"Was heißt eigentlich Erkundung"
Die Bürgerinitiative Umweltschutz fordert vom Präsidenten des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) eine Klarstellung
Der Präsident des Bundeamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, hatte in die Debatte um Laufzeitverlängerungen und um die Fortsetzung der Bauarbeiten im "Erkundungsbergwerk Gorleben" eingegriffen. In Interviews hatte König alle Seiten davor gewarnt, die Eignung oder Nicht-Eignung des Salzstocks Gorleben-Rambow als Atommüllendlager zu behaupten. Ein atomrechtliches Genehmigungsverfahren würde noch Jahre in Anspruch nehmen und es gebe ein hohes Risiko, dass am Ende Gorleben als Endlager nicht genehmigungsfähig sein wird, weil wissenschaftlich anerkannte Grundsätze wie eine alternative Standortsuche und eine Bürgerbeteiligung an diesem Standort nicht gegeben waren.
In einem Brief an Wolfram König stellt die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) ihren Standpunkt klar: "Das Gorleben-Moratorium des Jahres 2000 war Ergebnis eines politischen Kompromisses, zustande gekommen ist das Moratorium aber nur, weil Geologen an der Eignung Gorlebens zweifeln." Erinnert wird, dass dem BfS das 300 Seiten umfassende Gutachten von Prof. Dr. Klaus Duphorn aus dem Jahr 1982 vorliegt, im dem fundiert und akribisch dargelegt wird, welche Risiken der Salzstock Gorleben als Folge der komplizierten geologischen Struktur und der Wasserkontakte, Laugennester und eines nicht vorhandenen Deckgebirges auf mehreren Quadratkilometern für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle berge. Auftraggeber war die Physikalisch- Technische Bundesanstalt (PTB), also die Vorläuferbehörde des BfS.
Im Mai 1983 hatte der Amtsleiter Professor Helmut Röthemeyer in Hannover gegenüber Journalisten eine Zusammenfassung der bis dahin vorliegenden Untersuchungsergebnisse mit einer "internen Gesamtbewertung" verbunden, die zu der Empfehlung gelangte, "das Erkundungsrisiko breiter zu streuen." Erklärtes Ziel der PTB war es, auch andere Salzstöcke zu erkunden. "Für eine Behörde war das ein unerhört mutiger Schritt, noch konsequenter wäre gewesen, ganz auf die Einbahnstraße Gorleben zu verzichten", folgert die BI. Erst zwei Jahre später erfuhr die Presse, dass die Bundesregierung der PTB per Weisung untersagt hatte, derartige Überlegungen anzustellen (FR 25.7.85 "Maulkorb für kritische Äußerung über Gorleben").
Die BI hakt nun nach: "Wir halten es für dringend geboten, dass dieser Vorgang jetzt angesichts der anhaltenden Debatte um die Fortsetzung der Arbeiten unter Tage seitens des BfS öffentlich gemacht wird, um deutlich zu machen, dass die Zweifel an Gorleben begründet sind, politisch aber vom Tisch gewischt wurden."
Prof. Klaus Duphorn sei Fachwissenschaftler, kein Politiker. Als Fachmann agierte er äußerst umsichtig und forderte zunächst weitere Erkundungen in Gorleben. Später revidierte er seine Auffassungen und warnte eindringlich vor der Fortsetzung der Bauarbeiten in Gorleben. Unter Erkundung verstand er ausschließlich weitere Tiefbohrungen, u. a. an den Flanken des Salzstocks, nicht den Ausbau des Bergwerks, ruft die BI ins Gedächtnis.
In dem Schreiben an Wolfram König heißt es wörtlich: "Sie in Ihrer Eigenschaft als Präsident des BfS sprechen in den jüngsten Stellungnahmen auch davon, dass Gorleben nicht zu Ende erkundet wurde. Wir möchten Sie bitten, klar zu stellen, was Sie unter Erkundung verstehen. Wir können uns nicht vorstellen, dass Sie die Fertigstellung des Endlagerbergwerks mit einer Erkundung gleichsetzen."