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vom 05.11.2001

»Halbnachweise, kein Beleg»

IAEA-Mitarbeiter rügt gravierende Mängel an Castor-Behältern

tj Breselenz. Nicht nur im Fall Philippsburg - um nur einen aktuellen zu nennen - gibt es Anlass zu Fragen bezüglich des Verhaltens der Betreiber von Atomanlagen. Recht selten werden diese Fragen wirklich vehement gestellt.

So steht es nicht unbedingt zu erwarten, dass das, was Friedhelm H. Timpert am Freitag in Breselenz vortrug, Folgen haben wird: Die Castor-Behälter auch des in den kommenden Wochen in den Landkreis rollenden Typs HAW 20/29 CG seien nur als »integrales System» genehmigt, zu dem unabdingbar die Stoßdämpfer an den Enden der Behälter gehörten. Dass Schockabsorber und Behälter ein solches integrales System darstellen, hätten auch Urteile von Gerichten in Münster und Lüneburg festgestellt.

Genau diese Stoßdämpfer aus Hartholz würden nicht aber ständig an den Behältern sein, führte Timpert, Geschäftsführer der Hamburger Firma Safety Technology Management und Mitglied des Fachausschuss »Sicherer Transport radioaktiver Stoffe» der internationalen Atombehörde (IAEA) in Wien im Gasthaus Lühr in Breselenz bei einer Veranstaltung der Bürgerinitiative Umweltschutz (BI) aus. Damit würden die Behälter nicht den Vorgaben der IAEA entsprechen und dürften eigentlich nicht fahren. Obwohl die Atommüllbehälter Behälter nie solo, sondern immer nur mit den Schockabsorbern getestet worden seien, sei dass Handling der Behälter beim Bewegen per Kran (wie es beim Umladen von Schiene auf Straße oder im Zwischenlager erfolgt) nur möglich, wenn die Stoßdämpfer entfernt würden: Die Vorrichtungen für das Anhängen an einem Kran werden von den Schockabsorbern verdeckt, machte Timpert anhand von Zeichnungen deutlich. Auch beim LKW-Transport, belegt ein von Timpert gezeigtes Foto, fehlten die regulären Dämpfer - die so genannten Transportdämpfer schützen aber nur die obere Hälfte des Behälters. Damit nicht genug: Auch der Brandtest der Behälter sei anders als für ein integrales erforderlich ohne aufgesetzte Stoßdämpfer erfolgt - bei den geforderten Temperaturen würde das Holz im Inneren aber wohl zu Holzkohle.

Auch andere Test seien nicht wirklich beweiskräftig, führte Timpert aus: So seien die Tests, mit denen die Betreiberseite in Werbebroschüren die Sicherheit im Straßen- und Schienenverkehr belegen wollten in England und den USA ausgeführt worden, dort aber würden die Behälter aus anderem Material gefertigt. Vor einem Falltest wurden auf die Betonfläche Holzbohlen gelegt - ein Foto belegt das, in den meisten veröffentlichten Versionen ist aber der Ausschnitt so gewählt, dass die Bohlen nicht abgebildet sind, führte Timpert vor. Sein Fazit: Halbnachweise, die Sicherheit der Behälter sei in keinster Weise belegt.

Bei aller Kritik ist Timpert nicht grundsätzlich gegen die Nutzung von Atomenergie - aber dafür, dass sie sicher wie möglich gemacht wird. Doch, so sagte er in Breselenz, in der ganzen Branche würden die, die es mit Sicherheit ernst nehmen, »kalt gestellt».

Bearbeitet am: 05.11.2001/ad


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