"Weiß die linke Hand nicht, was die rechte macht?"
Die Deutsche Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern (DBE) konterkariert die Endlagerpolitik Sigmar Gabriels
BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg widerspricht dem Bundesumweltminister
Das Bundesumweltministerium plant nach den Worten des Ressortchefs Sigmar Gabriel den sicheren Einschluss radioaktiver Abfälle in tiefen geologischen Formationen, eine Langzeitzwischenlagerung oder die Rückholung des Atommülls aus einem stillgelegten und verschlossenen Endlager sei nicht geplant. Entsprechenden Medienberichten, das BMU erwäge nun auch für eine Phase von 1000 Jahren nach der Einlagerung die Rückholbarkeit der Nuklearabfälle, trat Gabriel entschieden entgegen.
Die FAZ hatte ein Positionspapier des BMU zitiert, in dem es hieße, eine gegebenenfalls von künftigen Generationen "für notwendig erachtete Rückholung der Abfälle aus dem stillgelegten und verschlossenen Endlager darf nicht unnötig erschwert werden". Deshalb seien die Daten zu Abfällen und Lagern in einem Umfang zu dokumentieren, die es erlauben, auf eine Deponie zugreifen zu können. Gabriel betonte hingegen, die Behälter sollten so konstruiert sein, dass für 500 Jahre der sichere Einschluss garantiert sei.
Insgesamt sollten die Abfälle für eine Million Jahre von der Biosphäre abgeschirmt werden. "Ein solches Versprechen Sicherheit für eine Million Jahre - halten viele Menschen für Hybris", hält die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg dem Bundesumweltminister entgegen. Es sprenge schlicht das menschliche Beurteilungsvermögen. Schon die Aussicht auf 500 Jahre Sicherheit durch die technische Barriere "Behälter", sei eine zweifelhafte Angelegenheit, wenn weder das BMU noch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), das mit der Errichtung eines Endlagers betraut ist, hätten bisher darauf reagiert, dass die Baufirma, die Deutsche Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern (DBE), derzeit eine behälterlose (!) Einlagerung hochradioaktiver Abfälle erprobt.
Schon Anfang Juli hatten die Gorleben-Gegner öffentlich darauf hingewiesen, dass die DBE in ihrer Versuchsanlage in Landsbergen/Weser, einem alten Kohlekraftwerk, entsprechende Versuche, das Hantieren mit den sogenannten BSK-3-Kokillen durchführe. Bisher sollten die Castorbehälter nach einer längeren Lagerzeit die Castoren sind lediglich Transport- und Lagerbehälter - in der Pilot-Konditionierungsanlage (PKA) Gorleben entladen werden. Brennelemente bzw. verglaste hochradioaktive Abfälle aus der Wiederaufarbeitung würden in Pollux-Behälter die Endlagerbehälter umgepackt. Die dickwandigen Pollux-Behälter galten als erste Barriere in einem Mehrbarrierenkonzept bei der Endlagerung radioaktiver Abfälle.
Nun würden lediglich Abschirmungen beim Hantieren mit den BSK-3-Kokillen verwandt, um die Strahlenbelastung des Personals zu minimieren, auf Behälter würde verzichtet. Ein BI-Sprecher: "Da weiß nun offensichtlich die linke Hand in der Endlagerdebatte nicht, was die rechte macht. Die Frage ist auch, wer finanziert derartige Versuche, denn die DBE bekommt über die Endlagervorausleistungsverordnung das Geld aus Berlin."