Sendung zitierten Wissenschaftlern und Fachleuten statt. Timpert und Flessner waren dazu nicht eingeladen. Nur Dr. Windelberg von der Uni Hannover war dabei...

Bild: Nicht ausreichend genug seien die Castoren im Fuß- und Kopfbereich mit Stoßdämpfern gesichert, kritisieren einige Fachleute. Friedhelm H. Timpert vermeidet gar das Wort Stoßdämpfer und spricht lieber von "Transportvorbauten". Die Diskussion um die Castor-Sicherheit köchelt weiter. Hier eine Aufnahme vom Umladen in der Castor-Verladestation in Breese/Marsch. Aufn.: BLG

Bearbeitet am: 10.09.2002/ad


zurück zur Homepage