vom 10.11.2001

Heiße Fracht - frostige Zeiten

Die nächsten Castoren für Gorleben rollen ab Montag

gel Gorleben. Warm anziehen müssen sich Polizei und Atomkraftgegner für die heiße Phase des Castor-Transportes: Wenn ab dem kommenden Montag der nächste Sixpack mit hochradioaktivem Atommüll ins Gorlebener Zwischenlager gebracht wird, drohen Temperaturen um den Gefrierpunkt. Dennoch werden Tausende von Atomkraftgegnern erneut gegen die heiße Fracht protestieren, bis zu 18000 Polizisten werden den Atom-Transport begleiten.

Absehbar ist, dass der Castor-Widerstand seinen Protest mit Sitzblockaden auf die letzte Straßenetappe zwischen Dannenberg und Gorleben konzentrieren wird. Die Polizei ist darauf vorbereitet. Die EJZ skizziert ein wahrscheinliches Szenario für die nächsten Tage.

Am heutigen Sonnabend treffen sich die Castor-Gegner zu einer großen Auftakt-Kundgebung in Lüneburg. Über 10000 Atomkraftgegner werden erwartet; Treffpunkt: 10 Uhr auf den Sülzwiesen. Zwischen 12.30 und 15 Uhr findet eine Kundgebung auf dem »Liebesgrund» in der Nähe der Bezirksregierung statt. Danach werden zahlreiche auswärtige Atomkraftgegner nach Lüchow-Dannenberg strömen.

Am morgigen Sonntag soll ab 11 Uhr eine große Anti-Castor-Demo bei Splietau im Mittelpunkt stehen. Die Bezirksregierung hat die Demo gestern untersagt. Nun haben Gerichte zu entscheiden. Auch in Splietau werden Tausende von Atomkraftgegnern erwartet. Ab 14 Uhr werden Castor-Gegner versuchen, ihre Aktion »WiderSetzen» zu starten: Sitzblockaden auf der Transportstrecke bei Dannenberg.

Am Montag werden die Castoren die Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague verlassen, eventuell schon mitten in der Nacht. Wenn alles reibungslos läuft, könnte der Atomzug bis Montagabend Lüneburg erreichen, spätestens jedoch am Dienstag. Währenddessen werden Castor-Gegner immer wieder versuchen, die Straßenstrecke zu besetzen.

Spätestens am Dienstag soll der Atomzug den Castor-Verladebahnhof in Breese/Marsch erreichen. Die Demonstrationen werden an diesem Tag einen großen Zulauf haben. In Bree-se/Marsch könnten die Castoren binnen weniger Stunden von der Schiene auf Lkw-Anhänger verladen werden. Wie die Polizeitaktik dann aussieht, bleibt Spekulation. Bekanntlich war dem Einsatzleiter Hans Reime beim März-Transport der Coup gelungen, gleich in den frühen Morgenstunden auf die Straßenstrecke zu gehen- als viele Cas-tor-Gegner noch geschlafen hatten. Diesmal gehen die Spekulationen sogar noch weiter: In Polizeikreisen ist immer wieder von einem »ganz engen Zeitrahmen» die Rede. Das hat Gerüchte genährt, dass die Castoren eventuell schon mitten in der Nacht zum Mittwoch auf die letzte Etappe gehen könnten -im Dunkeln.

 

Bearbeitet am: 10.11.2001/ad


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