Renaissance der Anti-Atom-Bewegten
Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg sichert sich bundesweite Unterstützung
Atomkraftbefürworter in Deutschland werden noch lange auf einen Stimmungsumschwung warten können. Die konzertierte Dauerkampagne der Unionsparteien und der Energiekonzerne E.ON, Vattenfall, RWE und EnBW ruft eine Gegenbewegung auf den Plan. Über 15.000 Unterschriften für ganzseitige Anzeigen "gegen den Ausstieg aus dem Ausstieg" innerhalb einer Woche verzeichnet das Bündnis großer Umweltverbände wie DNR, Deutsche Umwelthilfe und Klima-Allianz. Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg gehört zu den Unterzeichnern, schließlich mündet der Appell in einen Aufruf zu einer bundesweiten Anti-Atom-Demonstration am 8. November in Gorleben. "Noch sind es Seminare und außerordentlich gut besuchte Saalveranstaltungen zum Themenkreis Atom und Atommüllentsorgung.
Doch auf den "Ratschlägen" der Atomkraftgegner im Wendland werden schon Aktionsideen ausgetauscht, wie man sich im November bei dem nächsten Castortransport eindrucksvoll zur Wehr setzen kann," resümiert die BI- Vorsitzende Kerstin Rudek. Ganz besonderer Beliebtheit erfreut sich die Kaffeefahrt der Bürgerinitiative. "BI on tour" hieß es schon dreimal. Der zweite Vorsitzende der Anti-Atom-Initiative, Gerhard Harder, chauffiert selbst den Reisebus und steuert Brennpunkte der Castor-Auseinandersetzung an.
Die Moderation und Kommentierung der Widerstandsgeschichte erfährt durch den Medienhype pro Atom eine enorme Aktualität. Immer wieder meldeten sich Menschen, die sich wundern, warum beispielsweise unter der Überschrift "Vattenfall legt zu" (EJZ 31.7.08) am Ende eingestanden wird, dass die Atommeiler Krümmel und Brunsbüttel stillliegen, weil die Kontrolle von Dübeln und die Sanierung von Rissen sehr aufwändig sei.
"Wir mussten immer wieder Interessierte abweisen, der Bus war voll", bedauert Harder. Am Zielpunkt, vor den Toren des sogenannten Erkundungsbergwerks Gorleben, wird klar, auf den Touren geht es nicht um Geschichte, sondern der Widerstand kommt auf Touren. "Im nächsten Jahr entscheidet es sich, ob nach Ablauf des Moratoriums Gorleben weiter ausgebaut wird, wie es zuletzt der CSU- Chef Erwin Huber verlangte, trotz geologischer Zweifeln, dagegen machen wir Druck", so Kerstin Rudek. Für jedes Atomkraftwerk, das weltweit im Bau ist, will die Bürgerinitiative ein neues Mitglied gewinnen. "439 AKWs sind am Netz, 33 im Bau, davon 20 seit mehr als 20 Jahren. Wir zählten vor Beginn unserer Öffentlichkeitskampagne 863 Mitglieder, 21 Neueinsteiger konnten auf den Touren gewonnen werden, aber sicher haben auch wir 20 Karteileichen im Keller", schmunzelt Harder. "Auf der letzten Busfahrt am kommenden Wochenende wollen wir gleichziehen und im November die Atomlobby auszählen." Der Bus fährt am Sonntag um 15 Uhr in Lüchow, nicht wie inseriert in Kriwitz, am Busbahnhof ab.