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vom 22.09.2000
Die doppelte Nagelprobe
| gel Gorleben. Die bundesweite
Atomausstiegs-Demonstration in Gorleben am morgigen Sonnabend wird nicht nur Protest sein.
Sie wird auch zur politischen Nagelprobe in zweifachcr Hinsicht: für den Atomwiderstand
einerseits und den Atomkonsens der rot-grünen Bundesregierung andererseits. Vor allem die Teilnehmerzahl wird einen Fingerzeig darauf geben, welche Akzeptanz der ausgehandelte Atomkompromiss zwischen Rot-Grün und den Energieversorgern in der Öffentlichkeit genießt. Anders herum wird die Demonstration aber auch einen deutlichen Hinweis darauf geben, wie groß der Widerstand gegen den Atomkompromiss in den Reihen der Atomkraftgegner tatsächlich noch ist. Die Veranstalter rechnen mit etwa 2 000 bis 3 000 Demonstranten. Die Lüchow-Dannenberger Bürgerinitiative Umweltschutz (BI) ist sich durchaus bewusst über diese Nagelprobe. Die Demo sei auch eine Möglichkeit, "uns untereinander zu vergewissern, wer noch, dabei ist, wenn es drauf ankommt". Nach Meinung der BI gebe es in der Gesellschaft weiterhin eine "relevante Kraft", für die die beschlossenen Laufzeiten der AKWs inakzeptabel ist. Die Demonstration beginnt morgen um 12 Uhr in Gedelitz. Dort soll auf einem Acker ein riesiges X mit Menschen gebildet werden: als Zeichen des ungebrochenen Widerstandes. Danach bewegt sich der Demonstrationszug zum Zwischenlager in Gorleben. Ab 14 Uhr findet dort eine Kundgebung mit mehreren Reden und auch Musik statt. Prominenter Redner auf der Kundgebung wird der Stifter des alternativen Nobel-Preises sein: Jakob von Uexküll. Zudem haben sich zum kulturellen Rahmenprogramm die Magdeburger Rockband, Aufbruch" und die hiesige Gruppe "Hoerstuatz" angesagt. "Atomausstieg - alles Lüge": Dies ist das Motto, unter dem der Protest artikuliert wird. Denn der zwischen Politik und Wirtschaft ausgehandelte Atomkonsens beinhaltet nach Meinung des Atomwiderstandes zwei Lügen: "Statt einen Ausstieg einzuleiten, hat die rotgrüne Bundesregierung der Atomwirtschaft einen umfassenden Bestandsschutz für ihre Anlagen garantiert. Und mit Konsens hat das Ganze nicht die Bohne zu tun", heißt es im Demo-Flyer. Der Atomwiderstand kritisiert die seiner Meinung nach langen und flexiblen Laufzeiten der Atommeiler, deren Lebensdauer allein unter.betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten geregelt werde, und das "Entsorgungsfiasko". Rot-Grün helfe den AKW-Betreibern, das Entsorgungsproblem zu vertuschen, heißt es. Die Atomstromer hätten sich eine Gesamtlaufzeit von realistisch gerechnet über 35 Jahre für die AKWs erpokert. Daher handelt es sich nach Ansicht der BI beim Konsens auch nicht um einen Ausstieg aus der Atomkraft. "Der weitere Betrieb der AKWs wird vielmehr in Beton gegossen." Bundesweite Unterstützung erhält die BI von zahlreichen AntiAtom-Initiativen und den großen Naturschutzverbänden wie den BUND. |
Bearbeitet am: 22.09.2000/ad