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vom 02.06.2001
Die Stunden von Süschendorf miterleben
Neuer Castor-Film erschienen
| jg Dannenberg. »Guck mal, ich war auch dabei»: Jener
Effekt wird gewiss viele für den neuen Film der BI-Videogruppe interessieren. »Der
Castor kommt . .. die Demokratie geht» ist er betitelt, und er widmet sich weniger dem Transport als dem Drumherum, den Geschehnissen im Vorfeld. Der »Mummenschanz und Schienentanz» ist aufgenommen, Gespräche mit der Polizeiführung, die Nacht im Gleisbett ebenso wie die Großdemo in Lüneburg, die Stunkparade und die Sandsackaktion in Splietau. Anders als TV-Berichterstatter, die all dies nur in sekundenkurzen Häppchen servieren konnten - journalistisch eben - haben die Filmer der Bürgerinitiative Umweltschutz sich mehr Zeit gegönnt für die einzelnen Passagen des Szenarios. Und so können die Betrachter in aller Muße schauen, ob sie sich oder Mitstreiter bei dieser oder jener Aktion wiederfinden. Doch der 85-Minuten-Streifen ist mehr als ein Erinnerungsstück: Er wird dort zur interessanten Dokumentation, wo er diejenigen Ereignisse widerspiegelt, die nur ganz wenige Menschen aus der Nähe verfolgen konnten: die Greenpeace-Aktionen am Verladebahnhof, auf einem Feld und an der Jeetzelbrücke bei Seerau - und die spektakuläre Schienenblockade bei Süschendorf. Diesen Part - das Anketten der Robin-Wood-Aktivisten, das Verharren im Gleisbett, die Befreiung durch die Polizei - haben die Videomacher mit besonderer Akribie eingefangen und angereichert durch Kommentierungen der Blockierer - Tage nach ihrem Tun. Die Zuschauer werden im Film mitgenommen nach Süschendorf, bekommen den Eindruck, mit dabei zu sein. Schon der Titel signalisiert: Neutrale Berichterstattung ist nicht zu erwarten. Dreh und Schnitt sind von entschiedenen Castor-Gegnern gemacht, entsprechen konsequent dem Muster »Wir sind die Guten»: Atomkraftgegner geigen, flöten, singen und tanzen; Polizisten brüllen, knüppeln, spritzen Wasser, knuffen und buffen. Und autonome Chaoten, wie sie in der Dannenberger Bahnhofsstraße und am Bahnhof tobten, werden weder gezeigt noch erwähnt. Fazit: ein weithin professionell gemachter Farbfilm, der auf Schwarzweiß-Malerei nicht verzichtet. Bestellt werden kann der Videofilm unter der Telefon-nummer (05861) 4440. |
Bearbeitet am: 02.06.2001/ad