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vom 11.11.2002 

Endlager: Aus der Nähe betrachtet Zweifel

Greenpeace-Hearing zur internationalen Suche

fk Dannenberg. Atomares Endlager der USA in Yucca-Mountain (Nevada) genehmigt. Frankreich betreibt Endlager-Entscheidung.

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Bild: Internationales Endlager-Hearing von Greenpeace am vorigen Wochenende in Dannenberg: unter anderem mit (von links) Moderatorin Kerstin Eitner, Michel Marie aus Frankreich und Jenny Lundström aus Schweden. Aufn.: K.-F. Kassel

Schweden und Finnland haben bereits Endlager. Das russische Parlament befürwortet Import von ausländischen Nuklearabfällen zur Endlagerung in Sibirien. Von Pro- testen oder Zweifeln ist bei solchen Tagesmeldungen wenig zu hören. Doch aus der Nähe sieht es anders aus. Greenpeace hatte am Wochenende Vertreter aus verschiedenen Ländern nach Dannenberg eingeladen. Da erst erfährt der Interessierte, dass ein Endlager in Nevada längst nicht sicher ist. Weder geologisch noch sozial oder juristisch. Der Staat Nevada ist dagegen. Ein großer Teil der Bevölkerung ebenfalls. Judy Treichel von der Nevada Nuclear Waste Task Force wies in Dannenberg auf ihr T-Shirt mit dem Wappen von Nevada. Sie hoffe nicht, dass ein Kampf wie in Gorleben nötig werde. Doch der Wappenspruch ihres Landes ist: »Battle Born». Michel Marie aus Bure, dem Ort in der Lorraine (Ostfrankreich), an dem die französische Regierung ihren inzwischen sechsten Anlauf zur Erstellung eine nuklearen Endlagers nimmt, rief zu europäischem Vorgehen auf. Nicht bei der Suche nach einem Endlager, sondern bei der Abwehr eines solchen. Frankreich muss sich laut Gesetz bis 2006 entscheiden, ob es unterirdisch lagern wolle. Doch von hochradioaktiven Abfällen reden die Verantwortlichen nicht. Sie sprechen von einem »unterirdischen wissenschaftlichen Labor». In Skandinavien gehen die Uhren oft anders. Die Vorgehensweise bei der Suche nach einem Endlager in skandinavischen Ländern war Vorbild für den Arbeitskreis Endlagersuche. Denn in Schweden und Finnland wurde die Bevölkerung früh einbezogen. Regionen erhielten ein Veto-Recht. Doch die Methode hat eine Rückseite: Vorrang bei der Standort-Benennung hatte die Akzeptanz, nicht die geologische Sicherheit, meinten Jenny Lundström (Schweden) und Matti Kojo (Finnland). Die kleine finnische Gemeinde Eurajoki war jedenfalls erst dann von der Sicherheit der Lagerung überzeugt, als sie sieben Millionen Euro erhalten hatte. Australien produziert keinen Atommüll aus AKWs. Denn die gibt es dort nicht. Dafür gibt es viel strahlende Abfälle bei der Urangewinnung. Für hochstrahlenden Müll brachte sich Australien als möglicher internationaler Standort ins Gespräch. Doch diese Pläne waren bisher »politisch nicht durchsetzbar», meinte Bruce Thompson von »Friends of the Earth». Völlig einzigartig ist die Situation in Russland. Wenn die Welt der Meinung sei, man könne seinem Land Atommüll anvertrauen, dann bitte sehr, meinte Vladimir Tschuprow von Greenpeace- Russland ironisch. Die Verhältnisse seien immerhin so demokratisch, dass einfach 600 000 Unterschriften auf Lis-ten für einen Volksentscheid für ungültig erklärt wurden. Schon am Ufer des Karatschai-Sees könne man eine lebensbedrohliche Strahlendosis abbekommen. Der atomare Komplex sei in Russland ein Staat im Staate. Ein Minister entscheide darüber, ob das Land eine internationale Atommülldeponie werde. Die Entscheidung dafür sei längst gefallen. Nur das Zögern der US-Regierung wegen der russischen Lieferung von AKWs an den Iran und die Haltung der deutschen Regierung, die den Export ablehne, bedeute derzeit noch ein Hindernis. Greenpeace-Sprecher Mathias Edler wies auf die Absicht der deutschen Atomindustrie hin, künftig MOX-Brennelemente aus Russland nur noch zu leasen. Deren Rücktransport nach Russland wäre dann kein Export von deutschem Atommüll mehr, weil er bereits im russischen Eigentum wäre. Viele Ähnlichkeiten beim staatlichen Vorgehen stellte Edler bei den verschiedenen Standorten fest. Einige von deren Vertretern werden in den nächsten Tagen die wendländische Szenerie miterleben.

 

Bearbeitet am: 11.11.2002/ad


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