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vom 15.11.2002
| gel Lüchow. Nein, an eine Entspannung im
Castor-Konflikt glaube er nicht. Castor-Polizeieinsatzleiter Hans Reime sitzt zwar nach
dem Transport des Zwölfer-Packs erleichtert hinter den Mikrofonen auf der
Bilanz-Pressekonferenz in der Lüchower Polizeiunterkunft.
Er sagt dann aber auch einen Satz wie diesen: »Es war der schwierigste Transport, den wir zu schützen hatten.» Zumindest für die Zeit, in der er als Einsatzchef verantwortlich war -die beiden Transporte von 2001 und nun die bisher größte Atommüll-Fracht in den vorigen Tagen nach Gorleben. Es seien die vielen kleinen »Nadelstiche» gewesen, die den Einsatzkräften zugesetzt hätten, meinte Reime gestern. Immer wieder seien Demonstranten auf die Transportstrecke gegangen, um zu blockieren. Zudem habe es diesmal einen deutlichen Kern an Gewalttätern gegeben, die am Mittwoch in Hitzacker Einsatzkräfte von BGS und Polizei angegriffen und 38 Autos beschädigt hätten. Es seien Reifen zerstochen und Scheiben eingeschlagen worden. Die »Qualität des Protestes» lasse es jedenfalls nicht zu, die Zahl der Einsatzkräfte zukünftig zurück-zufahren, meinte Reime. Dieser Castor-Einsatz sei »exakt nach dem gleichen Sys-tem» wie im Vorjahr gelaufen. Sogar der Ankunftstag hatte dasselbe Datum: der 14. November. »Moderat und geschmeidig» habe die Polizei auf die Protestformen reagiert, sagte der Polizeichef. Selbst als die Beamten mit Stroh beworfen wurden, seien sie bedächtig geblieben. »Das ging schon an die Grenze der Selbstaufgabe», meinte Reime. Er rechtfertigte auch, dass die Polizei mehreren Traktoren in Splietau die Luft aus den Reifen gelassen hatte: Es hätte ansonsten dort »erhebliche Probleme» geben können. »Wir haben den Transport beherrscht», sagte Joachim Franklin, der BGS-Einsatzleiter. Der Zug sei »nicht nachhaltig behindert» worden. Kein Verständnis zeigte Franklin für die 39 Atomkraftgegner, die in Lüneburg einen ICE zur Vollbremsung gezwungen haben. »Die können froh sein, dass sie noch leben», meinte Franklin in Richtung Castor-Gegner. Der BGS-Chef bestätigte, dass bei einem Zug-Zwischenstopp wegen eines defekten Bremsschlauchs bei Harlingen ein Castor-Gegner auf einen Castor-Waggon gesprungen war und dort eine Handbremse zog. Der Demonstrant sei in Gewahrsam genommen worden. Aus der BGS-Bilanz geht unter anderem auch hervor, dass eine Reiterstaffel bei Bavendorf ein Erddepot entdeckt habe, in dem Schraubenschlüssel gefunden worden seien. Über einen Vorfall gestern Morgen in Gedelitz, bei dem der Castor-Gegner Jochen Stay von gleich fünf BGS-Beamten misshandelt worden sein soll, lagen Franklin keine Informationen vor. Niedersachsens Innenminister Heiner Bartling (SPD) lobte die »bewährte und besonnene Art», in der der Castoren-Transport abgewickelt worden sei. Sein Eindruck: Die Castor-Proteste gingen immer mehr weg von Massen- und hin zu »Nadelstich-Demonstrationen». Die Polizei war seiner Ansicht nach vor allem damit beschäftigt, die Castor-Gegner »vor sich selbst zu schützen». Als »ungeheuerlich» bezeichnete Bartling den Vorfall in Lüneburg an der ICE-Strecke: »Leute, die sich da hinsetzen, sind nicht mehr ganz zurechnungsfähig», sagte der Innenminister. Mit phantasievollen Aktionen habe das nichts mehr zu tun. Bild: Sein letzter Castor-Transport: Polizei-Einsatzleiter Hans Reime (links) neben Niedersachsens Innenminister Heiner Bartling bei der gestrigen Bilanz-Pressekonferenz. Aufn.: J. Feuerriegel |
Bearbeitet am: 15.11.2002/ad