vom 10.11.2001
Abstriche beiderseits
Schein und Sein beim vorigen Castor-Transport
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gel Gorleben. Castor-Transporte nach Gorleben sind ein seltsames Spiel. Am Ende gibt es zwei Gewinner. Scheinbar. Ein kritischer Blick auf den März-Transport zeigt jedoch: Beide Seiten, Polizei und Atomkraftgegner, haben ein schwächeres Spiel abgeliefert als beim Transport von 1997 und mussten Abstriche hinnehmen. Die Erfolgsbilanzen von Polizei und Castor-Widerstand waren auch an dem Tag zu vernehmen, als die bisher letzten Castoren ins Gorlebener Zwischenlager einrollten: am 29. März dieses Jahres. Die Polizei blickte auf einen erfolgreichen Einsatz zurück, weil die Castoren endlich im Zwischenlager angekommen waren. Auftrag erfüllt. Als ob daran im Vorfeld Zweifel bestanden hätten. Und die Atomkraftgegner feierten ihren Widerstand gegen den Transport als Erfolg, weil sie mit ihren Protestformen das Medieninteresse für ihre Argumente erneut angefacht hatten. Um mehr geht es nicht. Den Castor wirklich zu stoppen, wenn er rollt - daran glaubt ernsthaft kein Atomkraftgegner. »Wir lassen uns den Protest nicht kleinreden», sagte Wolfgang Ehmke von der Bürger- initiative Umweltschutz (BI). Er meinte damit die zu geringen Angaben über Demonstranten-Zahlen - eine ganz wichtige Größe für den Castor-Widerstand. Die BI selbst sprach von 20000 Atomkraftgegnern, die im März gegen den Castor pro-testierten. Fakt jedoch ist: Die Zahl der Demonstranten blieb klar hinter den Zahlen vom Cas-tor-Transport im März 1997 zurück: gut 10000 Castor-Gegner bei der Auftakt-Kundgebung in Lüneburg; 1997 waren es 15000; 400 Trecker bei der Stunkparade 2001, vier Jahre zuvor waren es 500. Zwischen 5000 und 8000 Demonstranten am 27. März dieses Jahres bei einer Großkundgebung in Dannenberg; vier Jahre zuvor waren es in Splietau 10000. Noch krasser: Am Tag des Straßentransportes gab es 1997 fast 10000 Sitzblockierer auf der Strecke; diesen März waren nur einige hundert Castor-Gegner an der Strecke, als die Castoren überraschend in den frühen Morgenstunden von Breese/Marsch nach Gorleben rollten. Nie zuvor hatte ein Castor so reibungslos die Zielgerade auf der Straße absolviert. Erstmals bei einem Castor-Protest deutlich rückläufige Demonstranten-Zahlen - diese Bilanz ging in den kalten März-Tagen fast unter. Doch auch die Polizei musste Abstriche hinnehmen. Erstmals musste ein Castor-Transport den Rückwärtsgang einschalten, weil sich in Süschendorf Robin-Woodler mit einem Betonklotz an die Gleise festgekettet hatten. Ein Coup der Atomkraftgegner, der den Transport um einen Tag verlängerte und sehr verteuerte. Wie sehr dem Einsatzleiter Hans Reime diese Aktion auf den Magen schlug, war auf der Pressekonferenz am 28. März spürbar. In den Fokus öffentlicher Kritik gerieten auch zwei Polizeitaktiken: zum einen das Konflikt-Management und zum anderen die Verbote für Demo- Camps. Nach ursprünglich anderen Zahlen stellte sich schließlich heraus: Es gibt nur zwölf Konflikt-Manager. Viel mehr Aufwand betrieb die Polizei nämlich mit Öffentlichkeitsarbeit. Schließlich die Camp-Verbote. Kritiker meinen, dass erst durch diese Verbote möglich geworden sei, dass sich gewaltbereite Autonome unter den massenhaften Protest in Dannenberg mischen konnten, wo die Situation am Abend des 27. März bekanntlich eskalierte. 1997 waren die Autonomen für die Polizei noch recht gut kontrollierbar, weil sie sich in Camps bei Quickborn konzentriert hatten.
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Bearbeitet am:10.11.2001/ad