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vom 09.08.1999

Krümmel Patzer bei Probelauf
Jahr-2000-Problem bringt Meiler in Bedrängnis

dpa Hamburg. Die Neujahrsnacht 2000 könnte für die Stromversorgung der Atommeiler und Gaswerke in Deutschland nach einem "Spiegel"-Bericht offenbar riskanter werden als bislang bekannt.

Auch wenn die deutschen Atomkraftwerke wegen ihrer überwiegend computerarmen Technik als relativ unanfällig gegen die Datumsumstellung gelten, kann es nach Einschätzung der Gesellschaft für Reaktorsicherheit zu Problemen kommen. Es bestehe die Möglichkeit, daß Störungen und Ausfälle gleichzeitig auftreten etwa bei Drehzahlmessumformern der Hauptkühlmittelpumpen, aber auch bei Überwachungs-, Melde-, Zugangs- und Kommunikationsrechnern sowie Brandschutzsystemen, zitiert das Blatt aus einem Schreiben.

Kritischer als bei den Atommeilern erscheine die Situation der Gasversorgung, so das Magazin. Wenn durch einen großen Stromausfall viele Sicherheitsventile der Gaspipeline aus Russland gleichzeitig schließen, müsse das 148 000 Kilometer verschlungene Röhrenwerk den Rückschlag aushalten. Die Gasvorräte für Hamburg reichten einen halben Tag. Die Essener Ruhrgas könnte ihre Kunden dagegen nach eigenen Angaben noch ein viertel Jahr beliefern. Für Silvester sei eine 1000 Mann stark Sondertruppe für Notfälle geplant.

Der Energiestaatssekretär von Schleswig-Holstein, Wilfried Voigt, sagte, die Komplexität der verwobenen Energie- , Computer- und Kommunikationsnetze "ist derart unübersichtlich, daß schon kleinste Ausfälle irgendwo Kettenreaktionen mit ganz und gar unabsehbaren Folgen nach sich ziehen können". Bis September müssen die Betreiber der drei Atomkraftwerke in Schleswig-Holstein die Jahr-2000-Fähigkeit ihrer Anlagen nachgewiesen haben. Als im Kernkraftwerk Krümmel der Datumssprung simuliert wurde, spielten der Kernüberwachungsrechner - er prüft den Abbrand der Uranstäbe im Reaktorkern - sowie ein Abgasrechner verrückt, berichtet das Blatt.

Bearbeitet am: 09.08.1999/ad


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