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vom 25.09.2000

"Atomausstieg - alles Lüge": Fast 5 000 Menschen bei der Gorleben-Demonstration

"Dem Ausstieg Beine machen"

gel Gorleben. Aus den Boxen an der Kundgebungsbühne dröhnt der Rocksong "Alles Lüge". Weiter hinten tuckern Kinder mit einem kleinen Treckergespann heran. Ein kleines Mädchen auf dem Wagen skandiert: "Wir demonstrieren auf allen Vieren" und schreit ins Mikro: "Atomkraft ist 'ne Schweinerei." Das fanden auch die anderen fast 5 000 Demonstranten, die am Sonnabend in Gorleben gegen den Atomkonsens zwischen Bundesregierung und Atomwirtschaft protestierten. "Atomausstieg - alles Lüge" hieß das Motto der Demo. Alles blieb friedlich. Die Polizei attestierte dem Protest gar VolksfestCharakter.

"Wir haben die Nagelprobe bestanden"

"Auf diesen Konsens können wir verzichten", rief die Vorsitzende der hiesigen Bürgerinitiative Umweltschutz (BI), Jutta von dem Bussche, bei der Kundgebung am Zwischenlager in die Menge. Der Atomkonsens sei kein Ausstieg, sondern nur ein Auslaufmodell für die Atomkraftwerke - und "das ist nicht, was wir wollten". "Sauer und enttäuscht" sei man von der rot-grünen Politik, die sich von der Atomindustrie über den Tisch habe ziehen lassen. Nun werde man auf der Straße eine neue Runde einleiten, um "dem Ausstieg Beine zu machen", sagte von dem Bussche.

Das forderte auch Jakob von Uexküll, der Verleiher des alternativen Nobelpreises. Er hält den Atomkonsens mit seiner "Bestandsgarantie" für die AKW für eine "unheilige Allianz" zwischen Regierung und Business. Profitschutz der Unternehmen gehe vor den Bestandschutz der Bürger, kritisierte von Uexküll. Dass RotGrün "so einen Betrug durchzieht", sei "ein Verbrechen an der Demokratie".

Gegen diese Wählerverhöhnung helfe nur eines: Castor-Transporte politisch und finanziell unbezahlbar zu machen.

Ob Wiederaufarbeitung, AKW-Betrieb, Sicherheitskriterien, Castor-Transporte oder PKA: Die Atomvereinbarung sei nichts anderes als ein "Schenkungsvertrag " der Politik an die Wirtschaft. Das meinte Heike Vellguth von der BI in Ahaus. Sie bezeichnete den Atomkonsens als ein "Verbrechen und Bruch der Verfassung,"

Vor der Kundgebung hatte sich der Demonstrationszug von Gedelitz aus zum Zwischenlager bewegt. Etwa 25 Traktoren begleiteten den Zug mit Transparenten und Aufbauten: Ein Castor-Imitat war dort ebenso zu sehen wie eine dampfende MiniPKA und eine riesige goldene Hakenkralle. Dazwischen viele Sprüche auf Transparenten gegen Rot-Grün: " Castoren werden Rot-Grün", "Atommüll bleibt Atommüll", "Strom ohne Atom -aber zacko" und auch:

"Wer kämpft, kann verlieren wer nicht kämpft, hat schon verloren. "

Es sollte das "Widerstandsfoto des Jahres" werden, warb "Mister X" für ein aus Menschen gebildetes riesiges "X" auf einem Feld bei Gedelitz. Etwa 2300 Menschen hatten sich auf die abgesteckten Schenkel des riesigen Buchstabens gestellt. Ein richtiges Fressen für die Medienleute. Doch auf einer Hebebühne, von wo aus das" X" mit Aufblick zu fotografieren war, fanden nur drei Fotografen Platz. Und als die Hebebühne herabsank, um anderen Fotografen die Chance auf ein Foto zu ermöglichen, löste sich das Menschen-"X" bereits auf.

Die BI als Veranstalterin zog eine positive Bilanz:" Wir haben die Nagelprobe bestanden", resümierte BI-Sprecher Wolfgang Ehmke mit Blick auf die Teilnehmerzahl. Die Demo habe gezeigt, dass sich die Leute eben nicht für dumm verkaufen ließen.

Bearbeitet am: 25.09.2000/ad


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