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vom 15.11.2002
| as Gorleben. Der sechste Castor-Atommülltransport auf
der Straße ins Zwischenlager (ZL) Gorleben - er war der schnellste. Von der Ausfahrt des
ersten Aufliegers um 6. 19 Uhr an der Umladestation bei Breese in der Marsch bis zur Einfahrt ins Tor des ZL benötigte der Konvoi unbehindert genau eine Stunde. Der Zug mit den zwölf Behältern war über einen Kilometer lang. Es dauerte drei bis vier Minuten, bis die Behälter auf den Lkw durch die Ortschaften rollte. Das Transportgeschehen wurde erstmals detailliert über den extra geschalteten Info-Kanal für die eingesetzten Beamtinnen und Beamten live übertragen, und zwar von der Zugspitze, aus dem Hubschrauber und mehreren Außenposten. Der EJZ liegt ein Protokoll der Übertragung vor. Während große BGS-Transportschubschrauber über Lü- chow hinwegfliegen, um zusätzlich Beamte an die Castor-Strecke zu bringen, heißt es um 5.45 Uhr aus dem Äther: Die Tore der Umladestation bei Breese in der Marsch werden geöffnet. Währenddessen haben Hundertschafts- und Zugführer viel zu tun, um ihre Einsatzkräfte in den zugewiesenen Bereichen zu postieren und die Poli-zeifahrzeuge von der Strecke zu bekommen, um den Transport nicht zu blockieren. Derweil befinden sich vor dem Zwischenlager in Gorleben nur eine Handvoll Demonstranten mit zwei Plakaten. Der Info-Kanal spielt einen alte Freddy-Titel mit der Passage »...und ein Zug, den keiner will...» Purer Zufall? Um 6.14 Uhr erfolgt dann die offizielle Startfreigabe. Und fünf Minuten später geht der erste Castor-Auflieger auf die Straße. Zwischen den Transport-Lkw befinden sich vier Dosimeter-Fahrzeuge, in denen die Strahlenbelastung während des Transports dokumentiert wird. Im Abstand von rund 50 m bis 70 m rollen die tonnenschweren Atommüllbehälter aus der Bahnstation und überqueren die B 191 Richtung Süden. Während der letzte Behälter-Lkw die Umladestation um 6.30 Uhr verlässt, biegt die Spitze des Zuges auf die L 256 nach links Richtung Splietau ein. Als der Konvoi bei »Alt-Bräsig» vor Splietau an den 43 »tiefergelegten» Traktoren vorbeirollt, kommt die Nachricht: »Besondere Obacht, einige Trecker bewegen sich auf die Transportstrecke zu.» Doch diese Warnung erweist sich offenbar als unbegründet. Um 6.37 Uhr biegt der letzte der zwölf Castor-Transporter auf die L256 ein. Heftiger geht es währenddessen in Klein Gusborn zu. Dort haben Ordnungshüter alle Hände voll zu tun, um rund 50 Demonstranten abzudrängen, die auf die L 256 gelangen wollen. Doch die Arme des Gesetzes sind stärker. Um 6.45 Uhr hat die Nachhut des Zuges das Ortsausgangsschild in Klein Gusborn unbeschadet passiert. »Wir kommen locker durch. Wir fahren mit der Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. Weit und breit keine Störer zu sehen, nur lächelnde Kollegen, die fotografieren. Die Helme hängen an den Gürteln», heißt es aus dem Führungsfahrzeug des Zuges. »So wollen wir das», wird im Funk kommentiert. Und ein anderer Beamter scherzt zur Geschwindigkeit: »Vorsichtig! Im Radio haben se gerade einen Blitzer durchgegeben.» »Als nächstes kommen wir nach Neu Saggrotan, also nach Grippel. Hoffentlich ist die Strecke dort schön sauber», wird geflachst. In der »Umschließung», wie das Festsetzen in Laase im Polizeideutsch genannt wird, sei alles ruhig, heißt es. Allerdings sollen mehrere Motorradfahrer versucht haben, eine Polizeikette zu durchbrechen. Um 6.52 Uhr hat der Transportzug Groß Gusborn hinter sich gelassen. Im langen Waldstück sei der Streckenschutz »sehr dünn»; aber: »Wir haben keine Angst», betont eine Sprecherin. Die »Marschkolonne» rollt zügig. Um 7 Uhr wird Grippel erreicht. Mit lautem Pfeifkonzert und Buh-Rufen wird der Zug in Laase empfangen. Störungen? Nicht der Rede wert. Mit bis zu 40 km/h »rauschen» die Atommüll-Lkw an den eingeschlossenen Demonstranten in Laase vorbei. Vom »Protestpotenzial» wird der Konvoi auch um 7.10 Uhr in Gorleben mit Pfiffen und Geschrei empfangen. Ein Beamter im Hubschrauber schwärmt: »Das sieht gigantisch aus». Während die Zugspitze um 7.15 Uhr Gorleben über die Lüchower Straße bereits wieder verlässt, rollt die Nachhut gerade in den Ort hinein. Um 7.19 Uhr - also exakt eine Stunde nach dem Start - biegt der erste Lkw mit seiner strahlenden Fracht ins Zwischenlager ein. Nur kleinere Gruppen von Castor-Gegnern haben es bis zur Einfahrt zum ZL geschafft, um zu protestieren. Genau um 7.25 Uhr rollt der zwölfte Tieflader durch das ZL-Tor. »Das Ding ist geschaukelt», dringt spürbare Erleichterung durch den Äther. Dann die unmittelbare Live-Schaltung zum Gesamteinsatzleiter Hans Reime nach Lüneburg, der sich bei allen Einsatzkräften bedankt: »Es ist wunderbar gelaufen. Alle haben einen guten Job gemacht. Ich bedankte mich für den Langmut. Seit gestern haben wir ein anderes Konzept gefahren.» Bis alle Kräfte gegen 7.40 Uhr aus dem Einsatz entlassen werden, hört man noch Geblödel auf der Info-Welle. Der Druck ist weg. |
Bearbeitet am: 15.11.2002/ad