Bundesumweltminister Gabriel legt Entwurf für Sicherheitskriterien für die Endlagerung vor
BI Umweltschutz kritisiert Abrücken vom Mehrbarrierensystem
Das Bundesumweltministerium hat einen Entwurf der "Sicherheitsanforderungen an die Endlagerung wärmeentwickelnder radioaktiver Abfälle" veröffentlicht und fordert zur Diskussion auf.
Eine erste Durchsicht des Entwurfs zeige, so die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V. (BI), dass - wie erwartet - von einem Mehrbarrierensystem abgerückt wird. Das gewählte Wirtsgestein - der "einschlusswirksame Gebirgsbereich", wie es in dem Entwurf heißt - soll im Zusammenwirken mit geotechnischen Verschlüssen (Schachtverschlüsse, Dämme und Versatz) nunmehr allein gewährleisten, dass die Biosphäre nicht radioaktiv belastet wird. Bisher galt, dass neben dem gewählten Wirtsgestein in tiefen geologischen Formationen wie Salz, Ton oder Granit nicht nur technische, sondern auch weitere natürliche Barrieren einen sicheren Einschluss des Atommülls gewährleisten sollten. In der Gorleben-Debatte kam dem Deckgebirge bekanntlich eine weitere gewichtige natürliche Barrierefunktion zu. Ein BI- Sprecher: "Wir sind alarmiert und werden den Entwurf gründlich mit Fachleuten besprechen".
Nicht nur Wassereinbrüche und das Absaufen eines Endlagers müssten ausgeschlossen werden, so ist es im Entwurf nachlesbar. "Das ist eigentlich lapidar und wurde auch für die beiden Atommülldeponien Asse II und Morsleben, die gerade absaufen bzw. einstürzen, in der Planungsphase ausgeschlossen. So schnell holt die Realität der Planer ein", kommentiert die BI. "Wie sieht es hingegen mit den Rinnsälen und Wasseräderchen, den Wasserwegsamkeiten aus, wenn für eine Million Jahre Sicherheit versprochen wird" Doppelt hält besser! Wir brauchen, um es bildhaft zu sagen, Gürtel, Knöpfe und Hosenträger. Rückt Sigmar Gabriel von diesem Prinzip ab, weil Gorleben dann automatisch aus dem Kreis möglicher Standorte ausscheidet?", fragt die Initiative. Schließlich plädiere Sigmar Gabriel dafür, Gorleben mit anderen Standorten zu vergleichen. Wiederholt hatten die Gorleben-Gegner auf das Manko verwiesen, dass wasserführende Schichten direkt auf dem Salzgestein liegen und keine hinreichende Abschirmung durch Ton vorhanden ist. "Da drängt sich eine alarmierende Parallele zum absaufenden Atommülllager Asse II auf!"
Das Endlagersymposium, das auf Einladung des Bundesumweltministers von 30. Oktober bis zum 1. November 2008 in Berlin stattfindet, werde für die Debatte einen geeigneten Rahmen bieten. "Wir werden uns dort in die Debatte argumentativ und demonstrativ einmischen", kündigt ein Sprecher an.