| fk Lüchow.
Ein Teil grün, sieben Teile rot - das Ausstiegskonzept der neuen Bundesregierung folgt
den politischen Gewichten in der Koalition. Das gestern in den Koalitionsgesprächen
vereinbarte Konzept sieht keine Frist für den Ausstieg aus der Atomenergie vor. Doch
innerhalb von vier Jahren soll dieser Ausstieg unumkehrbar festgesehrieben werden. Die
Vereinbarung hat handfeste Folgen für" Gorleben". 
UNTERBROCHEN WERDEN DIE ARBEITEN auf der
Endlager-Erkundungsstätte. Dies besagt das Koalitionspapier von SPD und Grünen. Ob die
Erkundung je wieder aufgenommen wird, läßt die Koalitionsabsprache offen. Archivaufn.:
K. E Kassel
Die Erkundungsarbeiten am Endlager
werden unterbrochen. Ob sie zu einem späteren Zeitpunkt je wieder aufgenommen werden,
läßt die Koalitionsabsprache offen.
Die Vereinbarung zur Atompolitik beginnt in dem von SPD und Bündnis 90/Die Grünen
"Ausstieg
wird unumkehrbar geregelt" |
gesegneten Papier mit
einer kategorischen Feststellung: "Der Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie wird
innerhalb dieser Legislaturperiode umfassend und unumkehrbar gesetzlich geregelt. Der
Ankündigung sollen schon in den ersten 100 Tagen der neuen Regierung Taten folgen. Das
Atomgesetz, gerade von der alten Mehrheit geändert, soll noch einmal revidier-t werden.
Diesmal in entgegengesetzte Richtung. Als erstes wird der Förderzweck des Gesetzes
zugunsten der Atomenergie gestrichen. Außerdem müssen alle Anlagenbetreiber innerhalb
eines Jahres eine Sicherheitsüberprüfung vorlegen. Einzig die direkte Endlagerung soll
künftig als Entsorgungsnachweis gelten. Das bedeutet den Ausstieg aus der
Wiederaufarbeitung.. Künftig soll es keine
Transporte mehr nach la Hague und Sellafield geben. Auch zurück würde nur noch der
bisher bereits angefallene Müll in Castor-Behältern kommen.
Pflicht
für Betreiber: Sicherheitsprüfung |
Die Atomgesetzänderung der alten Regierung wird aufgehoben. Schließlich müssen
AKWBetreiber künftig eine wesentlich höhere Deckungsvorsorge für den Schadensfall
betreiben. Bisher müssen sie sich gegen 500 Mio. DM Schadenssumme versichern. In den
Ausstiegsszenarien vor der Wahl wurde diese Summe um ein Mehrfaches erhöht.
Als zweiter Schritt sollen Gespräche mit der Energiewirtschaft stattfinden. Thema wird
eine neue Energiepolitik und der Ausstieg aus der Atom-energie sein.
Der Zeitraum für solche freiwilligen Vereinbarungen ist begrenzt. Sollte nach einem Jahr
kein Ergebnis absehbar sein, wird der Ausstieg per Gesetz geregelt. Damit das
entschädigungsfrei erfolgen kann, werden die bisher unbefristeten Betriebsgenehmigungen
für Atomkraftwerke zeitlich befristet. Eine Zahl dafür sieht die Koalitionsvereinbarung
nicht vor. Niedersachsens Umweltminister Wolfgang Jüttner hatte erst vor wenigen Tagen
gegenüber der EJZ erklärt, man könne nicht eine solche Frist vorgeben und dann noch zu
Konsensgesprächen einladen.
Endlager
Morsleben wird geschlossen |
Einig
sind sich die Koalitionäre darin, daß das alte Entsorgungskonzept gescheitert ist.
Sie wollen einen nationalen Entsorgungsplan für die Erblast der radioaktiven Abfälle
aufstellen. Dieses Konzept entspricht dem, was die EJZ bereits über die Vorstellungen des
Grünen-Umweltstaatssekretärs Baake aus Hessen und die Pläne
von Umweltminister Jüttner (SPD) vorgestellt hat. Beide Konzepte stimmten bereits vor der
Wahl weitgehend überein. So soll es künftig nur ein einziges Endlager geben. Schacht
Konrad entfällt. Das Endlager wird erst ab 2030 gebraucht, also ein Moratorium bei der
Endlagersuche. Die Erkundung in Gorleben wird unterbrochen. Andere Standorte werden auf
ihre Eignung als Endlager hin untersucht. Anschließend soll ein Standortvergleich den
bestmöglichen Standort ermitteln. Das Endlager in Morsleben wird geschlossen.
Schließlich sollen Transporte von abgebrannten Brennelementen nur noch dann stattfinden,
wenn es keine Zwichenlagerkapazitäten an den AKW-Standorten gibt und deren Betreiber das
nicht zu vertreten haben. Die Regelung der Koalitionäre läßt Fragen offen. Was zum
Beispiel soll mit den Abfällen aus Frankreich passieren? Wohin mit vorhandenem Plutonium?
Der Konflikt um Atomenergie hat auch in den nächsten Jahren noch Nahrung. |